Ich hab da mal ne Frage – Katzeninvasion

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Eine fauchende Katze

Vor ein paar Jahren, also so zirka vor acht, da schrub ich diesen Text: Katzenklo und andere Nettigkeiten. Damals hatten wir in unserer Straße mit einer Katzeninversion zu kämpfen. Ich sehe meinen Bruder und mich noch Wintertags im Wohnzimmer sitzend, das Vogelhäuschen beobachtend. »Also unser Vogelhäuschen wird alle Viertelstunde wegen Überfüllung geschlossen. Und wie viel verschiedene Vögel dort zu beobachten sind …«, zog mich mein Bruder regelmäßig auf.

Jedesmal wenn er uns besuchte und wir uns ins Wohnzimmer setzten, wovon man einen großzügigen Blick in den Garten hat, rieb er mir das unter die Nase. Bei uns im Garten aber sah man kaum Vögel. Sie flogen allenfalls von Baumgipfel zu Baumgipfel und holten sich, wenn sie sich das zutrauten, das Futter im Sturzflug aus den Futterkästen. Dafür aber sah man unzählige Spuren von Katzenpfoten im Schnee.

Und natürlich konnten wir Katzen beobachten. Ich erinnere mich noch, wie ein Katzenkopf aus der Spitze des etwa vier Meter hohen Buchsbaumes herausschaute und zu uns rüber rief: »Könnt ihr mal da abhauen, ihr verscheucht mir die ganzen Vögel!« Meistens aber waren wir, die wir hinter Glas zu beobachten waren, ihnen scheißegal. Seelenruhig tapsten sie am Fenster vorbei. »Hast du gesehen, die hat uns zugewunkten!«, frotzelte mein Bruder mitunter.

Wie dem auch sei, in unserer Straße wimmelte es nur so von Katzen. So weit ich weiß, hatte aber niemand in meiner Nachbarschaft selbst eine Katze. Aber es gab mindestens zwei Nachbarn, die irgendwann damit begonnen hatten, die Katzen zu füttern. Sie meinten, man müsse denen doch auch was zu Fressen geben. Sie handelten in guter Absicht, aber ich konnte sie nicht davon überzeugen, dass das möglicherweise keine gute Idee ist.

In der Hochphase zählten eine andere Nachbarin und ich an die fünfzehn Katzen, die um unsere Häuser streunten. In der Zeit habe ich allein in meinem Garten zwei Katzen-Würfe entdeckt. Ich fühlte mich ohnmächtig. Nicht nur, dass die Katzen die Vögel jagten und verscheuchten, die Gärten waren dicht „vermint“ mit ihrem Kot, viele Bäume und Büsche zerkratzt, und alle Kellerfenster, Hausnischen, Blumenkübel hatten sie mit ihrem Harn markiert. Manchmal platzierten sie ihre Minen auch mitten auf die Fußabtreter vor den Türen.

Einmal bekam ich einen lauten Disput aus der Nachbarschaft mit. Eine Mieterin schimpfte mit der Vermieterin, dass diese doch die Katzen nicht füttern solle. Sie habe schon mehrere Katzen gefangen und auf ihre Kosten kastrieren lassen. Das sei nicht billig und auch zeitaufwendig. Ich ziehe heute noch den Hut vor dieser Mieterin.

Irgendwann hatte sich das Problem erledigt. Ich weiß nicht warum. Ich vermute, weil diejenigen die die Katzen fütterten, nicht mehr sind. Aber eines ist hängen geblieben, dass war eine äußerst nervige Geschichte.

Kürzlich saß ich mit einer Freundin auf ihrer Terrasse und beobachtete die Vögel in ihrem Garten. »Wow, du hast aber wirklich sehr viele und verschiedene Vögel hier rumschwirren!«, konstatierte ich (siehe auch hier und hier). Neulich hat ihr Mann sogar einen Wendehals fotografieren können.

