Fairtrade-Town Lügde - Wer ist jetzt gefragt?

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Eine Packung Kaffee mit dem Fairtrade-Siegel und eine Tasse mit der Aufschrift Lügde

Die Osterräderstadt Lügde soll Fairtrade-Town werden. Das ist jetzt amtlich. Da ich auch schon einige Artikel zu dem Thema geschrieben habe, hier ein kleines Update.

Vorhin habe ich mal kurz die Suchmaschinen angeworfen: Bis auf einige Zeitungsartikel und den Blogbeiträgen von mir, habe ich im Netz nichts weiter zu dem Thema gefunden. Aber im Bürgerinformationssystem der Stadt Lügde könnt Ihr dazu etwas lesen. Eine Linkliste findet Ihr weiter unten in diesem Artikel.

Wenn alles klappt, wird sich in Kürze die Steuerungsgruppe formieren.

Die Steuerungsgruppe koordiniert die Aktivitäten vor Ort, ist die treibende Kraft und dient der Vernetzung innerhalb der Kommune.

www.fairtrade-towns.de: Kriterium 2: Steuerungsgruppe

Soheit, so gut. Doch wenn man den 8.12.2015 als „Startschuss“ annimmt, dann hat das Thema Fairtrade-Town Lügde noch nicht viel Fahrt aufgenommen.

Und darum hat die Politik die Verwaltung auch mehrmals erinnert. Was mich stutzig machte. Ich versuchte das mal zu verklären:

Klassischerweise ist es in der Kommunalpolitik so, dass die Politikerinnen und Politiker Beschlüsse fassen, die dann von der Verwaltung ausgeführt werden. Doch hier und da gibt es Themen, bei denen ich auch die KommunalpolitikerInnen in der Pflicht sehe. So wie in diesem Fall.

Denn: Sinn und Zweck der Fairtrade-Town-Kampagne ist es meines Erachtens, die Bürgerinnen und Bürger einer Stadt für das Thema zu sensibilisieren. Sie sollen mehr fair gehandelte Produkte kaufen.

Wir können sogar hier vor Ort dafür sorgen, dass die Lebensbedingungen in anderen Teilen der Welt, in denen unsere Lebensmittel erzeugt werden, lebenswerter gestaltet werden.

— Aus dem Antrag der SPD-Fraktion (PDF) vom 8.12.2015

Wenn wir das Ziel verfolgen den fairen Handel zu fördern indem wir ihn fordern, dann müssen wir uns fragen wie wir das machen wollen. Und ich vermute, dass wir dabei einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Die meisten Menschen mit denen ich über das Thema gesprochen habe, haben das Ansinnen nur milde belächelt (oder mit »Blödsinn!« abgetan). Interessant dabei ist, dass sie sehr wohl für den fairen Handel sind. Viele von ihnen achten seit Jahren darauf, möglichst fair gehandelte Produkte zu kaufen. Aber sie haben kein Verständnis für den Aktionismus der Fairtrade-Town Kampagne.

Also: Wie überzeugen wir Bürgerinnen und Bürger, dass das was wir da angehen wollen nicht schlichter Aktionismus ist, dass es uns nicht darum geht, noch eine Plakette ans Revers zu heften, beziehungsweise noch ein Logo auf die Website zu tackern, sondern dass es uns darum geht, echte Akzente für den fairen Handel zu setzen?

Mit Vorbildern. Mit Vorbildern, die das was sie wollen auch leben. Und dadurch Überzeugungsarbeit leisten.

Ist an dieser Stelle nicht auch der Rat der Stadt Lügde gefragt, der sich einstimmig dafür ausgesprochen hat den Fairtrade-Town-Titel anzustreben? Sollte nicht der Rat vorweg gehen und aufzeigen, wie er sich für den fairen Handel stark macht?

