Ist ja für einen guten Zweck

Der Schiederssee im Winter, zugefroren, mit Schnee bedeckt

Er habe mehrere Tafeln Schokolade im Eine-Welt-Laden gekauft. »Fairtrade!«, hob er hervor. Die Schokolade würde hervorragend schmecken. Doch als er den Preis hörte, habe er schlucken müssen. Für den Preis bekomme er in der Filiale des Handelskonzerns um die Ecke vermutlich die doppelte Menge an Tafeln. »Aber es ist ja für einen guten Zweck«, fügte er hinzu.

Natürlich kommt es darauf an, was man so im Portemonnaie hat. Erschreckend viele Menschen müssen auch hier bei uns gucken, wie sie über die Runden kommen. Jedoch, der junge Mann der mich da zum Nachdenken gebracht hat, ist meines Erachtens sehr gut betucht. Nach meiner Einschätzung müsste für ihn der Preis für die Fairtrade-Schokolade noch weit unter der Definition von Bimbes liegen.

»Früher habe man um ein Pfund Kaffee finanzieren zu können, im Schnitt 16 Tage arbeiten müssen. Heute müsse man dafür im Schnitt nur noch 20 Minuten arbeiten«, berichtete mir kürzlich eine Freundin von einer Fernsehsendung1. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Kern dieser Aussage korrekt ist. Für ein Pfund Kaffee müssen wir im Schnitt heute wesentlich weniger arbeiten.

Warum ist das so? Warum sind viele Dinge heute so günstig?

Dafür wird es reichlich Gründe geben. Zum Beispiel Maschinen, die schneller und besser arbeiten. Aber schon da stellt sich die nächste Frage: schneller und besser als wer? – Es werden mehr Dünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt die helfen, die Ernte zu verbessern. Was sind das für Mittelchen, welche Wirkung haben sie auf Menschen, Tiere und Natur? – Verpackungs- und Vertriebswege werden anders organisiert. Zum Beispiel so: Härter die Boten nie schuften, als zu der Weihnachtszeit

Wenn wir den Weg unserer Weihnachtsgeschenke zurückverfolgen würden, Schritt für Schritt zurückverfolgen bis hin zur Rohstoffherstellung, bis hin zum Rohstoff-An- und -Abbau – was würden wir auf diesem Weg zu sehen bekommen?

»Es ist ja für einen guten Zweck.«

Das klingt, als wollte ich mich selbst beruhigen. Das ist mir zu teuer. Das wäre ich normalerweise nicht bereit zu bezahlen. Aber gut, einmal im Jahr …

Einmal im Jahr einen fairen Preis bezahlen.

Tja. Kein Weihnachtsschmuck, keine weihnachtliche Lichterkette wird mich davon ablenken, dass unser Wohlstand – klar, auch meiner – zu Lasten anderer Menschen geht.

Macht Geld unsozial? Eine Frage, die man in diesem Kontext durchaus stellen kann. Lars Fischer ist ihr nachgegangen: Intelligenz: Reiche Menschen sind sozial schwächer.


  1. Leider stand ich unter Zeitdruck, als mir meine Freundin das nebenbei erzählt hat. Daher bin ich mir nicht sicher, ob ich die Zahlen richtig in Erinnerung habe. Meine Freundin hat mir auch gesagt, aus welcher Sendung sie diese Info hat. Aber bei meiner kurzen Recherche vorhin, bin ich nicht fündig geworden. Doch ich versuche dazu noch Infos einzuholen. [return]