Wir werden nie genug Schubladen haben

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Ihr kennt die „Argumentation“: »Das macht man doch so!«? Wann immer ich mit dieser Aussage konfrontiert wurde, war sie förmlich greifbar – die Schublade namens „man“. Alles was sich nicht dorthinein einsortieren lässt, geht nicht, gibts auch nicht, und wenn doch, ist es total falsch. Und jedes Mal wurde ich den Eindruck nicht los, hier hat jemand unreflektiert Konventionen kopiert.

„Unreflektiert“? Vielleicht nicht. Oder nicht so ganz. Denn wir alle haben unsere Schubladen. Und vermutlich wünschen wir uns alle ein Leben, das wir ohne nachdenken zu müssen einfach und schnell in die von uns selbst kreierten Schubladen einsortiert bekommen. Das würde ja auch funktionieren, wenn, ja wenn das Leben, wenn diese Welt, wenn all dieses Drumherum nicht so verdammt vielfältig daherkommen würde.

Wir werden nie genug Schubladen haben.

Und je eher wir das erkennen, desto eher können wir die Vielfalt akzeptieren und vielleicht sogar genießen. Die Vielfalt auf dieser Welt, die Vielfalt in unserem Leben, die Vielfalt in uns.

Die Vielfalt in uns? Ja! Damit meine ich zum Beispiel die Vielfalt der eigenen, sich oft total widersprechenden Gedanken und Gefühle. Vielleicht kennt Ihr die Irritation, wenn unvermittelt Gedanken und Gefühle auftauchen, die nicht in die „Schublade“ passen, in der Ihr Euch sehen möchtet. Solche irritierenden Widersprüche wahrzunehmen ist der erste Schritt.

Der zweite Schritt ist, solche Gedanken und Gefühle zu hinterfragen: »Wo kommst du denn her? Warum tauchst du hier auf?« Und der dritte Schritt ist, zu akzeptieren: »Ich habe zwar keine Schublade für Dich, aber trotzdem spannend dich hier bei mir wahrzunehmen.«

Das sind ein paar der Gedanken die mir durch den Kopf gegangen sind, als ich unlängst einen Beitrag im Netz gelesen habe. Einen Betrag, in dem es auch um moralische Konventionen geht. Einer von vielen Beiträgen, die vermutlich nicht geschrieben worden wären, wenn wir toleranter wären – auch zu uns selbst.

Daher: Seid mutig und liebt so, wie es euch gefällt! Liebe ist nicht schwarz oder weiß, es gibt unzählige Grautöne. Sex erst recht nicht. Bitte befähigt eure Kinder zu Vielfalt und gebt ihnen den Raum, sich ihr eigenes Konzept von Liebe zu entwickeln.

Vielfalt ist Normalität.

– Claudia Sommer, Express yourself, don’t repress yourself!