„Tue Gutes und schreib drüber“ wird immer wichtiger

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 4 Minuten

Blick durch ein Kaleidoskop

Ihr kennt die Bloggerweisheit: „Tue Gutes und schreib drüber“. Sie ist uralt, aber noch immer gültig. Und sie wird immer wichtiger. Warum das so ist, das versuche ich hier zu verdeutlichen.

Kürzlich besuchte ich die Veranstaltung MINT in Lügde „voll in Form“. MINT ist ein Akronym, es steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Akteure der Veranstaltung sind hauptsächlich Lügder Schulen und Kindergärten.

Wenn ich das richtig mitbekommen habe, finden die MINT-Veranstaltungen, ich nenne sie jetzt mal Messen, einmal jährlich statt. Dabei setzen die Messen jedesmal einen anderen Schwerpunkt. In diesem Jahr stand die Mathematik, speziell die Geometrie im Mittelpunkt der Betrachtungen.

Die MINT-Messen sind ohne Frage eine ganz tolle Sache, die ich mit meinen nachfolgenden Ausführungen keineswegs diskreditieren möchte. Die Messe, MINT „voll in Form“, habe ich mir rund eine Stunde angesehen. Von daher ist das was ich dort gesehen habe, der Blick auf ein relativ kleines Zeitfenster. Denn die Messe dauerte hiernach von 15 bis 17.30 Uhr.

Zugegeben, ich habe mich zuvor nie mit der Messe beschäftigt. Ich vermutete, dort werden Kinder, Schülerinnen und Schüler den MessebesucherInnen ihre Erkenntnisse präsentieren. Was haben wir über Geometrie gelernt? Wie haben wir das Thema erschlossen? Warum ist Geometrie wichtig? Wo begegnen wir ihr im Alltag?

An nur einem Stand habe ich beobachtet, dass Schülerinnen und Schüler sich als Aussteller präsentierten, also die MessebesucherInnen über ihre Erkenntnisse informierten, und sie auch aufforderten, vorbereitete Übungen durchzuführen. An den übrigen Ständen begleiteten ErzieherInnen und LehrerInnen die SchülerInnen beim Basteln und Präsentieren.

Das ist, wie geschrieben, nur eine Momentaufnahme.

Was ich jedoch besonders schade finde ist, dass im Netz relativ wenig über die Messen zu lesen ist. Die Johannes-Gigas-Schule hat dazu zwar recht lange Texte auf ihrer Website, sie sind aber offensichtlich von LehrerInnen verfasst worden.

Ich habe mich darüber mit LehrerInnen, SchülerInnen und anderen interessierten Leuten unterhalten. Unisono wurde erklärt, dass doch genügend Informationen gestreut wurden – auf Werbebannern, auf Flyern und so weiter. Außerdem habe die Lokalzeitung doch ziemlich ausführlich darüber berichtet. Das ist schön, aber nicht das, worauf es mir ankommt.

Ein Themenkomplex von MINT ist die Informatik. Dazu gehört meines Erachtens auch das Thema Medienkompetenz. Und jetzt komme ich wieder zu der eingangs erwähnten Bloggerweisheit: „Tue Gutes und schreib drüber“.

Was ich keinem der Informationsmaterialien entnehmen konnte sind Antworten auf Fragen wie diese: Was haben wir über Geometrie gelernt? Wie haben wir das Thema erschlossen? Warum ist Geometrie wichtig? Wo begegnen wir ihr im Alltag? Antworten von SchülerInnnen! SchülerInnen erklären Geometrie! Das ließe sich wunderbar im Netz präsentieren. Auch die Schülerzeitung könnte dazu gespiegelt werden (wenn sie denn im Intranet der Schule vorhanden ist).

Kurz zu dem Mantra: „Die Lokalzeitungen haben doch berichtet!“ Wo finde ich zum Beispiel die Artikel über MINT 2014? Es geht um den Punkt „Dokumentation“, den ich hier schon häufiger zum Thema gemacht habe – Beispiel: Warum es sich lohnt, im Netz zeitnah zu dokumentieren.

Noch ein Aspekt zum Stichwort „informieren“. Ein Freund, mit dem ich mich darüber unterhielt, bestätigte: »Ja, das habe ich hier auch schon erlebt. Da denkst du als Elternteil: Sehr schöne Aktion, aber ich habe leider keine Zeit teilzunehmen, würde euch aber gerne eine Spende zukommen lassen. Und wo finde ich jetzt eure Bankverbindung?« – Tja, wenn sie Spenden wünschen, sollten sie auch schreiben wohin damit. Kurzum: Bei vielen solcher tollen Aktionen werden wichtige Informationen nicht veröffentlicht. Zeitungen sind dafür nicht verantwortlich.


Fleißige Leserinnen und Leser von soheit.de werden jetzt gähnend fragen: »Darüber hast du doch schon so oft geschrieben – dass PolitikerInnen, ExpertInnen und jetzt SchülerInnen mehr und detallierter im Netz berichten und dokumentieren sollten. Warum soll das denn jetzt noch wichtiger werden?« Deswegen:

Sie wollen eine Arbeitsstelle, einen Kredit, eine Versicherung oder eine Probefahrt mit einem Ferrari. Und dann werden Sie genauso behandelt wie Sie die Internetshops behandeln. Man surft nach Ihnen und schaut, was Sie wert sind.

Gute Erscheinung wird Pflicht![…]

Und denken Sie nicht, sie hätten die Option, gar nicht im Netz zu sein. Das dachten die Unternehmen ja zuerst auch. Wer nicht sichtbar ist, sagt ja damit etwas. Watzlawick würden sagen:

Man kann nicht nicht signalisieren.

Gunter Dueck, www.omnisophie.com: DD266: Netzbildpflege – schlechte Erscheinung kostet! (Mai 2016)

PS: Das Foto zeigt den Blick durch ein gebasteltes Kaleidoskop. Es ist mir leider nicht sehr gut gelungen. Aber bei dem Gegenlicht, in der linken Hand das Kaleidoskop und in der rechten den schweren Kameraklotz halten – nicht so einfach.