Die Geschichte mit dem Vertrauen

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KinderspielgeräteUnd, vertraust Du mir?

Vor etwa zwei Monaten las ich in dem Buch von Gunter Dueck den Artikel „DD37: Vertrauenserwerb“. Seitdem geht mir die Geschichte mit dem Vertrauen im Kopf herum.

[…] „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Die beiden, Kontrolle und Vertrautheit – sie beißen sich. Sie können nicht beides haben. […]

— Gunter Dueck: „DD47: Vertrauenserwerb (September 2007)“ [PDF]

Wo ist das Vertrauen hin – seit dem 11.9.2001? Wo ist das Vertrauen hin – nach der globalen Überwachungs- und Spionageaffäre? Die Staatenlenker vertrauen nicht mal mehr ihren eigenen Bürgerinnen und Bürgern. Sie überwachen, sie kontrollieren uns, ihre Mitmenschen wo sie nur können – vordergründig zu unserer Sicherheit, wegen des Supergrundrechtes auf Sicherheit. Aber es geht ihnen wohl hauptsächlich um Macht, um die Deutungshoheit, die ihnen selbst einzelne Bürgerinnen und Bürger streitig machen können – mit diesem Internet. Doch:

[…] Wer Kontrollen unentwegt verstärkt, schafft Polizeistaatklima und äußerste Distanz. […]

— Gunter Dueck: „DD47: Vertrauenserwerb (September 2007)“ [PDF]

…und trägt dazu bei, dass der Chilling-Effect-Virus um sich greift. Das perfide an diesen Chilling Effects ist, dass wir uns freiwillig einiger Grundrechte berauben – zum Beispiel das des Grundrechtes auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.

In dem Artikel thematisiert Gunter Dueck den jüngsten Überwachungsskandal nicht. Logisch, der Text ist von 2007. Der Beitrag „Vertrauenserwerb“ richtet sich vielmehr an Eltern, an Partner und an Vorgesetzte – die ihren Kindern, Partnern und Mitarbeitern wieder und mehr Vertrauen schenken sollten. Aber er richtet sich auch an Manager:

[…] Nun bemerken wir, dass wir vertrauensvolle Teamarbeit brauchen. Nun bemerken wir, dass uns unsere Kunden ihre Wünsche anvertrauen müssen, damit wir besten Service leisten. […]

— Gunter Dueck: „DD47: Vertrauenserwerb (September 2007)“ [PDF]

Er hätte statt „Kunden“ auch „Bürgerinnen und Bürger“ oder „Wähler“ schreiben können. Ich vermute, er hat dabei auch an sie gedacht.

Vertrauen ist in allen zwischenmenschlichen Beziehungen notwendig – damit wir uns wohl fühlen, damit wir uns entfalten können, damit wir vorwärts kommen und nicht im Strudel des Misstrauens verglühen.

Aber kann eine Organisation die den gläsernen Mitarbeiter, Kunden, Bürger, Wähler will, Vertrauen erwarten? Es soll Verantwortliche geben, die das tatsächlich tun. Verdrehte Welt. Denn nur eine Organisation die in erster Linie in den Führungsetagen „gläsern“ ist, also Authentizität und Transparenz groß schreibt, kann Vertrauen erwecken.

„Es ist im Prinzip ganz leicht, die Distanzen abzubauen!“ schreibt Gunter Dueck in seinem Artikel „Vertrauenserwerb“ und schlägt vor:

Wer Vertrautheit will, muss die Kontrolle und damit dann die Distanz senken. Wer Vertrautheit will, muss sich das Wertende, Urteilende, Lösende abgewöhnen und akzeptieren. Und die, die zu weich sind, müssen auch das Harte irgendwie lieben können. Und alle sollten alle Grenzen kennen und wissen, welche aufweichbar sind und wie viel Geduld das braucht. Und schließlich sollten wir wissen, dass Vertrauen doch besser ist als Kontrolle – egal was durch Kontrolle Heruntergedimmte dazu sagen.

— Gunter Dueck: „DD47: Vertrauenserwerb (September 2007)“ [PDF]

Ein Weg Vertrauen aufzubauen ist, zu informieren. Das klingt banal. Weil: Das ist einfach. Das weiß doch jeder. – Doch obwohl der Weg so einfach ist, brauchen wir ein Informationsfreiheitsgesetz, brauchen wir Portale wie FragDenStaat.de. Kurios, nicht wahr?