Besteint, Teil 2

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Viele Pflanzen in einem Garten Einfach ein Stück Garten

»Manche Friedhöfe sehen mittlerweile aus wie die Ausstellungsfläche eines Baumarktes«, schilderte mir vor einigen Wochen ein Gärtner. »Statt Pflanzen sind die Grabflächen größtenteils mit Steinen bedeckt: weiße, graue, gelbliche, rötliche, manche rundlicher, manche gebrochen. Dazu ein, zwei leicht zu pflegende Pflanzen zur Auflockerung, und fertig ist das Grab.«

»Das ist aber nicht nur auf Friedhofsflächen zu beobachten«, ergänzte ich, »auch immer mehr Vorgärten werden so gestaltet – wenn sie nicht gleich komplett für zusätzliche PKW-Parkflächen zugepflastert werden.« »Stimmt. Mich macht das traurig. Nicht nur wegen meines Berufes. Ich liebe die Natur. Ich mag Pflanzen.«

Ich kann verstehen, dass es sich Menschen gern einfach machen. Friedhofsflächen und Gärten voller Pflanzen zu pflegen ist Arbeit. Mehr Arbeit, als sich das einige Mitmenschen vorstellen können.

Doch jede einzelne Fläche die wir versiegeln hat für uns alle Konsequenzen – aber keine positiven. Wir berauben uns selbst. Denn Pflanzen sind Sauerstofferzeuger, sind Luftfilter, bieten einen natürlichen Lärmschutz, und sie sind Lebensräume für unzählige Tiere – um nur einige Gründe zu nennen.

Ein anderer bislang von mir hier noch nicht erwähnter Aspekt ist: Versiegelte Flächen nehmen kein Regenwasser auf. Steinbeete können, wenn sie entsprechend angelegt wurden noch Regenwasser aufnehmen, aber es fehlen die Wurzeln, die den Boden halten. Zwei Beispiele, die unterschiedliche, aber beide keine positiven Folgen haben können.

Wenn ich über solche Dinge nachdenke, dringt mir unweigerlich ein Lied von Grobschnitt in den Gehörgang. Auf der 1976 veröffentlichten LP „Jumbo“ gibt es ein Stück mit dem Titel: „Vater Schmidt’s Wandertag“:

[…] Gegen 14 Uhr
löst Familie Schmidt
eine Lochkarte für den Waldeintritt.

Am Tor 7 a,
Rollbahn 14 West,
quengelt schon der Lautsprecher:
»Bitte aussteigen, halten sie sich fest!«

Und so rattern sie auf Rollbahn 14 West […]
durch einen immergrünen Kunststoffwald […]
Automaten dispergieren ihnen Tannenduft […]
untermalt von elektronischer Musik […]

Und so trifft man sich dann auf Essplatz Nummer 10
wo schon über 80 Mann vor dem Speisomaten steh’n.

In Antischwerkraftsesseln genießt man nun
Picknicksupermischung 15 X,
begleitet vom Rauschen der Keimvernichtungsanlage,
die ständig alle Keime im Keime erstickt.
Hygiene!

Ist es denn nicht wunderbar,
dem Fortschritt nah zu sein?
Hurra wir sind ja so modern,
von Sorgen fern, lebt unser Stern […]

Grobschnitt: Vater Schmidt’s Wandertag

Die Scheibe ist 40 Jahre alt. Wir brauchen noch keine Saurierparks für Pflanzen und Bäume, sprich: Kunststoffwälder. Gleichwohl glaube ich, dass wir ziemlich zielstrebig daraufhin arbeiten. Die auffällige Tendenz es sich bei den (noch) Grünflächen einfach zu machen und sie zu besteinen, ist ein Beispiel dafür.

»Dein Garten ist dein Hobby!«, ist mir schon oft gesagt worden. Stimmt, der Garten ist ein Hobby von mir. – »Eine Hainbuchenhecke um das ganze Grundstück, so viele Bäume, Sträucher und Pflanzen! Da haben sie ja reichlich zu tun«, meinte besagter Gärtner unlängst. Ja, der Garten macht viel Arbeit. Aber ich möchte damit auch einen kleinen Beitrag zum Erhalt der Natur leisten.

Wenn es immer mehr Menschen zu lästig, zu mühselig ist, der Natur einen Raum zu geben und für sie zu arbeiten, wird die Gartenarbeit zu einem Ehrenamt. Ich denke, so weit sind wir schon.


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