Fairarscht

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 2 Minuten

Einbanddeckel vom Buch Fairarscht

„Die Versuchung, nicht selber denken zu müssen“ – wenn mir mein Feedreader so eine Überschrift an den Info-Strand spült, dann muss ich den Artikel dazu lesen.

Die Sehnsucht nach einfachen Lösungen ist überall gegenwärtig. Das zeigt der Zulauf zu den populistischen Bewegungen aus der rechten Ecke, die mit einer eindeutigen Bewertung von richtig und falsch auf sich aufmerksam machen. Wir gebildeten und aufgeklärten Bürger_innen distanzieren uns selbstverständlich davon; versuchen „alternativ“ – was auch immer das heißt – zu leben, halten uns für informierte Konsumentinnen und achten auf (inflationär entstandene) Güte- und Bio-Siegel.

Doch wer weiß genauer, was sich eigentlich hinter solchen Siegeln verbirgt, wer macht sich die Mühe, sich genauer zu informieren? Auch da locken die einfachen Lösungen, die Bequemlichkeit, uns nicht selber informieren zu müssen, sondern auf das Gütesiegel verlassen zu können. Und dabei werden wir, wie die Öko-Unternehmerin Sina Trinkwalder nachweist, nicht selten „fairarscht“. […]

Die Versuchung, nicht selber denken zu müssen, www.bzw-weiterdenken.de, 10.5.2016

Ich kann mich nicht von so einem Funktionieren freisprechen. Ist das Produkt gesund, ist es ökologisch vertretbar, erfüllt es das, was ich davon erwarte? Fragen über Fragen. Jedes Mal wenn ich etwas kaufe, stelle ich sie mir. Da kommt mir so ein Gütesiegel sehr gelegen. Die (wer auch immer sich genau hinter der Zertifizierungsstelle verbirgt) haben solche Fragen für mich schon beantwortet: Alles gut! Absolution! Kannste kaufen!

Vor einigen Jahren habe ich mir eine Regenjacke von Greenpeace gekauft. Sie war alles: schön, ökologisch einwandfrei hergestellt – und teuer. Nur regendicht, das war sie nicht.

Aber der Grund, weshalb ich das Buch „Fairarscht“ lesen werde ist ein anderer: Lügde soll Fairtrade-Town werden – und ich habe da so meine Bedenken.