Hast du die Urlaubsfotos schon entwickeln lassen?

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Ein Mähdrescher vor der untergehenden
SonneDie alte Sonne und der Mähdrescher

Eigentlich wollte ich einen Text mit dem Titel „Gedanken eines Hobby-Hobby-Fotografen“ schreiben. Auslöser waren meine Beobachtungen und Gedanken beim Drachenbootrennen kürzlich. Der Text ist leider ziemlich lang geraten. Dabei hatte ich viele der Gedanken nur gestreift. Zum Beispiel den historischen Aspekt, den ich nun in diesem Artikel etwas ausrolle. Und damit reiht sich dieser Text nahezu nahtlos in die Reihe: Dokumentiere, du vergisst es sonst!, ein.


»Gute Fotografen knipsen nicht, sie malen Fotos!« Das hat mir damals mein Foto-Grundschullehrer, was mein Schawager ist, mit auf den Mache-nicht-viel-dafür-aber-gute-Fotos-Weg gegeben. Das ist lange her. Gefühlte 38,5 Lichtjahre. Digitalkameras waren damals noch kein Thema.

Ein Foto war ein Foto, war ein Foto. Oder eben keines. Das hast du erst nach dem Entwickeln der des Films gesehen. Ein Display an der Kamera? Display, was ist ein Display?!

»Hast du die Urlaubsfotos schon entwickeln lassen?« »Nein, ich habe noch vier Bilder auf dem Film. Die muss ich erst noch schießen.« »Mach hin, in vier Wochen ist Weihnachten.« Der Dialog klingt ziemlich gestellt? Mag sein, aber so war das damals – vor der digitalen Fotografie.

Die Kameras hatten keinen Speicherchip, sondern eine Filmpatrone, kurz Film genannt. Auf so einem Film passte nur eine begrenzte Zahl von Fotos. Sehr, sehr wenig, gemessen an der Zahl von Fotos, die heute einfach mal so geschossen werden. Das führte dazu, dass ich den Auslöser halt sparsamer benutzt habe. Jeder Film kostete, und auch das Entwickeln.

Die Fotos konnten nicht einfach von der Kamera heruntergeladen oder in die Wolke hochgeschoben werden. Aus Kostengründen wurde der Film erst wenn er „voll“ war aus der Kamera entnommen. Anschließend brachte der normalsterbliche Hobbyfotograf wie unsereins den Film in ein Fachgeschäft. Nicht jedes „Fachgeschäft“ entwickelte selbst. Diese leiteten den Film dann weiter zu einer Firma die die dafür notwendige Technik hatte. Das heißt, es dauerte mehrere Tage, bis unsereins die Negative des Films nebst den Fotos wieder abholen konnte.

Fotos mal eben kopieren und tauschen war nicht drin. Das war ein ziemlicher Aufwand, wenn wir mit vielen Leuten im Urlaub waren. Nach den Urlauben haben wir die Filme entwickeln lassen und die Fotos unter den UrlaubsteilnehmerInnen herumgereicht. Dann suchte sich jeder aus, von welchen Fotos sie oder er ein Exemplar haben wollte. Anschließend marschierte die oder der UrheberIn (die/der HobbyfotografIn) mit den Negativen ein weiteres Mal zum Fachgeschäft und ließ die Fotos in entsprechender Anzahl entwickeln um sie hernach zu verteilen.

Fotos mal eben selbst mit einem Bildbearbeitungsprogramm nachbearbeiten? Auch das war nicht drin. Ein Foto war ein Foto, war ein … Wie gesagt, es gab keine Möglichkeit, zwischendurch mal nachzuschauen ob es ratsam ist, vielleicht eine höhere Belichtungszeit, oder eine andere Blende für das Motiv zu wählen. Und wenn du, um daraus zu lernen wissen wolltest mit welchen Einstellungen du die Fotos geschossen hast, musstest du dir das gut merken, oder eben notieren.

Beim Kauf eines Filmes musste frau sich festlegen: die Größe des Films, also die Anzahl der Fotos, die mit dem Film erfasst werden können; ob damit Farb- oder Schwarz-Weiß-Fotos aufgenommen werden sollten; und welche Filmempfindlichkeit der Film haben sollte.

Ganz übel war übrigens, wenn die Kamera den Film nicht transportiert – also nicht zum Belichten „über die Linse gezogen“ hat. Es gab so „hinterlistige“ Geräte. Die Kamera „täuschte“ dir die ganze Zeit vor, dass sie richtig arbeitet, zeigte auch an, wie viele Fotos du bereits geschossen hast – tatsächlich aber blieb der Film in seiner Patrone – also ungenutzt – leer. Eine böse Überraschung, wenn du den Film aus der Kamera nehmen und zum Entwicklen bringen wolltest. Das ist mir mehrmals passiert. Zwei Mal bei wichtigen, öffentlichen Veranstaltungen. Ihr könnt Euch vorstellen, wie peinlich mir das war.

Klar, ich hätte zwischendurch mal den Deckel aufmachen und nachsehen können. Ja, hätte ich. Das wäre aber nicht unbedingt ratsam gewesen. Hätte die Kamera korrekt gearbeitet und den Film transportiert, hätte ich in dem Moment den Film, zumindest eine größere Sequenz, „überbelichtet“ – und damit eine Reihe von möglichen und vielleicht schon geschossenen Fotos unbrauchbar gemacht.

Und dann war da noch die Dia-Fotografie. Worauf ich aber heute nicht weiter eingehe – vielleicht später mal.


Zwei Beispiele aus der Reihe: Dokumentiere, du vergisst es sonst!