Lügde geschüttelt und gerührt

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Holzauge, sei wachsam!

Seid Ihr mal entlang von Bahngleisen gewandert, während auf den Schienen ein schwerer Güterzug vorbeidonnert? Ich muss dabei an den Rundwanderweg am Schiedersee denken. Ein Stück des Weges führt neben der Bahnstrecke Hannover-Altenbeken. Bei unseren Wanderungen auf dem Rundwanderweg hatten wir an diesem Wegabschnitt einige Male das „Vergnügen“, von solchen Güterzügen „überholt“ zu werden. Die Dinger sind respekteinflößend. Der Boden unter Deinen Füßen vibriert, und Du verstehst Dein eigenes Wort nicht mehr.

Die Bahnstrecke Hannover-Altenbeken führt nahezu mitten durch den Lügder Ortskern – zweigleisig. Sie ist die Lebensader von Lügde. Denn mit einer guten Autobahnanbindung kann Lügde nicht dienen. Aber mit dem Zug können wir bequem und im Stundentakt Hannover oder Paderborn erreichen. Die S-Bahn-Linie S5 macht es möglich. Kein Wunder, dass die S5 bei Pendlern, Schülern wie Berufstätigen, sehr beliebt ist.

Doch das ist vielleicht bald Geschichte. Das Bundesverkehrsministerium beabsichtigt, die Strecke für den schweren Güterverkehr zu nutzen. Berechnungen der BI TRANSIT WESERBERGLAND e.V. zufolge, würden dann fünf bis sieben Güterzüge pro Stunde und das Tag und Nacht, mitten durch Lügde scheppern. Die Bahnübergänge würden sich kaum noch öffnen. Gut, dass wir in Lügde eine Bahnunterführung haben. Aber den vielen Pendlern hilft die nicht.

Lügde und unsere Nachbarstadt Bad Pyrmont liegen, ich verzählte das bereits verschiedentlich, in einem Talkessel. Der ist landschaftlich schön, hat aber auch kleine Nachteile. Einer davon ist aber nicht mehr klein, wenn die schweren Güterzüge durch das Tal ballern. Denn durch den Talkessel wird der Lärm verstärkt.

Sollte der schwere Güterbahntransit kommen, haben Lügde und die Kurstadt Bad Pyrmont ein echtes Problem. Die südliche Nachbarstadt Schieder natürlich auch. Darum liebe Pyrmonter, Schiederaner und Lügder: Macht mit, bei der Online-Petition: „Kein schwerer Güterbahntransit im Naturpark Weserbergland!“!

Nebenbei: Ich habe mich sehr gefreut, dass jetzt endlich auch unter luegde.de zu diesem „Brett“ etwas zu lesen ist.

Ergänzt am 21.2.2015:

Schaut Euch mal genau an, was die Deutsche Bahn selbst zu den an der Strecke Hannover-Altenbeken liegenden Städten schreibt. Wird die Strecke wie anvisiert für den Güterzugverkehr freigegeben, wird die Seite wohl verschwinden. Und würde es eine Ratingagentur für Tourismus geben, würde sie – sollte die Güterzug-Rennstrecke installiert werden – die Städte entlang der „neuen Güterzug-Rennstrecke“ sofort tief unten im C-Niveau einstufen.

Malt Euch selbst aus, was eine Güterzug-Rennbahn auf dieser Bahnstrecke mit sich „bringen“ könnte. Hier eine spontan zusammengestellte Sammlung:

  • normale (beschrankte Bahnübergänge) wären kaum noch passierbar, weil meistens geschlossen,
  • Personenzüge werden auf der Bahnstrecke kaum noch verkehren,
  • Pendler und andere Bahnreisenden müssen auf Busse und PKWs ausweichen, und
  • viel mehr Autos und LKWs werden die teils engen Straßen und Landstraßen frequentieren.
  • Da wir über keine gute Autobahnanbindung verfügen, werden die an der Bahnstrecke liegenden Städte selbst für Gewerbeitreibende uninteressant. Denn der Zulieferer-Verkehr, wie auch der Transport der Produkte ist über die dichten Straßen nur schlecht abzuwickeln.
  • Weil der Verkehr auf den Straßen stark zunimmt, gelangen auch die pendelnden Schüler und Arbeitskräfte nur schlecht zu ihren Schulen und Arbeitsplätzen,
  • im Pyrmonter-Lügder-Talkessel wird der von den Güterzügen ausgehende Lärm permanent zu hören sein, so, als würde ständig ein riesiger Deckel über den Tal-Kessel scheppern, und
  • unsere Städte und unsere schöne Landschaft sind an einigen Stellen, wie zum Beispiel am Schiedersee, nur noch mit Kapselgehörschutz zu „genießen“.
  • Zusetzen werden uns auch die Immissionen von dem zunehmenden Autoverkehr.
  • Wie wirkt sich das auf die Gesundheit der hier lebenden Menschen aus?
  • Touristen werden unsere Region meiden,
  • Bad Pyrmont verliert seinen Kurstadt-Status,
  • Lügde wird abgewickelt