Ein bisschen mehr Empathie für Fahrradfahrer wäre schon schön

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Die Sonne strahlt zwischen den
BaumstämmenPassend zum aktuellen Wetter (und zum Artikel): ein DepriFoto.

Heute möchte ich die Aufmerksamkeit meiner geschätzten Leserinnen und Leser auf eine immer mehr unterdrückte Spezies lenken: die Fahrradfahrer. Gut, schön, ja, die habe ich hier schon häufiger thematisiert (siehe Links unten).

Es gibt genau zwei Gründe, warum ich immer mal wieder darüber blogge. Der eine ist, ich bin selbst leidenschaftlicher Fahrradfahrer und bekomme die „Vorzüge“ täglich zu spüren, der andere Grund ist Andreas nebenan; oder vielmehr seine Blogbeiträge zum Thema Fahrradfahrer. Auch wenn ich auf einem Fahrrad radelnd bereits aus dem Geburtskanal herausgekommen bin, so wie sich Andreas des Themas annimmt, habe ich das bis vor einigen Jahren nicht gemacht.

Auslöser für mich diesen Artikel zu schreiben ist dieser Blogbeitrag von Andreas: „Wieder schön undeutlich … aber Hauptsache den Helm erwähnt“. Andreas schreibt regelmäßig über Berichterstattungen von Unfällen, an denen Fahrradfahrer beteiligt waren. Insofern ist das jetzt kein besonderer Artikel.

Was die vielen ähnlichen Texte von Andreas gemeinsam haben ist, dass sie auf die nicht neutrale Berichterstattung von solchen Unfällen aufmerksam machen. Und das ist das, was von Andreas kritisiert wird.

Beim Lesen seiner diesbezüglichen Artikel könnte ich den Eindruck gewinnen, die Polizei oder die Presse hege wenig Sympathie für Fahrradfahrer. Ich glaube aber, die Kritik von Andreas geht weiter: Die fehlendende Sensibilität zum Thema Fahrradfahrer im Straßenverkehr ist sehr weit verbreitet. Ich kann mich davon nicht ausschließen. Denn eigentlich haben mich erst die Blogbeiträge von Andreas hier achtsamer werden lassen.

Ihr kennt den Spruch: Wenn der Verkehr fließen soll, gehören Fahrräder in den Keller. So oder ähnlich habe ich auch immer gedacht, wenn ich als Autofahrer vorne rechts mal wieder einen Fahrradfahrer rumeiern gesehen habe. Manchmal ertappe ich mich sogar heute noch dabei: »Oh Mann, kann der nicht weiter rechts fahren, dann kann ich an dem vorbei!« – Umgekehrt als Fahrradfahrer erlebe ich täglich mehrmals, wie ich geschnitten, oder an die Seite gedrängelt werde.

Die Krux ist: Autofahrer und Fahrradfahrer sind im Straßenverkehr grundsätzlich gleichberechtigt, aber: Autofahrer haben die kräftigeren Oberarme. Und wer stärker ist, hat immer recht. Ein weiter Grund dafür dass diese Gleichberechtigung immer mehr in Vergessenheit gerät ist: Fahrradfahrer sind in der Unterzahl. Es gibt weit mehr Autofahrer als Fahrradfahrer, die das Fahrrad als alltägliches Transportmittel benutzen.

Fazit: Im hektischen, von Autos dominierten Straßenverkehr sind Fahrradfahrer ein lästiges Übel.

Ich kann das als Autofahrer, der ich manchmal bin, nachvollziehen. Aber so zu denken ist in mehrfacher Hinsicht ziemlich scheiße dumm.

Was kosten uns die vielen Straßen und Brücken, und besonders deren Unterhaltung? Wie sehr verpesten die Autos die Luft, die wir zum Atmen benötigen? Warum werden die Autos immer größer, breiter und schwerer? Ich denke an dabei an die massiv zunehmende Zahl der SUVs. In wie vielen dieser nicht selten über 1,80 Meter hohen Monstertrucks sitzt nur ein Leut?

Und wie viel Platz nimmt ein Fahrrad auf der Straße ein? Und wie sehr leiden die Straßendecken unter den Fahrrädern? Und wie hoch ist die Abgasbelastung die von Fahrrädern ausgeht?

Sollten wir den Fahrradfahrern nicht eher dankbar sein? Dankbar, dass sie weit, weit weniger Kosten an der Infrastruktur verursachen; dankbar, dass sie viel weniger Platz (auch Parkfläche!) für ihre Fahrzeuge benötigen; dankbar, dass sie nicht die Umwelt mit Abgasen verpesten?

Wenn ich bei strömenden Regen mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre und an einer Kreuzung warten muss, denke ich oft: Ob sich wohl ein Autofahrer in den beheizten Autos Gedanken macht, wie sich das anfühlt, von der „Gischt“ seines Fahrzeuges „geduscht“ zu werden?

Ein bisschen mehr Empathie für Fahrradfahrer wäre schon schön.


Ich weiß, ich habe das Thema hier schon häufiger beackert. Aber ich werde nicht Müde, immer mal wieder daran zu erinnern. Und wenn nur eine begeisterte Autofahrerin und ein begeisterter Autofahrer künftig mehr Rücksicht auf Fahrradfahrer nimmt, hat sich das gelohnt.