Von SUVs, Roll- und Fahrstühlen

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Der Rohbau eines Fahrstuhls

Früher fuhr man mit 5 Erwachsenen und 3 Kindern in einem VW Käfer. Heute bestellt man bei positivem Schwangerschaftstest sofort den SUV.

Andreas Poser, twitter.com

Das ist auch mein Eindruck: Sport Utility Vehicles (SUV) sind en vogue – aber nicht nur als Familienfahrzeug. Es gibt hier und da nachvollziehbare Gründe die für den Kauf von einem SUV sprechen. Aber dennoch, dass davon immer mehr über die Straßen rollen – ist das gut?

Das erste Fragezeichen poppte bei mir auf als ich feststellte, dass diese rollenden Datschas mir die Sicht einschränken. Es ist, als würden fast nur noch LKWs vor mir fahren. Soll heißen: Durch die stark erhöhte Population dieser Riesen-PKWs wird vorausschauendes Fahren immer schwieriger. Zumindest wenn man wie ich, ein stinknormales Auto und kein SUV fährt.

Außerdem sind SUVs und Pseudo-Geländewagen egoistisch, besitzergreifend. Denn sie haben es so an sich, dass sie ungefragt einen größeren öffentlichen Raum für sich beanspruchen. Wann werden wir wohl damit beginnen die Parkplätze neu zu parzellieren? Es kommt immer häufiger vor, dass ich auf Parkplätzen Fahrzeuge entdecke, die mehr als einen Stellplatz in Anspruch nehmen. Nicht weil sie falsch abgestellt worden sind, einfach weil sie breiter oder länger als die gekennzeichneten Stellflächen sind.

Aber nicht nur bei PKWs gibt es so eine Tendenz zu breiter, länger, höher. Auch bei Rollatoren und Rollstühlen meine ich so eine Entwicklung auszumachen. Bei PKWs fehlt mir dafür in den meisten Fällen das Verständnis, nicht aber bei Rollatoren und Rollstühlen.

Das Foto oben zeigt den Rohbau des Fahrstuhls, der im Zuge der Sanierung des Lügder Rathauses eingebaut wurde. Mehr habe ich von dem Fahrstuhl noch nicht zu sehen bekommen. Aber ich habe mich gefragt: Ist er groß genug, auch in fünf Jahren noch Rollstühle aufzunehmen? Denkt dabei an die SUVs.

In jüngster Zeit habe ich häufig Menschen begleitet, die auf einen Rollator oder einen Rollstuhl angewiesen sind. Auch vorher war mir schon klar, dass es im öffentlichen Raum reichlich Barrieren für Menschen gibt, die solche Hilfsmittel benötigen. Aber es ist noch mal etwas völlig anderes, das hautnah mitzuerleben. Wenn man wie ich fit wie ein alter Turnschuh ist und darüber nachdenkt, schließt man den Gedanken gern schon mal mit: »Ach ja, wird schon klappen«, ab. Das ist Mist.

Schnapp Dir einen Rollstuhl, setz da eine lebensgroße Schaufensterpuppe drauf, leg vorher noch zwei Waschbetonplatten auf den Sitz und probiere es. Viele kranke Menschen besitzen keine normalen Reaktionen und Reflexe mehr – wie zum Beispiel ein Sozius auf dem Beifahrersitz eines Motorrades, der sich, weil es besser ist, ebenfalls mit in die Kurve legt …

Doch zurück zum Fahrstuhl. „Dieser Fahrstuhl ist für Rollstühle nicht geeignet. Bitte benutzen Sie …“ den anderen Fahrstuhl, ist auf dem Hinweisschild vor einem Fahrstuhl zu lesen, an dem ich fast jeden Tag vorbeigehe. Das ist nicht der Fahrstuhl im Lügder Rathaus, der ist offiziell noch nicht in Betrieb.

Der Fahrstuhl an den ich gerade denke sieht eigentlich normal aus. Bezogen auf die Größe ein Fahrstuhl aus dem Segment der „unteren Mittelklasse“, schätze ich. Als ich mich nach dem Grund für das Hinweisschild erkundigte, wurde mir erklärt, dass der Fahrstuhl für einen normalen Rollstuhl und eine Begleitperson ausreichen würde. Aber bei größeren Rollstühlen, zum Beispiel bei Elektro-Rollstühlen, könne es beim Einparken schon mal zu Problemen kommen. Knufft man dabei zu oft die Wand mit der Elektronik an, »… fängt der Fahrstuhl an zu spinnen.« Der Fahrstuhl sei schließlich auch schon 20 Jahre alt.

Mal eben den Fahrstuhl ausbauen, den Fahrstuhlschacht ein bisschen erweitern und dann einen neuen, größeren Fahrstuhl einzubauen, stelle ich mir nicht so einfach vor – schaut Euch die beiden unteren Fotos in diesem Text an.


Es ist schon merkwürdig, während SUVs trotz berechtigter Kritik weitestgehend hingenommen werden: »Das ist halt so.« – scheint es für viele Menschen noch immer ein lästiges Übel zu sein, möglichst vollständige Barrierefreiheit in öffentlichen Räumen herzustellen.