Lügde: Politik machen wir nicht mehr im Rathaus!

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ZwischenwandBetreten verboten! Tür zu, Affe tot!

Wie bitte? Ja, Ihr habt richtig gelesen. In Lügde machen wir keine Politik mehr im Rathaus. Keine Sitzungen des Rates, keine Sitzungen der Ausschüsse – nothing. Das gibt es jetzt nicht mehr. Nicht im Lügder Rathaus.

Warum das so ist, das, und ein paar weitere Neulichkeiten schildere ich Euch im heutigen Beitrag aus der Reihe „Abenteuerarbeitsplatz Rathaus Lügde“.

Nicht nur, dass wir keine Politik mehr im Rathaus machen, im Rathaus Lügde wird sich auch nicht mehr getraut. Den großen Sitzungssaal, den Thronsaal der Politiker, haben wir kurzerhand in ein Großraumbüro umfunktioniert. Und auch das Trau-Dich-Zimmer für die Zertifizierung von Paaren ist jetzt ein staubnormales Büro.

Die politischen Sitzungen finden jetzt in der Mensa der Johannes-Gigas-Schule, und die Trauungen im ehemaligen Kloster (sehr passend finde ich) statt. Das mussten wir machen, weil wir gerade das Rathaus in Lügde sanieren – während wir aber weiter darin arbeiten.

Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, dass sich ein Fahrstuhl nicht mal eben so in ein Gebäude einbauen lässt. Dafür müssen Raumaufteilungen in allen Etagen geändert werden. Also haben wir einfach ein Drittel des Rathauses „stillgelegt“. Was freilich ein Euphemismus ist. Denn still ist es in dem Drittel wahrlich nicht. Von dort und vom Dachboden kommt der Lärm, den ich vor ein paar Tagen beschrieben habe. Das ist der Arbeitsplatz von unseren neuen Kollegen von der Abbruchfirma.

Übrigensens: Das Foto oben zeigt eine der auf allen Etagen für die Bauphase eingezogenen Wände. Hinter diesen Wänden liegt besagtes Rathausdrittel. Die Wände dienen als Staub- und Lärmschutz, aber auch zur Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger und für uns.

Wohin aber mit den Kolleginnen und Kollegen und deren Schreibtische und Akten, die in diesem Drittel wohnten? Wie gesagt, wir hocken jetzt dichter aufeinander. Einige Kolleginnen und Kollegen haben den Sitzungssaal für sich beschlagnahmt und in ein Großraumbüro umfunktioniert, und einige sind in das Trau-Dich-Zimmer umgezogen.

Für die Kolleginnen und Kollegen vom örtlichen Jobcenter, von der örtlichen Polizei und vom Tourismus- & Marketingbüro haben wir eine ehemalige Arztinpraxis angemietet. Wir, die wir im Rathaus durchhalten müssen, beneiden die Kolleginnen und Kollegen. Die uns aber nicht.

Nebenbei: Wenn Ihr noch mal einen Blick auf dieses Foto werfen möchtet: Es zeigt das ehemalige Tourist-Info-Büro in dem zurzeit total stillgelegten Rathausdrittel. Bis vor ein paar Tagen konnten wir unsere Fahrräder dort abstellen. Nü aber leider auch nicht mehr.

In dem für uns Sachverarbeiterinnen und -Verarbeiter nun versperrtem GebäudeDrittel befanden sich jedoch nicht nur Büros. Dort waren auch die Toiletten, die unsere neuen Kollegen derzeit mit reichlich „musikalischer Untermalung“ in Feinstaub zerlegen.

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ToilettenzelleI miss you so much!

Und nü? Tja, wie ich hier schon schrub: Die Toiletten im Rathaus haben wir ausgesourct. Das muss Mann erst mal bringen: Outsourcing von Toiletten. In Lügde machen wir so was. Und das Rathaus muss da schließlich Vorbild sein.

Das Hotel und Restaurant in unmittelbarer Rathaus-Nachbarschaft hat uns für derlei „Zwecke“ Asyl gewährt und die hoteleigene Toilettenanlage zur Verfügung gestellt. Und weil das Hotel den Namen „Hotel Stadt Lügde“ trägt, bleibt immerhin ein Stück weit der offizielle Charakter gewahrt.

Aber anders als von mir erhofft, dürfen wir nicht an der Theke vorbei zum Stillen Örtchen. Wir müssen den Seiteneingang nutzen. Dafür haben wir zwei Schlüssel. Wer „den Schlüssel braucht“, muss sich in einer Liste eintragen. Das dient nur der Sicherheit. Denn die Schlüssel gehören zu einer Schließanlage. Der für mich „zuständige Schlüssel“ wird in dem oben erwähnten Großraumbüro verwaltet.

»Kann ich mal den Schlüssel haben?« »*Was?! Sprich lauter! Der Baulärm, du weißt!*« »*Liebe Kolleginnen und Kollegen im Großraumbüro, ich muss mal für kleine Jungs, kann ich mal den Schlüssel haben?!*« »*Nein, damit ist gerade Fridolin unterwegs! Komm später noch mal wieder!*«

Versteht Ihr jetzt, warum wir die Kolleginnen und Kollegen die zurzeit in einer ehemalige Ärztinpraxis amtieren beneiden? Erstens haben sie nicht diese permanenten Heavy Metal Einlagen unserer neuen Kollegen auszuhalten, und zweitens haben sie für sechs Kolleginnen und Kollegen zwei Toiletten. Und wir haben zwei Schlüssel für rund 30 Leute.

Und so klärt sich auch auf, warum wir im Rathaus Lügde jetzt auf jeder Etage Weihwasserbecken Bürgerinnenwaschbecken angebracht haben: Damit wir uns ab und an mal die Hände waschen können, damit wir die Kaffee- und Teemaschinen betanken können, und so weiter. Die Tassen brauchen wir allerdings noch nicht selbst spülen. Denn die Geschirrspülmaschine haben wir Gott sei Dank nicht outgesourct. So werden Prioritäten gesetzt!