Alles und sofort, oder weniger und dafür sicher?

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Kabelsalat

Eine schöne, neue Welt, die wir uns da machen. Kein Tag vergeht, an dem keine neue Hiobsbotschaft in Sachen Soft- oder Hardware gemeldet wird. Zurzeit in aller Munde sind die Sicherheitslücken Spectre und Meltdown. Und was lernen wir daraus? Werden wir auch selbst aktiv, oder setzen wir darauf: Irgendeiner wird das schon richten. Denn: Was interessiert mich als normaler Anwender die Datensicherheit. Dafür bin ich nicht zuständig. – Wirklich nicht?

»Digitalisierung ist das neue Würselen«, berichtete Urban Priol in seinem Jahresrückblick: „TILT! Tschüssikowski 2017“ in Anspielung auf die von Martin Schulz im Anlauf zur Bundestagswahl 2017 inflationär erwähnte Stadt Würselen, in der Martin Schulz mal Bürgermeister war. Es gibt keinen Bereich, auf den wir die Digitaliserung nicht stülpen können – oder wollen. Selbst die Pflege könnte man doch …

Die Digitalisierung von Kommunalverwaltungen hatte ich hier schon häufiger. Vor ein paar Tagen musste ich laut lachen, als ich diese Überschrift las: Die Papierakte ist weg! Lang lebe die Papierakte! Hach!, was könnte ich zu der Überschrift und zu dem Text alles erzählen – heute jedoch nicht, später mal. Einen Punkt verrate ich aber schon: So einfach wie sich das einige Akteure vorstellen ist das nicht.

Ein Beispiel? Okay: Ob große oder kleine Verwaltung, grundsätzlich haben sie die gleichen Aufgaben zu erledigen. Viele Aufgaben erfordern ein fundiertes Fachwissen. Aber: In großen Verwaltung beschäftigen sich ein Leut oder mehrere mit einer bestimmten Aufgabe. In kleinen Verwaltungen dagegen beschäftigt sich ein Leut mit mehreren solcher Aufgaben. Anders ausgedrückt: Leute in großen Verwaltungen haben fundierte, spezielle Kenntnisse, Leute in kleinen Verwaltungen haben breitere Erfahrungen, Kenntnisse von mehreren Aufgabenfeldern. – Welche Anforderungen werden die jeweiligen Anwender wohl an die Software stellen, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen soll?

Zurück zum Stichwort Datensicherheit. „Ein beschleunigter Meldeprozess von Ergebnissen von Urnengängen könne nicht zu Lasten von ‚Sicherheit, Korrektheit und Nachvollziehbarkeit‘ gehen“, zitiert heise.de Linus Neumann vom Chaos Computer Club in dem Artikel: 34C3: CCC fordert Open-Source-Wahlsoftware nach “PC-Wahl”-Fiasko.

Was ich damit sagen will ist: Ich habe nichts gegen die Digitalisierung. Im Gegenteil, würde ich sonst bloggen? Doch ich habe den Eindruck, dass wir über Datenschutz und Datensicherheit immer erst nachdenken, wenn „ein Kind in den Brunnen gefallen ist“. Daher: Lasst uns das Thema Digitalisierung ruhig und besonnen angehen. Außerdem: Es ist nicht alles gut was von „oben“ kommt.

Und ein Punkt ist mir ganz besonders wichtig. Fefe hat die Woche darauf aufmerksam gemacht:

Welche Lektionen lernen wir denn jetzt von Spectre und Meltdown? Mein Mantra ist ja immer: Komplexität ist der Feind.

Felix von Leitner, blog.fefe.de

Eierlegende Wollmilchsäue. Wir möchten immer alles und sofort. Und wir wundern uns, wenn das dann kompliziert und fehlerbehaftet ist.

„Was interessiert mich als normaler Anwender die Datensicherheit. Dafür bin ich nicht zuständig“, habe ich oben geschrieben. Wir, die Anwender, sollten es sein, die die Anforderungsprofile formulieren. Und wir sollten Prioritäten setzen: alles und sofort, oder: weniger und dafür sicher.