Die Rathaussanierung Lügde war auch nervig

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 6 Minuten

Schnee auf einem Berg

Wenn du ein Haus baust, oder eines umfangreich sanierst, dann sammelst du reichlich Erfahrungen. »Da kannst du noch so oft bauen oder sanieren, du wirst danach immer wieder feststellen, dass du einiges anders hättest machen sollen«, ein Satz, den mein Dad oft gesagt hat.

Da erzähle ich nichts Neues. Auch mit dieser Aussage nicht: Ein Neubau oder eine Sanierung kostet viel Nerven. Denn selbst die detailliertesten und vorausschauendsten Pläne, werden vom „Leben“ durchkreuzt und zwischendurch Makulatur werden. Das ist ein ehernes Naturgesetz. Dazu kommen der Dreck, der Staub, der Lärm, der allgegenwärtige Verpackungs- und VerschnittMüll und so weiter. Das zerrt …

Klar, wenn das Haus erstmal fertig, oder die Sanierung abgeschlossen ist, überwiegt wieder die Freude, und der ganze Nervkram wird irgendwann nur noch als AnekdotenMaterial für Beiträge zum Schmunzeln aus der Klamottenkiste hervorgeholt.

Und so verstehe ich meine Geschichten über die Sanierung des Lügder Rathauses Anno 2016. Denn ich bin ein Zeitzeuge, der seiner Chronistenpflicht zeitnah nachkommt. Mann könnte auch sagen: #AlterriskiertLIPPE (das ist das Pendant hierzu).

»Boa, ist der Schrank staubig!« Mein Kollege meinte die schwarzen Böden der Büroschränke in „meinem“ Büro, die total zugestaubt sind. »Die habe ich in kurzen Abständen so oft gereinigt, da gehe ich erst wieder dran, wenn die Hütte wirklich fertig ist«, ließ ich ihn wissen. Das war gestern.

Als unsere Abteilung im Sommer umgezogen ist, haben wir unsere Möbel innen wie außen sauber gewischt. Mehrmals habe ich danach noch das ganze Büro entstaubt. Aber wenn man in einer Baustelle „wohnt“, ist das ein Kampf gegen Windmühlen. Und ich gestehe: den habe ich aufgegeben. Nebenbei: Die Büromöbel müssen wir, die VerwaltungsSach-Verarbeiter*innen selbst sauber halten.

Zum Thema Rathaussanierung Lügde stand gestern ein Artikel in den Pymonter Nachrichten1. „Endspurt im Lügder Rathaus“2, lautet die Überschrift, und die Subüberschrift: „Am Montag wird der Bauausschuss erstmals wieder im Ratssaal tagen können.“

In dem Artikel ist von der „neuen Barrierefreiheit“ im Rathaus zu lesen. Tatsächlich ist das Lügder Rathaus in den vergangen Jahren barrierefreier geworden. 2013 ist der Eingangsbereich erneuert worden, was für Rollator- und Rollstuhlfahrer*innen eine erhebliche Verbesserung bedeutet. Und in diesem Jahr wurde endlich ein Fahrstuhl installiert.

Der Vollständigkeitshalber muss ich jedoch erwähnen, dass im zweiten Obergeschoss leider noch eine Barriere vorhanden ist. Das betrifft drei Büros die sich über dem Thronsaal „Ratssaal“ befinden. Um dorthin zu kommen, muss man nach wie vor zwei Stufen erklimmen. Der Grund: Der große Sitzungssaal ist wie sich das gehört höher als die übrigen Räume im ersten Obergeschoss. Das sei zu aufwendig gewesen, diese Stufen zu „egalisieren“, ist mir verklärt worden.

Warum reite ich so auf diesem Thema herum? Als gesunder Mensch denkt man nicht unbedingt daran. Aber sobald wir selbst, persönlich oder durch Angehörige betroffen sind, beginnen wir umzudenken. Betroffenheit fokussiert. Aber ich will das hier nicht weiter vertiefen. Weitere Gedanken dazu findet Ihr zum Beispiel in diesem Artikel: Von SUVs, Roll- und Fahrstühlen.

Richtig, das Lügder Rathaus hat jetzt auch eine neue Heizung. Das ist ebenfalls in dem ZeitungsArtikel zu lesen. Und das wollte ich ja auch noch berichten: Am 4. Oktober 2016 hat sie uns erstmalig eingeheizt. Anfänglich lief sie ein bisschen unrund, aber jetzt scheint sie sich an uns gewöhnt zu haben.

Dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Planung […] wird es vorbehalten sein, als erstes die sanierten und renovierten Räumlichkeiten einzuweihen.

— Pyrmonter Nachrichten vom 11.11.2016, Seite 11, Endspurt im Lügder Rathaus

Gestern habe ich auch zufällig aufgeschnappt, dass eigens für die Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Planen und Bauen auch das Treppenhaus noch mal gewienert werden soll.

Dieser Fachausschuss hatte auch wesentlich mit der Vorbereitung und Durchführung zu tun.

— Pyrmonter Nachrichten vom 11.11.2016, Seite 11, Endspurt im Lügder Rathaus

Als ich den Artikel gelesen habe, musste ich grinsen. Erinnert Ihr Euch noch an den Artikel: Lügde: Politik machen wir nicht mehr im Rathaus!? Darin schildere ich, dass sich die Politik im wahrsten Sinne des Wortes „aus dem Staub gemacht“ hat. Der Rat und seine Ausschüsse haben während der Bauphase nämlich in der Mensa der Johannes-Gigas-Schule getagt. Klar, das ging nicht anders. Aber:

Wie hätte der Artikel wohl ausgesehen, wenn die Ratsmitglieder all ihre Sitzungen weiterhin im Rathaus, und während des laufenden Baubetriebs hätten durchziehen müssen? Denn der Artikel ist von einem Ratsmitglied verfasst worden, und er hat eine recht positive Konnotation.

Was hätte der Verfasser wohl geschrieben, wenn sich die Rats- und Ausschussmitglieder ständig an total verstaubten Tischen hätten setzen müssen? Wenn sie ihre Beratungen bei Höllen-Lärm hätten durchziehen müssen? Wenn sie mit anpacken hätten müssen die Möbel von rechts nach links zu tragen, weil sie aus bauorganisatorischen Gründen zwischendurch in andere Räumlichkeiten hätten umziehen müssen? Wenn sie, um auf die Toilette zu gehen in ein Haus auf der gegenüberliegenden Straße wandern hätten müssen? Wenn sie in eiskalten Räumen hätten tagen müssen, weil die alte Heizung abgebaut wurde, und die neue noch nicht installiert war?

Ich weiß nicht, ob das so deutlich mal öffentlich gesagt wird, deshalb mache ich das: Das Arbeiten während der Bauphase hat uns, den „Rathaus-Bewohner*innen“ reichlich Nerven gekostet. Die Grenze der Zumutbarkeit war oft, und auch weit überschritten. Ja, wir, die VerwaltungsSach-Verarbeiter*innen haben das hingenommen und trotzdem unseren Job gemacht, so gut das eben möglich war. Für wen? Für die Steuerzahler. Denn ich glaube, damit haben wir einen ganz erheblichen Beitrag zur Senkung der Sanierungskosten beigetragen.

Klar, die RathausSanierung war notwendig. Vieles ist auch sehr gut gelungen. Ich wohne jetzt in einem anderem, kleinerem, aber wie ich finde schnuckeligerem Büro. Und ich freue mich jeden Tag ob der schönen Ausblicke. Das Foto oben zeigt den Lügder Kilimandscharo mit dem ersten Schnee in der zweiten Winterjahreshälfte 2016. Fürs Protokoll: Das war am 8.11.2016.

PS: Den Artikel habe ich am 12.11.2016 begonnen zu schreiben, aber am 13.11.2016 erst fertiggestellt.

Update 14.11.2016: Der angesprochenen Zeitungsartikel war in etwas abgewandelter Form am 12.11.2016 auch in der „Lippe aktuell“ (Druckausgabe, Seite 11, Überschrift: „Ab Montag wird wieder im Rathaus getagt“) zu lesen. Seit dem 13.11.2016 ist er in eingekürzter Version auch online verfügbar, allerdings im Webangebot der Lippischen Landeszeitung. Hier trägt der Artikel die Überschrift „Sanierung des Lügder Rathaus fast beendet.“

Update 15.11.2016: Habe ich gestern Abend vergessen zu ergänzen: Tatsächlich sind die Flure und das Treppenhaus eigens für den Ausschuss gründlich gereinigt worden …


  1. Druckausgabe der Pyrmonter Nachrichten vom 11. November 2016, Seite 11, ganzseitiger Artikel, Überschrift: „Endspurt im Lügder Rathaus“, Subüberschrift: „Am Montag wird der Bauauschuss erstmals wieder im Ratssaal tagen können“, Verfasser: Achim Krause [return]
  2. Hä?! Endspurt im Lügder Rathaus?! Ich hoffe nicht! [return]