There’s a Light

Foto von der Illumina 2011

Na, wovon habe ich diesen Titel „geklaut“? Well done! So heißt ein bekanntes Musikstück aus dem Soundtrack des Musicals The Rocky Horror Show. Ja, ich oute mich gern als einen großen Fan des Musicals. Lange bevor ich den Film gesehen, und lange bevor ich eine Inszenierung davon in einem Theater in Hamburg erleben durfte, hat mich bereits die Tonspur des Kinofilms in ihren Bann gerissen. Soheit so gut. Aber darum soll es hier gar nicht gehen.

Heuer läuft im Kurpark von Bad Pyrmont wieder die Illumina. Solche Lichtshows gibt es mittlerweile immer häufiger zu sehen. Und ich gestehe, dass ich mir auch die Pyrmonter Illumina 20171 gern anschauen möchte. Sollte mir das gelingen, dann gibt es hier auch aktuelle Fotos.

Wie gesagt, auch mich faszinieren solche Lichtinstallationen. Ich vermute, das hat auch etwas mit einer archaischen Begeisterung für Licht, für das Licht von Feuer zu tun. Für uns ist es selbstverständlich, dass nicht nur das Tageslicht, das Licht der Sonne oder in der Nacht, die des Mondes und der Sterne, uns den Weg erhellen. Wir können nahezu alles beleuchten und für uns sichtbar machen. Würden wir aber ohne Beleuchtung zwischen dichten, hohen Bäumen gehen wollen – wäre uns vermutlich anders zumute.

Nebenbei: Wie weit wäre der Fortschritt in Sachen Illumintion wohl, wenn wir, wie einige Tiere, auch nachts prima sehen könnten?

Aber: Wenn wir bei Dunkelheit „nicht mehr die Hand vor Augen sehen“ können – dann zücken wir das Smartphone. Das ist sehr praktisch. Früher sind wir, wenn der Osterräderlauf zu Ende war, gern auch mal bei stockfinsterem Nachthimmel vom Osterberg herunter gestolpert. Die Wenigsten haben daran gedacht, sich für diesen Fall eine Taschenlampe einzustecken. Aber so ein Smartphone ist wie eine Unterhose. Die ist auch (fast) immer an Bord. Und eines der besten Features von Handys sind die darin verbauten Taschenlampen. Apropos: Das ist übrigens auch eine interessante Illumination, wenn man die vielen Smartphones durch den Wald spazieren gehen sieht.

Anders ausgedrückt: Üblicherweise vermeiden wir Orte an denen es stockfinster ist. Doch …

Wenn wir uns mal Fotos und Videos von der Erde anschauen die von Satelliten aufgenommen wurden, könnten wir den Eindruck gewinnen, außer den Meeren gibt es kaum noch Orte, an denen es nachts stockfinster ist. In Ballungsszentren scheint es den Fotos nach zu urteilen regelrecht zu brennen. Umgekehrt aber können wir den Mond und die Sterne immer schlechter beobachten – wegen der Lichtimmissionen. Es reicht, wenn Ihr den Hobbyastronom in der Nachbarschaft mal auf das Thema ansprecht.

Okay, was interessiert dem Otto-Normalverbraucher der Mond und die Sterne? Die Hauptsache ist, wir haben die Dunkelheit besiegt. Spätestens seit der Smartphone-Ära brauchen wir sie nicht mehr zu fürchten. Nur: Warum machen wir, wenn wir schlafen wollen für gewöhnlich das Licht aus? Warum sprechen wir mittlerweils sogar von Lichtimmissionen, von Verunreinigung unserer Umwelt durch Beleuchtung?

Ab wann ist denn Beleuchtung Verunreinigung?

Mit dem Licht des Feuers konnten wir erstmalig unsere Angst vor der Dunkelheit besiegen, die Angst vor den unsichtbaren Gefahren, die sich darin „verbargen“. Beleuchtung hilft uns, nachts Räume und Orte zu erschließen, möglichst gefahrlos Wege zu begehen, zu befahren und so weiter. Und wobei helfen uns Lichtshows? Wobei hilft uns die Illumina?

