Es beginnt mit dir

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Ein Baum auf einer Wiese

Kennt Ihr das auch – dass Ihr mit dem Lesen nicht mehr hinterherkommt? Minütlich werden die News-Aggreatoren vollgepackt. Und weil ich all die vielversprechend klingenden Texte nicht sofort lesen kann, lege ich mir die Links beiseite. Von solchen Bookmark-Sammlungen habe ich reichlich. Weil, die ultimative Software dafür habe ich noch nicht gefunden.

Eben, beim Frühstück, habe ich mich mal daran gemacht, den ständig wachsenden Berg von „Zeitungsschnipslen“ etwas abzuarbeiten. Obendrauf lag ein Artikel mit der Überschrift: Die Schattenseiten unserer Gier. Obwohl der Beitrag bereits ein halbes Jahr in einer der besagten Sammlungen schlummerte, war mir dennoch sofort klar, warum ich ihn zurückgelegt habe.

Klaus Jürgen Bade geht darin mehreren Aspekten der „sogenannten Flüchtlingskrise“ nach. Sie sei „erstens eine Weltkrise mit strukturellen, insbesondere demografischen, sozialen, ökonomischen, ökologischen sowie klimatischen Ursachen“. Sie sei zweitens „eine politische Existenzkrise der Union geworden“, die zeige, „dass es in der Europäischen Union weniger um eine Wertegemeinschaft, sondern mehr um eine Interessengemeinschaft und letztendlich um eine Verteidigungsgemeinschaft geht.“ Und vor allem sei die Flüchtlingskrise „eine Krise der Flüchtenden und Wirtschaftswanderer selbst“.

Behauptungen, dass diese Krise niemand voraussehen konnte, seien abwegig, schreibt Klaus Jürgen Bade. Zwar sei nicht der genaue Zeitpunkt absehbar gewesen, aber dass der weltweite Migrationsdruck eine kaum überschaubare Eigendynamik auslösen könnte, das hätte man sehr wohl wissen können.

Das gleiche gelte für die für die Möglichkeiten zur Abhilfe dieser Krise. Die „Migrationspolitik im weiteren und Flüchtlingspolitik im engeren Sinne“, seien nur „symbolpolitische Symptomtherapien“, da die Flüchtlingskrise Teil einer globalen Krise sei.

Die Ursachen der Krise würden tiefer liegen, schreibt Klaus Jürgen Bade und zitiert in diesem Zusammenhang Papst Franziskus: „‚Dieses System tötet‘“. Und er zitiert Altbundeskanzler Helmut Schmidt: „‚Raubtierkapitalismus‘“, und Franz Müntefering: „‚Heuschrecken‘“ – und auch Wolfgang Schäuble: „‚Es isch die Gier!‘“

Jeder der Zitierten würde das gleiche meinen: „die Auswüchse eines wild gewordenen Profitsystems, das angeblich humanitäre Attitüden erst entdeckt, wenn die Folgen des eigenen Fehlverhaltens die Geschäftsinteressen oder doch das Image zu schädigen tendieren.“

Der Artikel von Klaus Jürgen Bade „Die Schattenseiten unserer Gier“ endet mit dem Satz:

Nicht die Abwehr, sondern Partnerschaft bietet Wege in eine gemeinsame weltgesellschafliche Zukunft.

Klaus Jürgen Bade

Ja, ja, die Gier … Wisst Ihr, was mich ständig an meine Gier erinnert? – Mein Smartphone. Das ist kein schönes Gefühl. Gleichwohl finde ich es wichtig erinnert zu werden – erinnert zu werden, dass ich nicht unschuldig bin.

Vergangene Woche habe ich eine Weihnachtskarte bekommen. Absender der Karte ist der Verein zur Förderung des Fairen Handels in der Einen Welt. Auf der vorderen Seite der Karte ist ein Tannenzweig zu sehen, an dem eine Weihnachtsbaumkugel hängt. Sie ist beschriftet. Im oberen Bereich ist das Fairtrade-Logo zu sehen, darunter der Satz:

Es beginnt mit dir

– TransFair e.V., www.fairtr.de/EsBeginntMitDir