Und wie ich da so saß und über die Vögel sinnierte, kam mir die Frage in den Kopf: Haben sich bei uns die Gärten von der Katzeninvasion noch nicht erholt? Die „Plage“ zog sich mehrere Jahre hin, aber die Geschichte liegt auch schon zwei, drei Jahre zurück.

Wie es der Zufall manchmal so will, klingelte ein paar Tage später das Telefon. Das soll ja vorkommen. Aber: Eine gute Bekannte bat mich um Rat. »Ich hab da mal ne Frage. Wir kämpfen hier schon seit Wochen mit einer Katzeninvasion.« So hat sie das Gespräch natürlich nicht begonnen, aber sie berichtete mir von genau von solchen Problemen, wie ich sie oben ausgeführt habe. Sie und ihre Schwester hätten schon einige der Tiere auf ihre Kosten kastrieren lassen. Was nicht einfach sei, da sich die Katzen natürlich mit Krallen und Zähnen dagegen wehren würden.

»Aber unsere Bemühungen werden nicht reichen, dem Problem ›Herr‹ zu werden«, schilderte sie. In ihrem Fall sei es ein Nachbar, der die Katzen füttern würde. Mit Engelszungen hätten sie ihn schon gebeten, die herrenlosen Katzen doch bitte nicht zu füttern, oder sie kastrieren zu lassen. Aber der Guteste sei der Meinung, dass sei nicht sein Problem. Also würden sich die „wilden“ Katzen munter weiter vermehren, aber nicht weiter ziehen.

»Was können wir da machen? Und wer bezahlt uns die Kosten für die Kastration der Tiere?«, fragte sie mich. »Die Tierheime hier in der Gegend haben schon alle abgewunken. Sie hätten keinen Platz mehr für Katzen«, berichtete sie mir noch.

Tja. Gute Fragen. Ich gebe die Fragen mal in die Runde. Wie kann man solchen Katzeninvasionen Herr werden? Wer darf in solchen Fällen was tun? Wer muss in solchen Fällen was tun? Wer trägt die Kosten?

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Foto: Katrin Buhr, Titel des Fotos: Drachen unter sich.

Ergänzt am 11.6.2017:

„Meiner Erfahrung nach hat Vorkommen von Vögeln im Garten/am Futterhaus mehr mit Anlage des Gartens zu tun als mit Vorhandensein von Katzen“, hat mir Lars Kasper gestern auf Twitter geantwortet.

Grundsätzlich stimme ich dem zu. Gärten sollten viele Rückzugsgebiete für Vögel bieten: also Hecken, Sträucher, Bäume, in denen sie Schutz finden, in denen sie ihre Nester bauen können, und so weiter. Leider wird daran immer weniger gedacht, was ich hier schon oft thematisiert habe.

Was meinen Garten anbelangt: Vorgestern unterhielt ich mich mit einem Kollegen der mir erzählte, dass er glücklich sei, bald ein eigenen Garten zu haben. »Ja, wir machen uns oft nicht bewusst, welche positiven Wirkungen zum Beispiel das Grün von Pflanzen auf unser Gemüt hat«, bestätigte ich ihm, gab aber zu bedenken: »Aber so ein Garten macht auch eine Menge Arbeit. Vor allem, wenn in einem Garten Pflanzen stehen, die für drei Gärten reichen würden.« Wenn mich Menschen, die mich besuchen kommen möchten, nach der Hausnummer fragen, antworte ich oft: »Schau einfach nach dem Garten mit den meisten Pflanzen.« Bislang hat das funktioniert.

Zurück zu den Vögeln und Katzen: Ein, zwei Katzen, die mal durch mehrere Gärten streunen, werden den Bestand der Vögel dort nicht großartig dezimieren. Aber bei einer Katzeninvasion, wovon ich oben geschrieben habe, ist das komplett anders. Sie laufen auch nicht mal durch die Gärten. Sie bleiben da. Meinen Garten haben sie gern genutzt, weil er ihnen so viele Verstecke geboten hat: um zu lauern, um zu schlafen und um sich zu vermehren. Außerdem: Katzen habe keine natürlichen Feinde.