In der Zeitung schilderte ein Reporter über die Illumina, dass die Bäume ganz anders zu erleben sind, wenn sie statt wie üblich von oben von unten beleuchtet werden – und das noch in Farbe. Ich hätte darum gewettet, dass in den Zeitungsartikeln über die Lichtinstallationen wieder von „erlebbarer“ die Rede sein wird. Vielleicht noch die Überrschrift: Die Illumina hilft uns, die Natur erlebbarer zu machen. Die Wette hätte ich verloren. Das ist gut.

Ist die Illumina nun eine Emission oder nicht? Ihr fragt mich? Ja, das ist sie. Brauchen wir sie? Hilft sie uns? Braucht die Tierwelt, die die wenigen verbliebenden Pflanzen im Umfeld von Menschen als Rückzugsort nutzen, die Illumina? Hilft sie ihnen, verbessert sie ihr Leben? Brauchen die Pflanzen diese Illumination?

Aber die Illumina ist auch Kunst. Und sie ist Werbung, Werbung für Bad Pyrmont, für das Staatsbad und für den Kurpark – sie ist quasi Leuchtreklame. Leuchtreklame?! Ist die nicht auch Emission?

Bevor nun wieder einige Menschen rufen: »Der schreibt XYZ schlecht! Pfui!« Gemach, gemach. Die Illumina ist nur ein Beispiel von vielen. Worum es mir in solchen Texten geht ist – zu sensiblisieren. Wer meine Texte kennt, weiß, dass ich mich sehr für die Natur, für die Umwelt einsetze. Andere begeistern sich für eine bestimmte Fußballmannschaft. Ich begeistere mich für die Natur. Dennoch, wenn es klappt, werde ich die Illumina 2017 auch besuchen. Ich mag Kunst. Doch es werden dabei zwei Herzen in meiner Brust schlagen. Und das Herz, welches für die Natur schlägt, wird sehr heftig schlagen. Denn ich werde mich mitschuldig machen.

Noch ein Satz zum Pyrmonter Kurpark. Wer durch den Kurpark wandeln möchte, muss Eintritt bezahlen. Das müsse doch nicht sein, las ich neulich in einem Zeitungsartikel, in anderen Kurstädten, wie zum Beispiel in Bad Oeynhausen, müsse kein Eintritt für den Besuch des Kurparks gezahlt werden. Gleichwohl sei in Bad Pyrmont entschieden worden: das Eintrittsgeld für den Kurpark bleibt. Die Entscheidung finde ich richtig.

Der Pyrmonter Kurpark ist ein besonderer. Als Gartenfreak weiß ich, wie viel Arbeit ein Garten macht, wenn man ihn nicht mit Steinen zupflastert oder mit Rasen einebnet. In dem Pyrmonter Kurpark steckt eine riesige Menge an Arbeit – und wenn ich an die alten Baumbestände denke, auch sehr viele Werte. Leider ist es so: Was nichts kostet, wird nicht wertgeschätzt. Und mittlerweile denke ich, offensichtlich müssen wir die Natur mit Eintrittsgeldern „erlebbarer“ machen, sonst wird sie nicht „erlebt“. Erinnert Euch das auch an das …

Zurück zur Illumination. Wo Licht ist, ist Leben. Wo Licht ist, ist Rettung. Das dachten sich Brad und Janet auch, als sie nach einer Reifenpanne im Gewitterregen auf ein Schloss zugehen: There’s a Light! Aber diese Beleuchtung offenbarte ihnen sicherlich nicht die Hilfe, die sie sich erhofft haben …


  1. Woraus Ihr jetzt treffsicher geschlossen habt, dass a) die Illumina 2017 nicht die erste ihrer Art in Bad Pyrmont ist, und dass b) die Illumina 2017 nicht „meine“ erste sein wird. Nach internen, offiziell nicht verifizierten Hochrechnungen wäre die 2017er meine dritte Illumina. Einen Artikel habe ich auf die Schnelle hier schon gefunden: Illumina im Kurpark von Bad Pyrmont. [return]