Vom Suchen und Finden

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Eine Gardine und ihr
SchattenSchatten im Lichtspielhaus

Ich war schon im Begriff das zerknüddelte Kalenderblatt wegzuschmeißen, das ich heute Morgen in der Gesäßtasche meiner Hose wiederentdeckte. Aber dann nahm ich mir doch die Muße, den Sinnspruch auf der Rückseite zu lesen.

Suchen, das ist das Ausgehen von alten Beständen und ein Findenwollen von bereits Bekanntem im Neuen.

Finden, das ist das völlig Neue. Alle Wege sind offen, und was gefunden wird, ist unbekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer.

Pablo Picasso

Stimmt, dachte ich: Auch wenn ich nach etwas Neuem suche, der eigene Filter, der mir Sicherheit gibt, läuft im Hintergrund immer mit. Alles andere wäre ein Wagnis, ein Loslassen ohne Netz und doppelten Boden. Habe ich diesen Mut? Ich musste grinsen:

Wie häufig bestelle ich mir in einem Restaurant mit fremdländischer Küche etwas, was ich noch nie gegessen habe? Was also werde ich auf der Speisekarte normalerweise suchen?

Wie sehr unterscheidet sich die Kleidung die ich mir kaufe von der, die ich mir schon immer gekauft habe?

»Das kannst du ruhig essen. Schmeckt klasse!«, oder: »Das kannst du sehr gut tragen! Das steht dir!« Oft braucht es erst solcher Ermutigungen, um aus seinem eigenen Filter auszusteigen – um ihn zu erweitern, oder zu verschieben.

Das waren banale Beispiele. Was ist mit anderen Menschen? Menschen, die einfach anders sind als die, die ich bisher kennengelernt habe … Werde ich solche Menschen suchen? Und wenn ich so einen Menschen, vielleicht sogar ohne ihn gesucht zu haben „gefunden“ habe – was dann?


Der Text von Pablo Picasso geht übrigens weiter, wie ich erst später entdeckt habe: Siehe hier.