Der Rückwärtsgang kann auch Strafe sein

Ein Starterpaar überspringt eine Hürde

Unlängst schrub ich: „Der Rückwärtsgang kann auch Strafe sein.“ Manchmal kann das sogar angebracht sein. Und darum geht es hier und heute.

In der Pferde-Dressur, ist der Rückwärtsgang ein Asana. Im Reitsport heißen die Asanas aber Lektionen. Und der Rückwärtsgang ist zwar ein Rückwärtsgang, wird aber Rückwärtsrichten genannt. Mit ganz vorsichtigen Hinweisen via Zügel und Bein wird dem Pferd mitgeteilt: »Und nü mal rückwärts.« Wenn Pferd und Reiter*in die Lektion richtig geübt haben, sieht das sehr geschmeidig aus. Soheit so gut.

Jedoch: Der Rückwärtsgang kann auch Strafe sein.

Neulich, bei den 1. Bad Pyrmonter Outdoors, sah ich, wie ein Mädel bei ihrem Pferd den Rückwärtsgang einwarf, nachdem das Pferd mehrmals ungehorsam war. Ja wirklich, das nennen die Experten so, wenn ein Pferd sich weigert ein Hindernis zu überspringen: das Pferd ist ungehorsam. Dreimal ungehorsam sein bedeutet für das Starterpärchen das Aus für die Prüfung.

Nachdem das Pferd nicht so wollte wie es sollte, zog das Mädel die Zügel hoch und nahm die Beine zusammen, so, dass ihr Pferd nur noch rückwärtsgehen konnte. Das ist dann selbstverständlich keine spontan eingebaute Dressur-Lektion, sondern für das Pferd eine Strafe. Allerdings ist das nicht die feine Art, und wird von den Wertungs-Richter*innen nicht gern gesehen.

Aber: Eine solche Sanktion kann auch mal angebracht sein.

Stell Dir vor, Du trainierst regelmäßig mit dem Pferd das Springen und Du bist Dir sicher, das Pferd kann alle Lektionen für die Prüfung XYZ. Aber bei den Turnieren, also bei den Prüfungen, zickt Dein Pferd regelmäßig rum, verweigert bei Hindernissen, über die es sonst locker herüber springt.

Pferde sind ja nicht blöd. Möglicherweise hat es sich gemerkt, bei den Prüfungen werde ich nicht bestraft. Also kann ich mich durchaus auch mal von der anderen Seite zeigen: »Die Hürde? Sonst ja, heute aber nicht. Punkt!«

Wenn du als Reiterin oder Reiter feststellt, dass dir dein Pferd mit schöner Regelmäßig hauptsächlich bei den Prüfungen den Mittelfinger zeigt, und es gibt keine erkennbaren Gründe für dieses Verhalten, dann kann es auch mal opportun sein, das Pferd in einer Prüfung zu maßregeln: »Liebes Tierchen aus der Gattung Equus, so geht das nicht! Und zur Strafe gehst du jetzt mal ein bisschen rückwärts.«

Wie gesagt, grundsätzlich wird das von den Wertungsrichtern nicht gern gesehen. Aber wenn dein Pferd dreimal das Überspringen einer Hürde verweigert hat, ist die Prüfung sowieso gelaufen. Viele Reiter*innen brechen, wenn sie erkennen: heute wird das hier nichts, die Prüfungen auch selbst ab. Sie signalisieren das, in dem sie für die Wertungsrichter sichtbar die Hand heben.