Samstag, 16. Dezember 2017

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Das oder auch der Blog […] ist ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch […] in dem mindestens eine Person, der Blogger, […] Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert („postet“) oder Gedanken niederschreibt.

— de.wikipedia.org: Blog

Der Fairtrade-Stand auf dem Weihnachtsmarkt in Lügde

Tagebucheintrag vom 16. Dezember 2017:

Leider war ich gestern Abend zu müde, um diese Seite zu betexten. Doch es war ein schöner Tag.

Eigentlich ging es mir nicht gut. Mir war kodderig und ich hatte Kopfschmerzen. Das war vermutlich eine Art von MiniMigräne. Aber egal. Ich hatte Termine.

Mein erster Termin führte mich zu meiner Mom. Sie war gut drauf – also so drei. Ich bin immer froh, wenn das so ist. Denn wenn es ihr nicht gut geht, kann ich das nicht so einfach wegstecken.

Als ich meiner Mom das Mittagessen anreichte, musste ich an den Beitrag von Sabrina Maar1 denken. Die Care-Slammerin berichtet darin vom Alltag in einem Pflegeheim, von den Zeitvorgaben für einzelne, definierte Pflegetätigkeiten, die kaum Zeit lassen, sich den Hilfebedürftigen zu nähern, um sich ihrer Sorgen und Ängste anzunehmen. Und ich denke an ihren Satz: „Ich bin eine Maschine. Manchmal bin ich eine Maschine. Der Mund muss auf. Und immer auf. Und ich schaufle einen Löffel nach dem anderen, schaufle ich ich hinein. Wie ein Bagger will ich sein.“

Ich bin froh, dass meine Mom wenigstens ein paar Löffel von der Suppe gegessen hat. Die Pflegerin, die sich um die Tischnachbarinnen von uns kümmerte, hat in der Zwischenzeit zwei Seniorinnen das Essen angereicht. Wer auch immer solche Zeitvorgaben für die Pflegetätigkeiten festsetzt, er sollte mal wieder ein paar Monate „Paxis-Urlaub“ machen.

Nun hat die Pflegerin gestern das Essen nicht wie ein Bagger hineingeschaufelt. Im Gegenteil. Sie ist dabei sehr liebevoll mit den Seniorinnen umgegangen. Ich vermute, die anderen Seniorinnen hatten einfach mehr Hunger als meine Mom. Wenn es so ist, und die Seniorinnen gut essen, freuen sich alle. Wenn es so ist wie bei meiner Ma, die oft kaum etwas isst, macht man sich halt Sorgen. Und in solchen Fällen lassen sich Zeitvorgaben kaum einhalten.

Ich unterhalte mich gern mit den Pflegerinnen. Leider ergibt sich nicht oft die Möglichkeit dafür. Aber wenn, dann sind es meistens sehr interessante Gespräche. So auch gestern. Es ging darin um Toleranz, obwohl – das finde ich jetzt, wo ich darüber nachdenke, sehr merkwürdig – der Begriff nicht gefallen ist. Als ich später in Richtung Bad Pyrmont weiterradelte, war ich noch immer beeindruckt von dem Gespräch.

In der Pyrmonter Wandelhalle erwartete mich mein zweiter Termin. Die Fairtrade Stadt Bad Pyrmont und die Max-Born-Realschule, eine zertifizierte Fairtrade-Schule, hatten in der Wandelhalle einen Informations- und Test-Stand aufgebaut. Und den zu besuchen, hatte uns2 die Pyrmonter Steuerungsgruppe eingeladen. Und ganz ehrlich, über diese Einladung habe ich mich sehr gefreut.

Wieder durfte ich richtig gute Gespräche führen. Sie beflügelten mich geradezu. Wenn unsere weitere Zusammenarbeit, die wir mit der Steuerungsgruppe und der Schulleiterin vereinbart haben mit diesem Klima verläuft, dann können wir einiges erreichen. Ich hoffe, dass es sich so entwickelt, und ich freue mich sehr darauf.

Mit einer Tasche voller Fairtrade-Geschenke von den Pyrmonter- für die Lügder Fairtradler, radelte ich zurück nach Lügde. Die Schulleiterin hatte mir eigens dafür eine Falttasche zur Verfügung gestellt. Ich weiß schon, was ich ihr beim nächsten Besuch mitbringe.

Der dritte Termin fand auf dem Weihnachtsmarkt in Lügde statt. Und dort hatte ich Standdienst – an unserem Fairtrade-Stand. Und wieder durfte ich lernen. Ich habe den ersten „Waffelteig“ meines Lebens angerührt, und die erste Waffel meines Lebens gebacken. Der Kracher ist, niemand hat über meine Waffeln gemeckert. Auch das süße Kind, das meine erste Waffel bekommen hat, war offensichtlich begeistert. Ha! Da sage noch einer, ich könne nicht kochen!3

Auch die Gespräche an unserem Fairtrade-Stand waren oft sehr informativ. Wir hatten eigens vom Fairtrade-Kreis Lippe eine Expertin einfliegen lassen, die uns argumentativ unterstützen sollte. Quatsch. Die Kollegin hatte ihre Hilfe selbst angeboten. Ich mag solche Menschen, die wenngleich sehr klug, sich dennoch nicht in den Vordergrund schieben. Von den Gesprächen die sie mit den Besucherinnen führte, konnte ich ebenfalls eine Menge lernen.

Ja, liebes Tagebuch, jetzt komme ich noch zu der Frage, die du mir jedesmal stellst: Unter dem Strich – was hat den Tag ausgemacht?

Ich habe mehrere, sehr nette Menschen kennengelernt, mit sehr tollen Menschen gut zusammengearbeitet, und ich habe viel dazugelernt.

Und ja, das Foto oben zeigt unseren Fairtrade-Stand auf dem Lügder Weihnachtsmarkt. Und wie du siehst, haben uns sogar die Engel besucht.


  1. Siehe: Pflege 4.0 [return]
  2. Uns steht für: die Fairtrade-Steuerungsgruppe der Fairtrade-Stadt Lügde. [return]
  3. Wenn ich so darüber nachdenke, hat das bislang niemand behauptet. Viele gehen sogar davon aus, dass ich gut und gerne koche. Warum auch immer. Aber beides entspricht nicht der Realität. [return]