Zur Behandlung akuter Erkrankungen

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Blüten einer
OrchideeLichtspiel in Blüten

Neulich beim Friseur um die Ecke. »Hallo! Auch wieder hier? Wir haben wohl denselben Rhythmus.« »Hallo, stimmt, interessant, nicht wahr?« »Ja, nur dass sie heute schneller waren.« Während er sich weiter mit dem Haarstylisten unseres Vertrauens unterhielt, pflanzte ich mich auf einen Besucherstuhl. Immer mal wieder schaute er in den Spiegel zu mir rüber und lächelte.

Mit seiner Familie war er Anfang der 90er Jahre als Asylbewerber in unsere Stadt gekommen. Damals war ich gerade frisch im Sozialamt installiert worden. Zwölf Jahre blieb ich dort. Zwölf Jahre Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Dennoch wollte ich den Job nicht noch mal machen. Er hat sich sehr darum bemüht, meinen Charakter zu verbiegen. Mehrmals ist es ihm gelungen, glücklicherweise immer nur für kurze Zeit.

Der nette Herr L. … Ich erinnere mich noch gut, eines seiner Kinder war sehr krank. Seine Frau und er haben verzweifelt für ihr Kind gekämpft – oft mit Tränen in den Augen. Doch wir konnten die Kostenübernahme für einige Behandlungen nicht gewähren – weil es sich nicht um eine akute Erkrankung handelte.

Es ist nie schön einem Menschen zu sagen oder zu schreiben: Das darf ich nicht bewilligen. Und es ist ein natürlicher, wenn auch unschöner Reflex, in solchen Situationen verantwortlich für die Entscheidungen der Politik, verantwortlich für das Gesetz gemacht zu werden. Aber nicht jeder gibt diesem Reflex einen Raum. Seine Frau und er gehören dazu.

Als er vom Friseurstuhl stieg, ging er nicht direkt zur Kasse. Er kam auf mich zu und gab mir die Hand. »Ich freue mich dich zu sehen. Wie geht es dir?« Er war zum Du übergegangen, strahlte über das ganze Gesicht. »Ich sollte nicht klagen. Und dir, wie geht es dir?« »Gut, sehr gut«, antwortete er, »Arbeitest du immer noch dort?« Seinen Kopf hatte er dabei kurz in Richtung Rathaus geneigt. »Ja, aber nicht mehr im Sozialamt.« »Das ist doch gut, oder?« Ich nickte. »Mach es gut. Wir sehen uns.« Dann ging er zur Kasse.