Und dabei meine ich nicht nur den Rat in seiner Gesamtheit. Lügde ist eine kleine Stadt, in der jeder nahezu jeden kennt. Vermutlich „leben“ einige Ratsmitglieder schon lange den fairtrade-Gedanken. Da wäre es doch jetzt sinnvoll, wenn das ein oder andere Ratsmitglied davon erzählt: Warum habe ich mich für die Kampagne stark gemacht? Weshalb kaufe ich fair gehandelte Produkte? Welche Fairtrade-Produkte kaufe ich? Welche Erfahrungen habe ich dabei gemacht? Und so weiter.

Wäre ich Ratsmitglied, dann würde ich als Einstieg zum Beispiel meine Partei-Kolleginnen und -Kollegen zu dem Thema interviewen, und die Interviews auf der Website der Partei veröffentlichen. Ich hätte nicht darauf gewartet, bis zum Beispiel die Steuerungsgruppe den Startschuss gibt.

Fairtrade-Town Lügde – Wer ist jetzt gefragt?

Wenn wir mit großem Rückhalt weit über unsere Stadtgrenzen hinaus ausrufen wollen: »Wir wollen einen fairen Handel!«, dann sind nicht nur die Verwaltung und die Steuerungsgruppe gefragt, dann gehört meines Erachtens auch der Rat mit ins Boot – weil er die Vorbildfunktion übernehmen kann, und weil wir ihn als glaubwürdigen Multiplikator benötigen.


Offenlegung:

Ich bin ein bloggender Sachverarbeiter. Manche meiner Artikel erwecken beim ersten Lesen vielleicht den Eindruck, ich würde die Politik angreifen wollen. Darum geht es mir nicht.

Schon seit vielen Jahren beobachte ich die Arbeit wie auch die Zusammenarbeit von Kommunalpolitik und Verwaltung. Und manchmal frage ich mich: Ist die noch zeitgemäß? Oder wie in dem obigen Fall: Ist es immer nur Aufgabe der Verwaltung, den Beschlüssen des Rates und seiner Ausschüsse Taten folgen zu lassen?

Wie fast alle Artikel hier bei soheit.de, verstehe ich auch die Beiträge die sich um das Thema Kommunalpolitik drehen, als Anregung.

PS: Und auch diesen Artikel verbinde ich wieder mit der Frage: Wer ist das: Die Stadt?


Im Ratsinformationssystem der Stadt Lügde sind zu dem Fair-Trade-Stadt Lügde bislang folgende Einträge zu finden:

  • 8.12.2015, Ausschusses für Jugend, Senioren, Kultur, Sport und Soziales der Stadt Lügde, TOP 6: Die SPD schlägt vor, dass Lügde FairTrade-Stadt wird. „Die Verwaltung wird beauftragt, die Voraussetzungen zu prüfen.“

  • 14.3.2016, Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Lügde, TOP 5.3: Die Verwaltung wird an den Antrag erinnert.

  • 22.3.2016, Die Verwaltung legt die Beratungs- und Beschlussvorlage zum Antrag „Lügde sollte Fair-Trade-Stadt werden“ vor.

  • 2.5.2016, Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Lügde, TOP 3: „Der Haupt- und Finanzausschuss empfiehlt dem Rat der Stadt Lügde, eine Bewerbung als Fairtrade-Town zu beschließen.“

  • 9.5.2016, Rat der Stadt Lügde, TOP 5: “Der Rat der Stadt Lügde beschließt an der Fair Trade Town Kampagne teilzunehmen und den Titel ‚Fair Trade Town‘ anzustreben.“ Der Ratsbeschluss erfolgt einstimmig.

  • 12.9.2016, Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Lügde, TOP 5.3: „Ratsmitglied […] erinnert an die noch ausstehenden Beratungen der Themen ‚Fairtrade“ und ‚Erholungsort‘.“

  • 26.9.2016, Rat der Stadt Lügde, TOP 8.6: „[Ratsmitglied] fragt zum Sachstand [Fairtrade-Town] nach.“