Txt mit Blech

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Gras wächst aus einer
FensterbankAuch Vergänglichkeit kann schön sein.

Ich musste grinsen. »Siehst du, es geht doch!«, dachte ich laut. In einer älteren Akte hatte ich einen Auszug aus dem Ratsprotokoll vom 22. November 1979 gefunden. Das komplette Protokoll ist 17 Seiten lang. Getippt hat es ein ehemaligen Chef von mir. Vor einiger Zeit habe ich ihn Euch schon vorgestellt. Wenngleich er viel Humor hatte, war er auch sehr streng – und penibel, pedantisch, perfektionistisch. Das erkennt jeder sofort, wenn er das Protokoll sieht und liest.

Geschrieben hat er es mit einer mechanischen Reiseschreibmaschine. Mit seiner Maschine. Niemand, außer ihm natürlich, wagte es, dieses Gerät anzutasten. So eine Schreibmaschine kennt, wenn es mit entsprechendem Farbband bestückt ist, nur zwei Schriftfarben – Schwarz und Rot. Fettdruck?; kursive Schrift?; verschiedene Schriftgrößen? – Fehlanzeige. Solche Spielereien haben diese Maschinen nicht.

Das Protokoll sieht fast so aus, als hätte es mein damaliger Chef mit einem einfachen Texteditor geschrieben. Txt mit Blech. Dennoch ist das Protokoll übersichtlich strukturiert. Und selbstverständlich ist auch der Inhalt perfekt, schnörkellos und verständlich durchformuliert.

Was so eine Schreibmaschine auch nicht hat, ist Speicherplatz. Malt Euch mal aus, was das bedeutet. Copy and paste?; eine Funktion wie „Suchen & Ersetzen“?; einen getipperten Satz mal eben umstellen, weil er dann verständlicher ist?; flugs einen Tippfehler korrigieren? – das war einfach nicht drin. Nicht mit diesen Maschinen.

Ja, es gab diese Korrekturfolien und -flüssigkeiten, um kleine Tippfehler zu korrigieren. Aber das Ergebnis sah ziemlich blöd aus. Denn selbst wenn du sehr sorgsam mit dem Zeugs umgegangen bist, beim genauen Hingucken konntest du die Korrekturen immer erkennen. Peinlich war das. Aus dem Grund wurde, wenn eine Seite zu viele Fehler enthielt, die Seite komplett neu getippert.

Nein. Ich will die Uhr nicht zurückdrehen. Ich finde das beachtenswert, wie damals Texte geschrieben wurden. Dagegen haben wir es mit unserer heutigen Technik doch sehr einfach.

Manchmal denke ich, diese Textverarbeitungsprogramme machen es uns zu einfach. Wir benutzen die eingebauten Spielereien, ohne uns Gedanken darüber zu machen – zum Beispiel, ob dieses Spiel mit den Formatierungs-Möglichkeiten typografisch korrekt ist. Viele Leute scheint das auch überhaupt nicht zu interessieren. Ich finde das schade. Denn für mich ist Typografie eine Kunst. Sie zeichnet den, der sie korrekt nutzt, aus. Und für mich ist das ein Zeichen von Achtsamkeit.

Aber was ich eigentlich sagen will ist: Es braucht keine unglaublich komplexen Textverarbeitungsprogramme um gut zu dokumentieren, zu informieren oder zu unterhalten.