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Es war unglaublich heiß, schwül und drückend. Die Sonne brannte. Ihr kennt solche Tage, an denen sich der Sommer kaum noch genießen lässt. Und an solchen Tagen bin ich froh, nicht draußen arbeiten zu müssen. Die vergangenen zwei Tage zählen zu solchen Tagen. Tage, an denen ich gern im Rathaus arbeite …

Wer mich am Donnerstagmorgen auf dem Drahtesel zum Lügder Rathaus radeln gesehen hat, wird vielleicht geschmunzelt haben. Der Fahrradrucksack zum Bersten gefüllt, und auf dem Gepäckträger war eine quietsch-orangene Plastikschüssel geschnallt. Ich hatte Putzzeugs geladen.

Was lag an? Aktenschränke und Schreibtisch ausräumen, die Akten in Kartons verpacken, Büromöbel reinigen – und umziehen. Doch das stand nicht nur auf meiner Agenda. Auch 21 Kolleginnen und Kollegen hatten sich kurzfristig darauf eingerichtet. Sie wechselten aus 12 Räume in 15 Büros.

Für die, die später eingeschaltet haben: Das Rathaus in Lügde wird zurzeit umgebaut und saniert. Die Büros im Ostflügel sind zwischenzeitlich fertiggestellt, sodass sie bezogen werden konnten. Nun soll der mittlere Gebäudeteil und der Westflügel saniert werden. Das heißt, dass jetzt dort die Büros nach und nach geräumt werden müssen. – Details dazu findet Ihr unter diesem Text.

Jetzt stellt Euch das mal praktisch vor. In zwei Tagen, bei saunaähnlicher Luft alle Schränke ausräumen, das ganze Mobiliar reinigen, es anschließend in die neuen Räumlichkeiten schleppen und dort aufstellen, und hernach alle Akten wieder einräumen – das bei Publikumsverkehr und während des „normalen“ Baubetriebes. Elektriker, Maler, Trockenbauer und, und, und wuselten selbstverständlich weiter. Denn die Sanierung must go on.

Und fragt mich bitte nicht, wie viele Umzugskartons voller Akten wir von rechts nach links geschleppt haben. Ich weiß es nicht.

Ihr ahnt es sicher schon. Wir hatten Helfer. Kollegen vom Bauhof haben mit angepackt. Dennoch war es für alle Beteiligen eine unglaublich schweißtreibende und kräftezehrende Aktion.

Kurzum: Die vergangenen zwei Tage waren hart. Aber sie waren auch sehr schön. Sie waren schön, weil sie für mich mal wieder gezeigt haben, wie gut Menschen Herausforderungen annehmen und bewältigen können.

Ob Handwerker, Techniker, die Kollegen vom Bauhof, oder wir aus dem Rathaus – alle haben wir uns ins Zeug gelegt. Ja, wir haben geschwitzt wie verrückt. Wir haben auch geflucht, wenn etwas nicht gleich funktionierte. Oft mussten wir improvisieren. Wir haben übereinander gefrotzelt. Gern auch mal lauter. Aber immer haben wir Hand in Hand geschafft, und immer mit einem Grinsen in den Augenwinkeln. Und ich glaube, wir waren gut.

Woran lag das?

Es gab keine Hierarchie. Niemand hat sich wichtig genommen. Eitelkeiten? Fehlanzeige. Wir haben uns selbst organisiert. Jeder tat was er konnte. Jeder tolerierte den Einsatz des anderen. – Es gab nicht einmal einen präzisen Plan. Nur ein Ziel. Wir haben es erreicht.

Wir.


Hier ein paar Details zu den Umzügen am 23. und 24. Juni 2016.

Von dieser Umzugs- und Büro-Tausch-Aktion waren 21 Kolleginnen und Kollegen betroffen. 12 Büros wurden geräumt, und 15 wieder bezogen (Akten- und Technikräume nicht mitgezählt).

Das Fachgebiet Zentrale Dienste ist mit vier Leuten an der Aktion beteiligt gewesen. Drei Leute, darunter ich, durften auf derselben Etage drei neue Büros im Ostflügel beziehen. Eine Kollegin hat übergangsweise ihren 2. Wohnsitz aus dem 1. Obergeschoss in das 2. Obergeschoss verlegt.

Das Fachgebiet Finanzen ist mit acht Kolleginnen und Kollegen aus dem großen Sitzungssaal und dem Trau-Dich-Zimmer im 1. Obergeschoss zurück in ihre auf der gleichen Etage gelegenen alten, neuen Büros gezogen – sechs Stück an der Zahl. Wie geschrieben, für sie war es bereits der zweite Umzug. Denn sie mussten für die erste Bauphase aus dem Ostflügel in den Sitzungssaal und das Trauzimmer im Westflügel „flüchten“.

Am heftigsten bei der aktuellen „Büro-Tausch-Aktion“ hat es die Kolleginnen und Kollegen aus dem Bauamt getroffen. Sie haben einen diametralen Umzug bewerkstelligen müssen: vom Westflügel im 2. Obergeschoss in den Ostflügel des Erdgeschosses. In Zahlen ausgedrückt: Neun Leute sind aus sechs Zimmer vorübergehend in fünf Büros verzogen.

Lediglich die sieben Kolleginnen und Kollegen vom Fachbereich Ordnung und Soziales, die zwei Kolleginnen vom Kreis Lippe, der Bürgermeister und seine Sekretärin haben noch ein bisschen Zeit sich zu sammeln, bevor auch sie für eine Übergangszeit ihren angestammten, zweiten Wohnsitz räumen müssen.

Was ich noch nicht erwähnt habe ist, dass unsere „Serverfarm“ ebenfalls im Umzug begriffen ist. Aus bauorganisatorischen Gründen können wir die Technikzentrale nur sukzessive umziehen lassen. Wer im Thema ist kann sich vorstellen, da steckt eine Menge Gehirnschmalz und Arbeit hinter, um das möglichst reibungslos abzuwickeln. Denn wer kann heute schon für ein paar Tage auf vernetzte Rechner oder Telefonie verzichten?

Im sanierten Ostflügel noch nicht fertiggestellt sind: die Toiletten, die Flure und der Fahrstuhl.