Gedanken zu $Feiertag

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Halloween-Gesicht

Heute ist Dienstag. Leute, es ist Wochenende! Ich wohne in einem Bundesland, in dem die nächsten zwei Tage Feiertage sind. Oder sollte ich besser sagen: Frei-tage ohne Anrechnung auf meinen Urlaubsanspruch? Ach nee, das klingt nach Arbeitgebersprech.

An solchen Feiertagen gehe ich mitunter der Frage nach: Was ist der Grund für diesen Frei-Tag? Heute, am 31.10.2017, ist Reformationstag:

Laut der Überlieferung soll der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther am Abend vor Allerheiligen 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg 95 Thesen in lateinischer Sprache zu Ablass und Buße angeschlagen haben, um eine akademische Disputation herbeizuführen.

de.wikipedia.org: Reformationstag

So so: „Laut der Überlieferung“. Nun ja. Mit dieser Aktion soll, so die Experten, Martin Luther die Reformation eingeleitet haben. Daher wird der 31. Oktober von den evangelischen Christen in Deutschland und Österreich, als Gedenktag der Reformation gefeiert. Und weil die Geschichte mit den 95 Thesen – laut der Überlieferung – heuer vor 500 Jahren passiert sein soll, ist heute ein bundesweiter Feiertag.

Nach all dem was mir zu Ohren und in die Augen gekommen ist, war der Herr Luther ja „weiß Gott“ kein Vorbild. Mit seinem Tun hat er schließlich eine Spaltung der Kirche erwirkt. Das klingt nicht nach Wohltat. Aber:

Im Kern bestritt er die herrschende Ansicht, dass eine Erlösung von der Sünde durch einen Ablass in Form einer Geldzahlung möglich sei. Dies sei schon durch das Opfer Jesu Christi am Kreuz geschehen.

– de.wikipedia.org: Reformationstag

Damit war der Herr Luther jemand, der sich gegen Korruption gestemmt hat. Und da bin ich ganz bei ihm. Stellt Euch mal vor, die ganzen Millionäre würden sich mal eben freikaufen: »Hier du olle Kirche! Hier haste ein paar Hunnis. Und jetzt bin ich ein Heiliger.«

Auf diese Weise könnten sich die Millionäre mir nichts, dir nichts in die Riege derjenigen einreihen, die am 1. November gehuldigt werden:

Allerheiligen […] ist ein christliches Fest, zu dem aller Heiligen gedacht wird, der „verherrlichten Glieder der Kirche, die schon zur Vollendung gelangt sind“, der bekannten wie der unbekannten.

— de.wikipedia.org: Allerheiligen

Morgen haben wir – in NRW ja, in Niedersachsen nicht – also frei, weil wir der verherrlichten Glieder der Kirche gedenken, die schon zur Vollendung gelangt sind. Ganz ehrlich: Besser hätte ich es nicht fabulieren können.

Einen Tag später, am 2. November, ist kein Feiertag, also keiner, an dem wir ohne Anrechnung auf den Urlaubsanspruch frei haben. Dann gedenken wir ja auch nur der Normalsterblichen:

An Allerseelen […] begeht die römisch-katholische Kirche das Gedächtnis ihrer Verstorbenen. […] Durch Gebet, Fürbitte, Almosen und Friedhofsgänge gedenken die Menschen aller Armen Seelen im Fegefeuer und wenden ihnen Ablässe zu.

– de.wikipedia.org: Allerseelen

Wie bitte: Ablässe?! Wie war das mit dem Herrn Luther und seiner Kernaussage? Wusstet Ihr, dass es für die Alltagsseelen einen eigenen Ablass gibt? Ich nicht.

Vom 1. bis zum 8. November kann nach den Bestimmungen der römisch-katholischen Kirche täglich einmal ein vollkommener Ablass gewonnen werden. Dieser wird als Allerseelenablass bezeichnet und kann nur den Armen Seelen im Fegefeuer zugewandt werden.

– de.wikipedia.org: Allerseelenablass

Nun ja. Unabhängig von der Ablass-Geschichte fand ich es schon immer merkwürdig, dass Allerheiligen ein Feiertag, ein Frei-Tag ist, und Allerseelen nicht. Zwangsläufig musste ich dabei an Hierarchie denken, am 1. November die Elitären, und am 2. November die armen Seelen. Genau das sollte Kirche, Staat und so weiter nicht tun – spalten. Und sollte es nur annähernd so etwas wie die Vollendung geben, würde diese das bestimmt auch nicht wollen.

Vielen Menschen, mich eingeschlossen, ist es nahezu egal, warum sie an solchen Tagen frei haben. Ich mag solche Tage, weil dann sehr viele Menschen frei haben. Denn das bietet besonders Familien, Freunden und so weiter die Chance, Zeit miteinander zu verbringen, gemeinsam mal halblang zu machen, gemeinsam zu chillen. Ich mag diese Tage auch, weil dann mal die Möglichkeit besteht, keine Maschinen hören zu müssen und die Ruhe genießen zu können.

Ja, ich wiederhole michoft. Aber ich beobachte mit Sorge, dass selbst Feiertage, gemeinsame Frei-Tage ausgehöhlt werden. Dabei denke ich an die ständigen Diskussionen um Öffnungszeiten von Geschäften, Einrichtungen und Behörden: „Mehr verkaufsoffene Sonntage!“, „Wir sind toll! Wir haben Heiligabend bis 21 Uhr geöffnet!“, „24-Stunden-Kindergärten – jetzt!“

Wir finden es praktisch, jederzeit einkaufen zu können. Wir finden es wichtig, die Kinder jederzeit im Kindergarten unterbringen zu können, weil wir das sonst nicht mit unseren Arbeitszeiten geregelt bekommen. Solche Argumente kann ich gut nachvollziehen. Doch: Cui bono? Wer hat dabei wirklich einen Vorteil?

Ich glaube, dass wir schon so von den Gedanken der Leistungsgesellschaft, von den Bestrebungen der Eliten indoktriniert sind, dass wir nicht erkennen, dass es andere Lösungen gibt. – Und wer weiß, vielleicht hätte Martin Luther genauso gedacht.


Einen „Feiertag“ habe ich jetzt überschlagen – Halloween. Der wird heute Abend zelebriert. Ich kann damit so gar nichts anfangen. Aber ich wollte mich nicht lumpen lassen, und habe ihm das Foto da oben gewidmet. Ihr könnt ja mal raten, was ich da fotografiert habe.