Vorsicht! Bitte nicht atmen!

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Ein Streichholzkopf und ein Kleinteil

Nicht nur unsereins hat zuweilen Probleme mit der Zeitumstellung, auch Uhren können darunter leiden. Besonders Uhren mit schwarzem Lederarmband.

Meine Armbanduhr ist offensichtlich so ein Sensibelchen. Nachdem ich sie unlängst um das obligatorische Stündchen vorgedreht hatte, verweigerte sie jedweden Arbeitseinsatz. »Das kann auch die Batterie sein, ich schaue mal nach«, tröstete mich die Assistentin des Uhrenarztes, und verschwand für drei Minuten mit der Uhr im Labor.

»Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, sich eine Neue zuzulegen?« Mein Blick muss Bände gesprochen haben. »Ich meine natürlich eine neue _Uhr!_« Die Batterie sei es nicht, ließ sie mich wissen, und versuchte mir einen Neuanfang schmackhaft zu machen: »Wie alt ist diese Uhr hier?« Ich zuckte mit den Schultern. Woraufhin die Assistentin schätzte: »Die könnte so um die 20 Jahre alt sein.« »Das ist doch ein sehr knackiges Alter! Quasi junges Gemüse!«, verteidigte ich sie. Also die Uhr.

In dem Moment kam der Uhrenarzt meines Vertrauens vorbei, schaute kurz auf das gute Stück und ging weiter: »Ein sehr schönes Model [ich bin sicher, er hat wirklich Model und nicht Modell gesagt], so was bekommen sie heute fast schon nicht mehr«, rief er über seine Schulter hinweg. »Genau!«, rief ich ihm hinterher. Wobei ich gedanklich auch bei einem anderem Model war. Aber das tut hier nichts zur Sache.

Seine Assistentin hatte zwischenzeitlich erkannt, dass eine Trennung für mich nicht in Frage kam. »Ich denke, der Herr Doktor sollte sie sich mal näher anschauen. Vielleicht kann er sie motivieren, es noch mal mit Ihnen zu versuchen.« »Oh, ja! Bitte!« Ich war selig. Und wieder voller Hoffnung.

Ein paar Tage später traf ich ihn in der Fußgängerzone meiner Lieblingsstadt Lügde. »Kommen Sie in meine Praxis! Wir haben sie für Sie gerettet!« Zweieinhalb Stunden habe die OP gedauert, erklärte mir seine Assistentin später. Lange Zeit habe es nicht gut für sie ausgesehen. »Aber der Herr Doktor hat es wie schon so oft geschafft, und hat auch ihr wieder Leben eingehaucht!«, strahlte sie, und drückte mir das gute Stück in die Hand.

Ein Streichholzkopf und eine Schraube

Außerdem händigte sie mir eine kleine Plastikschachtel aus. »Das sind die Teile, die wir ausgewechselt haben.« »Sind diese winzigen Dinger da etwa Schrauben?« »Ja, aber das sind noch relativ große, es gibt noch kleinere. Wenn man damit arbeitet empfiehlt es sich, einen Atemschutz zu tragen – um sie nicht weg- oder einzuatmen.«

Der Doc kam zu uns. »Schauen Sie mal! Was halten Sie von dieser Uhr? Was glauben Sie, wie schwer die ist?« Er gab mir eine etwa esstellergroße Armbanduhr in die Hand. »Wow!«, ich war beeindruckt: »Zwei Kilo Federn sind eindeutig leichter!« »Die ist über ein halbes Pfund schwer!«, präzisierte er. »Dann braucht man aber zwei davon.« »Warum?« »Damit man nicht krumm wird, für jeden Arm eine.« Okay, ich neige zu flachen Witzchen.

Vor ein paar Tagen habe ich dann die Plastikschachtel hervorgekramt, um ein paar Fotos von den Kleinteilen zu schießen. Ich kann Euch sagen, schon dabei habe ich festgestellt, wie schnell sich solche Schrauben in den Staub machen. Und schwupp, haben sie sich in irgendeine Holzritze verkrümelt.