Menschen sind ein kompliziertes Volk

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Gebündelte Unterlegscheiben vor einer
BretterwandGegrillte Unterlegscheiben an Holzvertäfelung

Don Tillmann, ein junger Professor für Genetik, ist ein außergewöhnlicher Mensch. Sein Leben hat er durchgetaktet bis ins Detail. Seine Brille, durch die er die Welt – und die Menschen – betrachtet, ist Logik. Was allerdings immer mal wieder zu Irritationen führt. Menschen handeln halt nicht unbedingt logisch.

Doch davon lässt sich Don Tillman nicht beeindrucken. Er möchte seine Mitmenschen verstehen, und setzt sein Denken und Handeln in Kontext zu ihnen um daraus Schlüsse ziehen zu können. Wobei der von ihm bei jedem neuen Kontakt taxierte BMI, zunächst nur statistischen Wert hat.

„Natürlich“ möchte Don auch eine Partnerin an seiner Seite wissen, und startet kurzerhand das „Projekt Ehefrau“, wofür er eigens einen Fragebogen nach „optimalen Richtlinien“ entwirft – einschließlich Multiple-Choise-Verfahren. Die Frage 35 lautet übrigens: „Essen Sie Niere?“ Wie die (für Don) korrekt Antwort lautet, müsst Ihr selbst nachlesen. Nur so viel: Rückmeldungen erhält er zweihundertneunundsechzig (mindestens).

Die Romane „Das Rosie-Projekt“ und „Der Rosie-Effekt“ von Graeme Simsion zu lesen, macht einfach Spaß. Sie sind witzig, intelligent, aber auch ein bisschen Spiegelbild. Denn: Menschen sind ein kompliziertes Volk. Das wird besonders deutlich, wenn Mensch sie durch die Brille eines anders tickenden „Typen“ betrachtet. – Tja, außergewöhnliche Leute können, Mensch glaubt es kaum, durchaus liebenswürdig sein. Und: Ungewöhnliche Menschen sind eines nicht – gewöhnlich.

Ich kann nicht sagen, welcher der beiden Romane mir besser gefallen hat. Ich finde sie beide stark. Ja, beide Romane lassen sich unabhängig voneinander lesen – denke ich. Dennoch empfehle ich, mit dem ersten Band, dem Rosie-Projekt zu beginnen.

In dem Zusammenhang vielleicht ein Tipp: Wenn ich mehrere Bücher von einer Geschichte lese, lese ich sie nicht direkt hintereinander weg. Zwischen den Bänden packe ich mir mindestens eine Lektüre, einer gänzlich anderen Roman-Gattung.