Von der Demokratie und der verwirrten Herde

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Schafe

Erinnert Ihr Euch noch an den Artikel: Warum schweigen die Lämmer? – Was haltet Ihr von der Herrschaftsform1 Demokratie?

Demokratie […] bezeichnet Herrschaftsformen, politische Ordnungen oder politische Systeme, in denen Macht und Regierung vom Volk ausgehen.

de.wikipedia.org: Demokratie

Die „minimal“ abgespeckte Variante kennt Ihr: die Repräsentative Demokratie. Und? Seid Ihr zufrieden damit? Am 24. September 2017 haben wir den Deutschen Bundestag gewählt. Aber die Gewählten konnten sich bislang nicht einig werden, wer da nun wie die Regierung bildet – derzeit noch in Planung: die Jamaika-Koalition.

Kürzlich fragte mich ein guter Bekannter: »Warum können die sich nicht einig werden? Das kann ich nicht verstehen!« Er war sichtlich entsetzt. So gutmütig wir er ist, glaube ich ihm wirklich, dass er alles für ein Kompromiss tun würde. Aber ich fragte ihn: »Du und deine Frau – Ihr habt drei Autos. Da ist dein Schlachtschiff, da ist der Kleinwagen deiner Frau, und da ist euer Wohnmobil. Vor über zwanzig Jahren habe ich schon gesagt, der Sprit muss mindestens 5 DM kosten, damit ein Umdenken erfolgt. Was meinst du wohl, wie wir diskutieren würden, sollten wir beide die Regierung bilden müssen?«

Warum muss man unbedingt eine Mehrheit haben?, fragte Andreas ein paar Tage nach der Bundestagswahl. Dazu schrieb Andreas:

[…] dass ich es eigentlich viel demokratischer und sinnvoller finde, Entscheidungen nicht immer nur mit einer Mehrheit durchzuboxen, sondern mit allen vernünftig zu diskutieren und zu beraten und danach – unter Umständen mit wechselnden Mehrheiten – zu beschließen.

Auch Stephan Hebel hat diesen Aspekt im Presseclub vor zwei Wochen mehrmals in die Runde gebracht. Natürlich stimme ich Andreas und Stephan Hebel zu. – Doch: Warum geht das nicht? Warum muss es immer möglichst große Machtfülle sein?

… Weil es um Freund-und-Feind-Schubladen geht? Weil die Lobbyisten locken oder drohen? Weil es Pfründe zu sichern gilt? Weil es gar nicht um Ziele sondern um Machterhalt geht? Oder weil es schlichtweg gar nicht vorangehen würde?

Ich meine mich zu erinnern, dass dieses „Argument“ im Presseclub auch angebracht wurde: Es würde endlos diskutiert und es würde ewig dauern, bis Entscheidungen getroffen werden. Und ich meine, Stephan Hebel hätte daraufhin entgegnet, dass es aber auch noch nicht wirklich probiert worden ist. – Ich frage mich: Was wäre unter solchen Bedingungen wohl aus der Pkw-Maut geworden?

Warum ich das hier schreibe? Nun, diese Dinge kamen mir wieder in den Kopf, als ich mir gestern die ersten zwanzig Minuten des Vortrages von Professor Rainer Mausfeld (via) zu diesem Thema angeschaut habe: „Wie sich die ‚verwirrte Herde‘ auf Kurs halten lässt – neue Wege der ‚Stabilitätssicherung‘ im autoritären Neokapitalismus“. Professor Mausfeld geht darin auch der Frage nach: Was ist das, die Repräsentative Demokratie?


  1. Ich möchte nicht vom eigentlichen Thema ablenken. Daher diese Fußnote:
    Herrschaftsform – interessant nicht wahr? Warum heißt es nicht zum Beispiel Frauschaftschaftsform? »Och Volker, das ist ein uralter Begriff, das ist doch öde, darauf rumzureiten.« Wirklich? Auch der Gedanken der Demokratie ist uralt … Wer übt bei einer Herr-schaftsform die Macht, die Führung, die Autorität aus? [return]