Entspann dich Alter!

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 3 Minuten

eine
Buddha-FigurDas Gesicht ist weich …

Habt Ihr das auch gelesen?

Wer in der Türkei in ein Yoga-Studio geht, der schaut in Zukunft nicht mehr auf eine Buddha-Figur, ein Om-Symbol oder ein Mantra. Und passende Musik gibt’s auch nicht mehr.

Der türkische Sportbund meint, dass das alles religiöse Symbole sind - und die hätten in Sporträumen nichts zu suchen. Die Zeitung Hürriyet schreibt, dass jetzt alle Yoga-Studios Buddha-Figuren, Symbole, Mantras, Bilder, Musik und Räucherstäbchen entfernen müssen.

— dradiowissen.de: Türkei: Regierung will religiöse Symbole in Yoga-Studios verbieten

Tja, liest sich so, als sei der türkische Sportbund nicht gerade sehr entspannt. Naja, ein bisschen kann ich das nachvollziehen. Denn mit einem Sportbund, ob türkisch oder deutsch, assoziiere ich auch nicht das Wort Entspannung, und schon gar nicht den Zustand selbst.

Mit dem Begriff Sport wie er hierzulande verstanden wird, assoziiere ich sowas wie Leistungsgrenze, Wettbewerb, Konkurrenzdruck. Aus dem Grund habe ich den Sportunterricht in meinem Leben als Schüler nur in der Grundschulzeit gemocht. Da hieß der Unterricht aber noch Turnen.

Wettbewerb, Konkurrenzdruck, Klassifizierungen wie erster, zweiter und dritter Platz – hat das was mit Entspannung zu tun? Einige wenige Menschen werden hervorgehoben, viele andere fallen hinten rüber. »Aber das ist doch ein Ansporn für sie!« Und wenn sie zu realisieren beginnen, niemals auf so ein Treppchen steigen zu können?

Was ich sagen will ist, der Sport wie wir ihn betrachten und fördern, erzeugt nur wenige „Gewinner“, und viel mehr Menschen die sich frustriert von ihm abwenden – also ihn nicht mehr betreiben.

Ihr merkt schon, ich greife den Faden den ich gestern zu spinnen begonnen habe auf. Wer ein E-Bike kauft, ist ein Weichei. Und wer will schon ein Weichei sein? Das ist das, was ich immer wieder aus den Gesprächen um das Thema E-Bike entnommen habe. Und es ist symptomatisch für das, was wir mit dem Begriff Sport verbinden. Nur die Harten kommen in den Garten!

Ich gehe sogar noch ein Stück weiter: Der Begriff Sport ist für viele schon abschreckend geworden. Denn ich glaube, dass sich tief in den Gehirnwindungen vieler Menschen bereits eine „Erkenntnis“ festgesetzt hat: Entweder man treibt Sport, oder man treibt keinen. Aber wenn man Sport betreibt, dann hat man ständig im roten Bereich zu drehen. Doch viele haben darauf keinen Bock. Und sie wissen, sie werden nie auf dem Treppchen stehen.

Sport grundsätzlich in Form von Wettkampf zu denken führt dazu, dass ich mich nur in Konkurrenz zu anderen betrachte. Das ist soweit normal, als dass wir uns ja auch im Alltag ständig mit anderen vergleichen. Aber meines Erachtens führt es auch dazu, dass wir eher ständig etwas hinterherrennen, als in uns hineinzuschauen – uns und unser Tun zu hinterfragen.

Ich könnte auch sagen (was ich jetzt aber schreibe): Wir machen Sport eher für andere, als für uns selbst. Es geht eher um die Anerkennung als um das eigene Wohlbefinden.

Ja, das was ich jetzt zum Thema Sport geschrieben habe, lässt sich durchaus auch auf unsere Gesellschaft – die Art und Weise wie wir unser Zusammenleben gestalten, wie wir miteinander umgehen – übertragen. »Aber das ist doch normal! Fressen oder gefressen werden.« Wirklich? Haben wir dafür unseren Verstand?

Entspann dich Alter! Ja. Genau. Darum übe ich Yoga. Yoga kennt keine Konkurrenz – ob mit oder ohne Buddha-Figur.