Der Eine-Welt-Laden in Lügde

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Ein Zweig mit einem Spinnennetz

Neulich auf dem Lügder Marktplatz: »Darf ich Ihnen auch etwas zum Thema Fairtrade erzählen?« »Ich bin der Chef, nicht nötig!« Ich musste grinsen. Sein Selbstbewusstsein bis in die Haarspitzen hat er nicht verloren, dachte ich. Tatsächlich war er bis vor 20 Jahren mein Chef. Nun ist er im Ruhestand. »Ich bin der Chef vom Eine-Welt-Laden«, präzisierte er, und führte aus, dass seine Frau dort ehrenamtlich tätig sei. Er würde das Finanzielle managen.

Seine selbstbewusste Art erinnerte mich an das Gespräch, das ich tags zuvor mit dem Pfarrer im Eine-Welt-Laden geführt habe. »Wissen Sie, ich habe viel von Ihnen gelernt«, nahm ich den Dialog wieder auf. Mein ehemaliger Chef horchte auf. Auch das hatte er nicht verlernt. Diesen Gesichtsausdruck: mit einer Brise von scheinbarer Überraschung, einem gleichsam abstoßend wie magnetisch wirkenden Hauch von Blasiertheit, vervollständigt mit dem Eindruck „jetzt hast du aber meine Aufmerksamkeit! Berichte!“ – Du kannst nicht umhin. Du plapperst los. »Gestern war ich in Ihrem Eine-Welt-Laden«, begann ich, und erzählte ihm dann von der Einleitung des Gesprächs.

»Es war mir wichtig, mal hierher zu kommen«, erklärte ich dem Pfarrer, als wir uns begrüßten, »Mir war zwar bekannt, dass es einen Eine-Welt-Laden in Lügde gibt, aber ich hätte schon nicht schildern können, wo genau er ist. Und was ich in Lügde nicht kenne, gibt es nicht.« Den letzten Satz hatte ich etwas mehr betont, und damit auch den gewünschten Effekt erzielt. Denn der Blick des Pfarrers war voller Fragezeichen.

»Tja nun. Ich bin der Lügder Durchschnitts-Dödel. Und was ich nicht kenne, gibt es nicht!«, wiederholte ich. Wie mein damaliger Chef ließ ich die so ausgelöste Irritation für ein paar Sekunden schweigend wirken. Und dann erklärte ich, was ich schon so oft erzählt und geschrieben habe.

Für die Leserinnen und Leser die gerade erst eingeschaltet haben muss ich vorher kurz noch erläutern, dass Lügde Fairtrade-Town werden soll. Den Antrag dazu hat die SPD-Fraktion im Rat gestellt. Und in dem Antrag (PDF) heißt es: „Wir hier in Lügde haben mit dem Eine-Welt-Laden im Wichernhaus auch bereits einen Ansatz, den es auszubauen gilt.“ Der Hinweis auf den Eine-Welt-Laden in diesem Zusammenhang ist korrekt und gut. Damit hatte ich den Eine-Welt-Laden wieder auf dem Radar. Dennoch war der SPD-Antrag nicht der Grund für meinen Besuch im Eine-Welt-Laden.

»Ich finde es immer wieder schade, wenn ich zufällig von tollen Aktionen in Lügde höre, und dann bei meinen Recherchen feststelle, dass dazu kaum etwas im Netz zu lesen ist«, erklärte ich dem Pfarrer, und einen Tag später auch „seinem Chef“.

Auch unter luegde.de war zum Eine-Welt-Laden bislang lediglich eine Adresse hinterlegt. Mir war es aus zwei Gründen wichtig, dem Eine-Welt-Laden auch dort einen Raum zu geben. Zum einen, weil der Eine-Welt-Laden sowieso eine tolle Sache ist, und weil sich auch dort Mitmenschen ehrenamtlich engagieren. Zum anderen, weil es natürlich wichtig ist, den Eine-Welt-Laden bei der Fairtrade-Town-Aktion mit einzubinden. Denn der Laden ist voll von Fairtrade-Produkten.

Und nun gibt es auch unter luegde.de einen kleinen Info-Text zum Eine-Welt-Laden „Die Brücke“ in Lügde. Kurzerhand haben wir uns auch gleich dort „bedient“, und ein paar Tüten mit Fairtrade-Keksen für unsere jüngste Fairtrade-Aktion gekauft. Und wir sind dabei, noch weitere Fäden zu knüpfen. Dazu später mehr.

Was wollte ich noch sagen? Ach ja: Wer nicht im Netz ist, den gibt es nicht.