Die blaue Stunde

Illumina 2017, Menschen vor blau beleuchteten Bäumen

Auch wenn das Foto oben darauf schließen könnte, lasst Euch nicht irritieren. Die Bilder in diesem Artikel haben nichts mit der blauen Stunde zu tun. Mein Text There’s a Light hat eine liebe Bekannte dazu inspiriert, sich intensiv mit dem Thema Licht zu beschäftigen. Auch sie fotografiert gern, besonders gern während der blauen Stunde – „der Zeit der Dämmerung nach Sonnenuntergang und vor Eintritt der nächtlichen Dunkelheit“.

Und als ich vorhin die Fotos sortierte, die ich gestern Abend beim Besuch der Illumina 2017 in Bad Pyrmont aufgenommen habe, musste ich beim Anblick des Fotos oben an ihre Ausführungen denken. Ein spannendes Thema: Wie „erleben“ wir Licht? Erleben wir es überhaupt, wenn es nicht in besonderer Weise, wie zum Beispiel bei der Illumina, verwendet wird? Wie gehen wir damit um, mit dem Licht?

Beleuchtete Enten in der Dunkelheit

Wie haben diese Enten die Illumina erlebt? Waren die auch so begeistert wie wir davon? Oder was ist mit diesen Fischen?

Fischschwarm vom Licht angezogen

Es scheint so, als würde sie die Beleuchtung magisch anziehen. Dem Gras hier, wird die Illumina vermutlich nicht weiter kratzen.

Gras welches sich im Wasser spiegelt

Ich habe hier bewusst keine Highlights der Illumina eingeklebt. Ich denke, davon wird es anderorts reichlich und schön zu sehen geben. Es gab eine Zeit da dachte ich, dass ich gut fotografieren kann. Das glaube ich nicht mehr. Was mich nicht daran hindert, es weiter zu tun. Denn Fotos sind unglaublich hilfreich, etwas zu dokumentieren oder zu visualisieren. Das erspart mitunter viele lange Absätze.

Mehrmals musste ich gestern an Jannick denken: Wer fotografiert, bekommt weniger mit. Besonders bei dem Highlight, der Lichtshow, ist mir das bewusst geworden. Gleichwohl, die Displays der Smartphones von den umstehenden Besucher*innen blieben nicht dunkel. Und ich fragte mich: Was ist deren Motiv? Warum fotografieren sie? Was machen sie mit den Fotos? Was möchten sie damit für sich erreichen?

Nebenbei: Das Licht der Smartphone-Displays halte ich bei manchen Veranstaltungen auch schon für eine Form von Verschmutzung.

Zurück zur Illumina. »Man muss das mal in einem ganz anderen Licht sehen!« Ihr kennt den Satz. Er wird gern verwendet, riecht aber meistens sehr nach einer leeren Redensart. Bei der Illumina ist diese Redensart gefüllt. In einem farbigen Licht und von unten beleuchtet, wirkt die Kiefer anders.

Menschen vor angeleuchteten Pflanzen

Wird sie dadurch schöner? Wohl kaum. Sie wirkt interessanter, weil wir sie so üblicherweise nicht sehen. Kann die Illumina dazu beitragen, den Menschen die Natur, Bäume, Sträucher und so weiter wieder näher zu bringen? Ich denke nicht. Meine Befürchtung ist, dass kunstvolle Lichtinstallationen wie die der Illumina, noch mehr Menschen dazu animieren auch ihren Garten nachts zu beleuchten. Dann haben wir bald das ganze Jahr Weihnachtszeit.

Bis wir uns auch daran gewöhnt haben, und uns das wieder langweilig wird. Aber das kann dauern …

Menschen vor angeleuchteten Pflanzen

»Können wir die Dunkelheit nicht mehr ertragen?«, fragte meine Bekannte in ihrer E-Mail: »Müssen wir immer alles ganz genau sehen und erkennen können?«

Licht.

Ob wir jemals lernen, auch Dunkelheit zu genießen?


Lichtverschmutzung – das ist keine Wortschöpfung von mir. Das ist traurige Tatsache. Lest selbst …