Der Rathaussanierung zum Opfer gefallen

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Auf einem Büroflur steht eine kleine Blechkiste

Oft sind es die scheinbar nebensächlichen Dinge, die mich nachdenklich stimmen. In der vergangenen Woche ist die Sammelbox für Altbatterien vom Lügder Rathaus zur Abfallsammelstelle an der Eschenbrucher Straße „umgezogen“1.

Es gibt mehrere Gründe, die mir dazu genannt worden sind. Einmal war es der Brandschutz. Die Blechtonne, ähnlich der auf dem Foto oben, stand in der Nähe des Foyers. »Wenn die brennen würde …!«

Dann waren es die Fluchtwege. »Fluchtwege müssen freigehalten werden!« Auch das Argument kann ich sehr gut nachvollziehen. Aber dort wo die Sammelbox vor der Sanierung des Rathauses abgestellt war, stand sie meines Erachtens niemanden im Weg – sie stand in einer Nische, in die bei Panik niemand rennen würde.

Ein drittes Argument ist nicht weiter ausgeführt worden, aber ich schließe es aus einigen Kommentaren die mir zu Ohren gekommen sind. Die Box sah nicht schön aus. Sie passte auch farblich nicht mehr zu den dominierenden Grautönen in den Fluren. Ich bin mir ziemlich sicher, das ist der eigentliche Grund dafür, weshalb die Sammelbox der Rathaussanierung zum Opfer gefallen ist.

Klar, mit der Box hätte man schwer einen Design-Award gewinnen können – wenn man das harmoniebedürftige Auge entscheiden lässt. Aber sie hätte einen Design-Award in der Kategorie Funktion bekommen können. Ja, Ihr habt richtig gelesen. Auch die Kategorie Funktion gehört zum Thema Design. Das Wisch-Phone ist ein klassisches Beispiel. Vorher haben wir winzige Knöpfchen gedrückt.

Die Sammelbox für Altbatterien hatte mehrere Öffnungen in unterschiedlicher Größe, die es auch einem Blinden ermöglichte, die Batterien entsprechend sortiert in die Box einzuwerfen. Das zum Stichwort Funktion. Und die Blech-Box mit einer Farbe zu versehen, die dem neuen Rathaus-Corporate-Design „Grau“ entspricht, hätte sogar ich mir zugetraut.

Soheit zu den Gründen der Abschiebung.

Die Sammelbox für Altbatterien ist ja nicht weg, sie steht jetzt nur auf dem Gelände der Abfallsammelstelle an der Eschenbrucher Straße. Wenn da nicht die Öffnungszeiten wären – die Abfallsammelstelle hat folgende:

  • montags und dienstags von 16–18 Uhr,
  • mittwochs geschlossen,
  • donnerstags und freitags von 16–18 Uhr,
  • samstags von 10–12.30 Uhr.

Das Rathaus Lügde hat diese Öffnungszeiten:

  • montags 7.30—12.45 Uhr und 14—18 Uhr,
  • dienstags 7.30—12.45 Uhr,
  • mittwochs 7.30—12.45 Uhr,
  • donnerstags 7.30—12.45 Uhr und 14—16 Uhr,
  • freitags 7.30—12.00 Uhr.

Nächster Punkt: Ich bin mir nicht sicher, aber Alt-Batterien konnte man schon vor dem Zuzug des „Migranten“ an der Abfall-Sammelstelle abgeben. Wenn das stimmt heißt das, wir haben in Lügde jetzt eine Sammelstelle für Altbatterien weniger.

Ja, es richtig, der Handel ist verpflichtet, Altbatterien unentgeltlich zurückzunehmen2. Offensichtlich aber war die Sammelbox im Lügder Rathaus nicht überflüssig. Denn sie wurde nach meinen Beobachtungen sehr gut angenommen. Wenn sie voll war und der Entleerungs-Termin noch nicht anstand, waren oft genug Plastiktüten gefüllt mit Altbatterien auf ihr zu sehen. Das heißt, sie hätte also auch in enger getackteten Abständen entleert werden können.

Das Thema Abfall-Trennung hier auszurollen würde dieses Blog sprengen. Das Abfall-Trennung gut und wichtig ist, ist, glaube ich, hinlänglich bekannt. Den meisten Mitmenschen ist auch bekannt, dass Batterien nicht in den Hausmüll gehören. Denn „Batterien und Akkus enthalten Wertstoffe, können aber auch gesundheits- und umweltgefährdende Stoffe beinhalten“3. Doch wenn wir wollen, dass die in uns Menschen verankerte Bequemlichkeit hier nicht obsiegt, dann sollten wir die Müll-Trennung so einfach wie möglich gestalten4.

Ich finde es schade, dass das frisch sanierte Rathaus in Lügde an diesem Punkt nicht mehr Vorbild ist.


  1. Siehe luegde.de: Abgabe alter Batterien nicht mehr im Rathaus möglich [return]
  2. Siehe www.umweltbundesamt.de: Batterien [return]
  3. Siehe www.umweltbundesamt.de: Batterien [return]
  4. Nebenbei: Etwas so zu gestalten, dass es so einfach wie möglich, bestenfalls intuitiv zu handhaben ist, gehört auch zum Thema Design. Wir hatten das schon, weiter oben im Text. [return]