Muttertag

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Zwei gelbe Tulpenblüten

Ich muss zugeben, bis vor fünf, sechs Jahren habe ich dem Muttertag auch nicht die Bedeutung beigemessen, wie ich es heute tue. Zwei Erfahrungen waren es, die mich achtsamer werden ließen.

Zum einen ist daran das Hausreh „schuld“. Kurzbeschreibung Hausreh: alleinerziehend, zwei Jungs, vollerwerbstätig. Es hat mich immer wieder tief beeindruckt, wie sehr sie sich für ihre Jungs ins Zeug legt und gleichzeitig noch mit großem Verantwortungsbewusstsein Karriere macht. Und als wäre das nicht genug: Meines Erachtens ist sie es auch, die die Richtlinienkompetenz für die Familien ihrer Geschwister inne hat. Es ist mir ein Rätsel, woher Menschen wie sie ihre gigantische Energie nehmen.

Etwa zur gleichen Zeit als das Hausreh in mein Leben hupfte, erkrankte meine Mutter. Beinahe im Wochentakt wurde sie unselbstständiger. Anfangs wollte ich es nicht wahrhaben, nicht akzeptieren – doch irgendwann war ich mitten drin – sie zu pflegen.

Wie oft hast du das für mich gemacht?, fragte ich schweigend, wenn ich sie abends ins Bett brachte und sie beruhigen musste. Wie oft bist du wohl nachts aufgesprungen, wenn eines meiner Geschwister oder ich wegen irgendeiner Kinderkrankheit jammernd im Bett lag?, fragte ich still, wenn ich nachts immer halbwach nach ihr hörte. Und wenn ich sie wusch, sah ich mich in der Badewanne, sah, wie sie mir die Haare einschäumte und mich nach dem Bad trocken schrubbelte.

Sie weinte, als ich ihr heute Morgen zum Muttertag gratulierte. Ich weiß nicht, ob ihr wirklich bewusst war, warum ich sie in den Arm nahm und ihr eine von mir in meiner Schulzeit für sie geschnitzte kleine Schmuckschatulle überreichte. Vielleicht hat sie die Schatulle wiedererkannt. Vielleicht aber fühlte sie auch meine Dankbarkeit.

Ich war alleinbetreuend, nur ein bisschen, nur für kurze Zeit. Meine Mutter lebt mittlerweile in einem Seniorenheim.

Muttertag.

An all die tollen Eltern da draußen, an all die Menschen, die sich um die Pflege von Mitmenschen verdient machen; und heute, am Muttertag, besonders an all die fürsorglichen Mütter – ich habe riesigen Respekt vor diesen Euren Leistungen! Danke!