Die Marktwirtschaft kennt keine Demut

… und auch keinen Ökoschuldentag.

Baumgruppe in den Lügder Emmerwiesen

Beginnen wir mit einem Dialog aus dem Pressetermin nach dem „Diesel-Gipfel“:

Umweltministerin Barbara Hendricks: »Wer zur Marktwirtschaft ›Ja‹ sagt, darf bei Unternehmensversagen nicht nach dem Staat fragen.«

VW-Chef Matthias Müller: »Wir akzeptieren berechtigte Kritik. Einer Wortwahl ›unternehmerisches Versagen‹ mag ich mich allerdings nicht anschließen.«

Als ich das in der ZDF-Heute-Sendung vom 2.8.2017 hörte dachte ich, ein bisschen kann ich ihn verstehen, den Herrn Müller. Denn in seinen Augen war das vermutlich nicht Versagen sondern eher Pech, dass diese Diesel-Geschichte dem Management von VW um die Ohren geflogen ist.

Ich finde, Frau Hendricks hat sich sogar euphemistisch ausgedrückt. Sie hat das Unternehmen in den Mittelpunkt gerückt, und die Geschädigten dadurch etwas ausgeblendet. Ich bin kein Rechtsexperte, aber das was da jetzt öffentlich wurde, ist meines Erachtens schlichtweg Betrug.

Frau Hendricks hätte also auch sagen können: »Wer zur Marktwirtschaft ›Ja‹ sagt, darf, wenn er seine Käufer betrügt und dadurch in die Bredouille gerät, nicht nach dem Staat fragen.«

Schön auch der Kommentar von Thomas Walde dazu: »Aber gerade die Äußerung des VW-Chefs, der einen Begriff des ›unternehmerischen Versagens‹ nicht anerkennen mag, zeigt doch, dass die Demut am Ende recht überschaubar ist.«

Ja, leider, die Marktwirtschaft kennt keine Demut.

Bei all dem Trubel auch in der vergangenen Woche, ist ein denkwürdiges Ereignis fast untergegangen: der Erdüberlastungstag, auch Ökoschuldentag. Der Earth Overshoot Day,

ist in einer jährlichen Kampagne der Organisation Global Footprint Network ein bestimmter Tag des Jahres, an dem die menschliche Nachfrage an natürlichen Ressourcen die Kapazität der Erde zur Reproduktion dieser Ressourcen in diesem Jahr übersteigt. […] Aus einer ökonomischen Perspektive betrachtet befindet sich die Menschheit ab dem Earth Overshoot Day in einem Defizit, weil sie ihr ganzes Vermögen bereits aufgebraucht hat und sich deshalb Geld von der Bank – das heißt der Erde – leihen muss. Dieser Zustand wird mit overshoot bezeichnet.

– de.wikipedia.org: Earth Overshoot Day

In diesem Jahr begann der overshoot bereits am 2. August 2017 – am Tag des Diesel-Gipfels. Zufall, sicherlich, aber bezeichnend. 1971 war der Earth Overshoot Day noch am 21. Dezember. Und? Was machen wir mit diesem Wissen? Wie demütig sind wir, die Käufer, die Verbraucher? Erholen uns bei einer Kreuzfahrt (via)?

Der Ökoschuldentag. – Wir haben Schulden. Reichlich. Wenn es um Geld ginge, eine Währung die man nicht essen kann, dann würde Herr Schäuble den Zeigefinger seiner rechten Hand heben und etwas wie: »Wir müssen sparen! Wir brauchen eine Schwarze Null!«, rufen. Aber am Ökoschuldentag geht es nicht um Geld, es geht nur um die Erde, und ihre natürlichen Ressourcen.

Blöd, wenn man sich selbst den einzigen Planeten unterm Hintern wegverbraucht, den man hat…

twitter.com/fraumaja