Das ist ja richtig Arbeit!

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Zwei Orte umgeben mit
Bergen.Klappe die drölfte: Blick vom Schellenturm auf den gemeinsamen Talkessel von Bad Pyrmont und Lügde

»Und dann brauche ich noch einen neuen Flyer. Und eine Internetseite!« Sie habe sich auch schon umgehört, berichtete sie mir. Eine Frau XYZ würde ihr die Website für 1.800 Euro erstellen. »Ach ja, und ich brauche noch ein Logo!«, ergänzte sie.

Mit den Flyern und der Website möchte sie für ihren offiziell angemeldeten Job als Beraterin werben. Sie macht den Job schon länger. Beabsichtigt aber jetzt, so richtig durchzustarten.

»Hast du denn schon Texte, Bilder, Grafiken?«, fragte ich sie. »Ja, ich habe mir da einiges aus dem Internet und aus Büchern zusammengestellt.« Sie sagte das, ohne eine Spur von Zweifel oder Sorge. Also informierte ich sie über einige Aspekte, die es dabei zu bedenken gilt: Urheberrechte, das Recht am eigenen Bild … bis hin zum Thema ansprechende Texte.

Dabei erzählte ich ihr auch, dass eine Website – wenn sie denn erfolgreich werben soll – „leben“ muss. Sie sollte nicht statisch, wie eine Visitenkarte sein. Sie muss das Interesse der Leserinnen und Leser wecken. Sie muss sie begeistern: „Ja, die Kurse will ich unbedingt besuchen! Das ist das, was ich jetzt brauche!“

»Richtig gut ist deine Website dann, wenn sie dir nicht nur neue Kunden bringt, sondern wenn sie auch die hält, die schon Kurse bei dir besucht haben«, versuchte ich den Begriff „leben“ im Kontext mit einer Website zu definieren.

Ihre anfängliche Euphorie bekam eine Delle: »Das ist ja richtig Arbeit!« »Ja, das ist es. Den meisten Menschen, die das noch nicht gemacht haben, ist das nicht klar. Aber ich will dich nicht demotivieren, ich möchte dich nur sensibilisieren.«

Und dann sagte ich etwas, was ich bis vor wenigen Wochen niemals gesagt hätte: »Wie sieht es mit Facebook aus? Damit erreichst du einfacher, schneller und vermutlich auch mehr Leute, sprich Kunden.« »Facebook will ich nicht!«, war sie sich absolut sicher.

»Wenn ich dir einen Rat geben darf, dann würde ich das mit der Website zunächst zurückstellen. Oder belass es tatsächlich erst Mal bei einer Visitenkarte im Netz.« Ich traute meinen Ohren nicht, was die mich da reden hörten. Bis vor einiger Zeit hätte ich jedem eine Website angeraten, der Öffentlichkeit erreichen möchte.

Auf ihre Frage, warum sie die Sache mit der Website zurückstellen sollte, verklärte ich ihr, dass es möglicherweise erfolgversprechender ist, wenn sie sich anfänglich intensiver auf ihr eigentliches Thema konzentriert. »Werbe mit guter Arbeit in der Praxis. Biete gute Kurse. Setze auf die Mundpropaganda.«

»Und 1.800 Euro für eine virtuelle Visitenkarte, ist schon eine Hausnummer für deinen Nebenjob«, ließ ich sie noch wissen. Ein guter Freund von mir wird grinsen wenn er das liest. Ich höre es aus seinem Kopf bis hierher: „Du weißt doch: Wenn es nichts kostet, ist es nichts wert – auch beim Thema Internet.“ Das erinnert mich immer an Ablässe. Sie kaufen sich eine Website und glauben, nun sei alles gut. Ich will damit nicht frotzeln. Ich suche immer noch nach einem Hebel, diesen Irrglauben zu knacken.

»Du hast mir jetzt viel von Internetseiten erzählt. Und, wie viele Kunden hast du schon gewonnen?«, wollte sie von mir wissen. Ich musste lachen. »Das ist eine gute Frage!« Und ich erzählte ihr, dass ich das nie als Nebenjob oder dergleichen gemacht habe – nur just for fun. Meistens bin ich angesprochen worden, und dann habe ich meinen Senf dazu gegeben. Von „nur beraten“ bis „vollständig zusammengeschraubt“ war alles dabei. Zu meinen „Kunden“ gehörten Vereine, Einrichtungen, Privatleute und so weiter. Nur wenige sind noch mit einer Website präsent. Viele sind zu Facebook gewechselt und betreiben, wenn überhaupt, die Website nebenbei (was den Angeboten anzusehen ist). »Fazit: Eine wirklich erfolgreiche Website ist in meiner „Referenzliste“ leider nicht zu finden.«

»Warum? Warum haben deine Bemühungen nicht gefruchtet?«, hakte sie nach. »Ohne Frage wird es auch an mir gelegen haben. Ich bin kein Verkäufer, kein Pädagoge und kein Motivationstrainer. Aber es ist auch so: Nur eine gute, „lebendige“ Website kann Erfolg haben. Und das kostet nun mal viel Arbeit. Da ist die Arbeit im Vorfeld, die Arbeit bei der Einrichtung, und dann die regelmäßige Arbeit, um das Angebot aktuell und interessant zu halten. Sicher: Mit einer Website kannst du unglaublich viele Menschen erreichen. Aber es gibt auch unglaublich viele Websites. Und davon muss sich deine Website eben abheben. Und diese Erfahrung haben auch meine „Kunden“ irgendwann gemacht.«