Machen wir uns unmündig?

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Ein Feld und ein Baum

Bin ich froh, dass die Geschichte durch ist! Ich meine den Eurovision Song Contest. Jetzt könnte man sagen: »Wenn du für den #ESC nichts übrig hast, dann ignoriere doch einfach alle Infos dazu!« Das hätte ich auch gern gemacht. Aber meine Twitter-Timeline war tagelang vom #ESC geradezu verstopft.

Nun folge ich bei Twitter Leuten, deren Meinungen, Ideen und Sprüche zu bestimmten Themen ich interessant finde. Ich folge zum Beispiel keinen Fußballern oder leidenschaftlichen Fußballfans. Weil Fußball geht mir auch am Popo vorbei. Das heißt, die Timeline von meinem Twitter-Account ist eine von mir erzeugte Filterblase.

„Dummerweise“ aber interessierten sich viele von den TwitteranerInnen in meiner Filterblase nicht nur für Themen die ich spannend finde. Sie interessieren sich zum Beispiel auch für den #ESC. Und weil dieser vergangene Woche angestanden hat, haben sich etliche von denen auch dazu geäußert. Ich konnte dem #ESC also kaum ausweichen. Nervig. Blöd. – Das dachte ich bis vorhin. Dann las ich bei Fefe von der „Kollateralbildung“.

[…] Was ich jetzt sagen will: Wenn die Zeitungen alle nur noch Buzzfeed nachbauen und nur noch Artikel bringen, die die große Mehrheit klicken würde, dann fällt die Kollateralbildung weg.

Und es geht mir hier nicht nur um Bildung, sondern um Kognition allgemein. Wie kann ich über etwas nachdenken, wenn ich das Konzept hinter der Fragestellung schon gar nicht kenne? […]

Es ist ja eine Sache, wenn ich Dinge kenne aber ignoriere. Aber wenn ich sie gar nicht erst kenne, dann wird mir die Entscheidung genommen, ob ich mich für sie interessieren will oder nicht.

Nach Kant geht es bei der Aufklärung um die Überwindung der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Sind wir hier gerade dabei, aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit eine fremdverschuldete zu machen? […]

— Felix von Leitner, blog.fefe.de, 14.5.2016

Ein absolut spannender Gedanke, finde ich. Ich sollte dankbarer dafür sein, dass mich nicht nur Infos erreichen, die mich interessieren …