Ein ungewöhnliches Kampfraumschiff auf Abwegen

Ein Foto von einem Brunnen auf dem Kopf gestellt.

Wir leben in schweren Zeiten. Oder sagt man harte Zeiten? Und warum Plural? – Wie auch immer. Das Leben ist kein Zuckerschlecken. Hier nur ein Beispiel …

»Was machst du denn da?!«, fragte ich sie, reichlich irritiert von der Szene die sich da vor meinen Augen abspielte. Stellt Euch vor, ihr betretet das Büro einer Kollegin, und die krabbelt tastend auf allen Vieren unter ihrem Schreibtisch und lacht sich dabei kringelig.

Jetzt, wo ich so darüber nachdenke, hätte ich auch fragen können: »Hey, was hast du denn eingeworfen? Hast du davon noch was für mich?« Denn sie schaffte es vor lauter lachen kaum, mir den Grund für ihr Tun zu erklären. Ich meine sogar Lachtränen in ihren Augenwinkeln gesehen zu haben. So viel Spaß im Büroalltag? Das ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.

Gefühlte zehn Minuten später hatte sie sich soweit beruhigt, dass sie mir die Geschichte dazu schildern konnte. Wobei sie aber noch immer auf allen Vieren in ihrem Büro umherkroch. »Ich musste eben kräftig niesen. Dabei ist mir eine Zahnkrone aus dem Mund geflogen, und ich finde sie nicht wieder.«

In meinem Kopf spielte ein Film die Szene in Zeitlupe nach. Ich sah einen zeigefingerkuppengroßen Zahn katapultartig aus einem Mund gegen den Bildschirm schießen, dort mit einem unüberhörbaren Ping abprallen und in Gegenrichtung, vorbei an der Zahnbesitzerin, in den endlosen Raum verschwinden. Das hat schon was von Science-Fiction. Das Mutterraumschiff sendet eine Kampfraumschiff zur Erkundung der endlosen Weiten des Büros aus. Oder so.

»Latsch hier nicht so rum! Sonst trampelst du womöglich noch drauf. Hilf mir lieber beim Suchen!«, holte sie mich aus meiner Traumwelt zurück. »Aye aye, sir!«, quittierte ich. So ganz war ich noch nicht wieder an Bord. Ich widmete meine Aufmerksamkeit ihrem Schreibtisch, hob Akten in die Höhe, schüttelt sie leicht und so weiter.

»Was hältst du davon?«, fragte ich sie kurze Zeit später. Mit der Ecke eines PappSchnellhefters schob ich etwas in die Schreibtischmitte, was für mich mit viel Phantasie Ähnlichkeiten mit einem Milchzahn hatte. Tage später schilderte sie mir die Sequenz so: »Und wie du mir die Krone mit Todesverachtung zugeschoben hast!« Allein diese Erinnerung verursachte bei ihr erneut einen Lachkrampf. Derweil ich grübelte: Will sie mir damit sagen, wie mutig ich war, oder wie albern ich mich angestellt habe?

Wie dem auch sei, es war die gesuchte Zahnkrone, die so gar nicht dem verschollenen Kampfraumschiff in meinem Sci-fi-Film entsprach. »Ja!«, sie lachte immer noch, »Das ist sie!« Geschmeidig wie eine hochschwangere Elefantendame ein überglückliches Wieselchen war sie auf gesprungen, schnappte sich die Keramik, und flanschte sie nach einer kurzer Reinigungszeremonie zurück an ihren Bestimmungsort.

Und was lernen wir daraus? Die Zeiten mögen hart sein. Aber es gibt noch immer Leute, die auch über sich selbst lachen können. – Tja.