Die Hitze und die Produktivität

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Eine kleine Pflanze die zwischen Steinen wächst

Holy Moley, was sind das für Temperaturen in diesem Sommer! Morgens um 7 Uhr hat sich mein Büro schon auf über 30 Grad erwärmt. Aber ich will mich nicht beklagen. Die Woche beobachtete ich einen Estrichleger, wie er in den Mittagsstunden eisern, aber mit großer Anstrengung seine Estrichmaschine betankte.

»Bei der Hitze kann ich gar nicht mehr denken«, ist so ein Satz, den ich in den vergangenen Wochen oft gehört habe. Tja, unter solchen klimatischen Bedingungen zu arbeiten, ist heavy. Vor allem für Menschen mit Berufen an „der frischen Luft“; wie Maurer, Dachdecker, Gärtner und so weiter. Für sie gibt es keine Klimaanlage …

Kurzum, leistungssteigernd wirkt dieser Sommer nicht, oder?

»Warum schließen wir zum Beispiel kein Freihandelsabkommen mit Afrika?«, fragte ich vor ein paar Wochen einen Gesprächspartner. Ausgangspunkt unserer Diskussion war das Thema Flüchtlinge. Bei seiner Antwort rang er um die Wortwahl: »Naja, es gibt viele Länder in denen die Menschen nicht so produktiv sind.«1 – Warum sind sie nicht so produktiv? Möglicherweise liegt es daran:

Denken Sie an Syrien: Die Unruhen im Land begannen nach den schlimmsten Dürrejahren der Landesgeschichte. 1,5 Millionen Menschen flüchteten innerhalb Syriens, weil die Ernten ausgeblieben waren, und das Vieh starb. Die Menschen verließen ihre Dörfer und fanden sich in den Randgebieten von Homs und Aleppo ein. Das führte zu einer großen sozialen Unzufriedenheit. Die Regierung half den Dürreopfern nicht. So trugen Klimawandel und Dürre zu den Massenprotesten bei. Wir wissen, wo das endete.

Stefan Rahmstorf, „Wie schlimm muss der Klimawandel werden, bis wir so weit sind?“, fixinglife.de, 30.7.2018

Stimmt, Syrien gehört nicht zu Afrika. Aber ist das Klima in Afrika besser als in Syrien?

Bestimmt habt Ihr in den vergangenen Tagen auch gelesen, dass unsere Landwirte aufgrund der langandauernden Trockenheit und der dadurch erwarteten Enteausfälle in diesem Sommer nach staatlicher Hilfe rufen2.

Sicher habt Ihr auch von dem Jahresbericht der US-Klimabehörde NOAA gelesen: „Die vergangenen vier Jahre sind die wärmsten seit Beginn meteorologischer Aufzeichnungen im späten 19. Jahrhundert gewesen.“3

Und gewiss habt Ihr Euch Gedanken über unser Trinkwasser gemacht: Wie sicher sind Deutschlands Wasserreserven? Grund zur Panik besteht offensichtlich (noch) nicht. Aber Sorgen mache ich mir schon …

Tja, so ist das mit der Hitze, der langandauernden Trockenheit – und der Produktivität.

Und was machen wir, wenn uns das Wasser dann doch ausgeht? – Wohin flüchten wir?

Update 5.8.2018: „Es gibt kein territoriales Aussen des Klimawandels. Da hilft auch kein Eskapismus.“ – Carolin Emke in: Der Klimawandel bedroht alle - und die Politik sieht zu, 3.8.2018.


  1. Seine weitere Argumentation habe ich hier angehängt, weil sie andere Themenfelder berühren:
    Auch seien viele Regierungen dieser Länder nicht für Handelsabkommen geeignet. »Die Flüchtlinge kommen halt aus anderen Kulturen«, schloss er seine Begründung. Als er das sagte, musste ich an die in meinem Text Glockenläuten für den Frieden verlinkten Beiträge denken. [return]
  2. Siehe zum Beispiel: ”… der Bauer ruft nach Steuergeld”, www.tagesschau.de, 2.8.2018 [return]
  3. Siehe zum Beispiel: Der Planet heizt sich auf, www.tagesschau.de, 2.8.2018, oder: Hitze und Dürre: Klimabericht für 2017 zeigt deutliche Trends der Erwärmung, www.heise.de, 2.8.2018 [return]