Mal eben – parken

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Ein Schild mit der Aufschrift: Achtung Jagd

Eben mal ein paar Briefmarken aus dem Postamt holen, eben mal’n Coffee to go erstehen, eben mal Kohle aus’m Automaten ziehen, eben mal ne Schachtel Zigaretten und ne Bild aus’m Kiosk kaufen. – Mal eben.

Mal eben das Auto in zweiter Reihe, im Halteverbot oder auf dem Fahrradweg abgestellt, und rein in den Laden. Ihr kennt das. Macht ja jeder. Irgendwann mal. Is’n Kavaliersdelikt, kann man drüber hinwegsehen.

So ein Handeln beobachte ich jeden Tag mehrmals. Interessant ist, wie wenig sich Autofahrer darüber aufregen. Selbst dann nicht, wenn in unmittelbarer Nähe der Poststelle, der Bäckerei, des Kiosks freie Parkplätze vorhanden sind. Natürlich gibt es auch Verkehrsteilnehmer*innen die sich darüber ärgern. Aber nach meinen Beobachtungen scheint dieses verkehrswidrige Verhalten weitestgehend toleriert zu werden. Hier auf dem Land juckt das jedenfalls kaum jemanden.

Vor ein paar Tagen habe ich mich mit einem Polizisten darüber unterhalten. Wir standen gerade an so einem neuralgischen Ort. »Waren doch nur fünf Minuten!«, bekäme er häufig als Rechtfertigung zu hören. »Wie viel sind noch gleich 5 Minuten x 20?«, fragte er mich schmunzelnd. Und wie viel Stunden sind das pro Jahr?, dachte ich.

Der Grund warum ich ihn angesprochen habe war jedoch ein anderer: »Was würde passieren, wenn ich mein Fahrrad, was ja wesentlich kleiner als ein Auto ist, hier abstellen würde.« Es kamen gerade keine Autos vorbei und beim „Hier“ stand ich fast mitten auf der Straße. »Ungefähr auf dieser Höhe befinden sich die Außenspiegel der Fahrzeuge, die an dieser Stelle mit schöner Regelmäßigkeit für nur fünf Minuten geparkt werden.« Ich würde das Fahrrad so auf die Straße stellen, das der äußerste Teil des Fahrradlenkers dort enden würde, wo sonst der verkehrsseitige Außenspiegel der Fahrzeuge in den Verkehr hineinragt, führte ich aus.

»Volker, wenn du deine Nerven schonen möchtest, mach es nicht. Aber ich weiß was du meinst. Du hast recht.« Wir waren beide der Meinung, das würde niemand akzeptieren. Wenn ein Auto, was ja weit mehr Straßenfläche in Anspruch nimmt „mal eben“ – vielleicht sogar noch mit laufenden Motor – verkehrswidrig abgestellt wird, gilt das als Kavaliersdelikt und wird von anderen Verkehrsteilnehmer*innen maximal als nervig angesehen. Aber wenn ich mein Fahrrad fast mitten auf der Straße abstellen würden, wären die Reaktionen höchstwahrscheinlich ungleich heftiger.

»Dein Fahrrad ist kleiner, weit weniger lang, weit weniger breit als ein Kraftfahrzeug. Da hast du viel mehr Möglichkeiten, es außerhalb des Straßenverkehrs abzustellen.« Ist das ein Argument? Wie wäre es mit dieser Gegenfrage: »Warum benutzt du nicht reguläre PKW-Parkplätze? Selbst dann nicht, wenn sie nur fünf Meter weiter entfernt sind?«

Oder wie wäre es mit diesem Argument: Ich fahre Fahrrad weil ich damit flexibler bin. Ich finde zum Beispiel viel schneller einen Parkplatz und muss dafür auch meistens nicht rangieren. Außerdem bin ich im Stadtverkehr mit dem Fahrrad oft schneller als mit dem Auto. Und nicht zu vergessen: Fahrradfahren ist gesund, und ich verpeste damit nicht die Umwelt. »Was spricht dagegen, dass auch Du die Brötchen mal eben mit dem Fahrrad holst?«

Aber jetzt kommt es: Ich bin auch Steuerzahler – unter anderem zahle ich KFZ-Steuer. Ich bin also an der Finanzierung der Straßen genauso beteiligt wie jeder andere Autofahrer auch. Warum sollte ich mein Fahrrad nicht auch in zweiter Reihe, mitten auf der Straßen „mal eben“ abstellen können? »Ist doch nur für fünf Minuten!«

Mit dem selben Argument könnte ich mich – als Fußgänger – auch einfach mal mitten auf die Straße stellen. Zum Beispiel um ein paar Fotos zu schießen. Wegen der anderen Perspektiven und so.

Wo ist der Unterschied zu den Autofahrer*innen? Zu denen, die ihr Auto „mal eben“ vor der Bank, vor dem Bäcker, vor dem Kiosk und so weiter im Halteverbot oder in zweiter Reihe stehen lassen?

Wir halten fest: Verkehrswidrig ist verkehrswidrig. Das gilt für alle Verkehrsteilnehmer*innen, für Fahrradfahrer- wie für Fußgänger-, und für Autofahrer*innen. „Mal eben“ ist kein Argument um Verkehrswidrigkeit zu neutralisieren.

Worum geht es mir?

Es geht mir hier nicht darum, die pösen, pösen Autofahrer*innen zu bashen. Ich bin Fußgänger, Fahrradfahrer und auch Autofahrer. Aber Jesus bin ich nicht. Zugegeben. Obwohl ich ständig daran arbeite. Trotzdem mache Fehler. Sogar reichlich. Asche über mein eh graues Haupt.

Es mir geht darum aufzuzeigen, dass wenn zwei das Gleiche tun, es noch lange nicht dasselbe ist. Ich glaube, wenn wir über den Straßenverkehr sprechen oder schreiben, wenn wir uns über die Fehler anderer Verkehrsteilnehmer*innen echauffieren, dann sehen wir das zu 90 Prozent aus der Sicht von Autofahrer*innen. – Und das müssen wir ändern. Daran müssen wir arbeiten.