Bitte eine kurze Antwort!

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Ein Brunnen mit grünlich schimmernden
WasserDer Lindenblütentee-Brunnen in Lügde. Lindenblütentee beruhigt …

Ihr kennt das aus den Talkrunden im Fernsehen. Drei Minuten vor Sendeschluss fällt dem Moderator noch eine Frage ein, die er seinen Gästen stellen möchte. Traditionell werden diese, Ich-habe-gleich-Feierabend,-machen-sie-also-hin!-Fragen mit einem: »Bitte eine kurze Antwort!«, ausgeleitet. Im günstigsten Fall handelt es sich dabei um ein Frage, die sich mit einem „Ja“ oder „Nein“ beantworten lässt. Aber wir kennen das aus dem richtigen Leben, viele Fragen lassen sich nicht so einfach beantworten.

Fleißige Leserinnen und Leser von soheit.de wissen es schon seit Jahren: Ich kann nicht kurz. Das Leben ist oft zu komplex. Es lässt sich nicht auf vier rote Buchstaben reduzieren. Ich bin immer wieder erstaunt, mit welcher Leichtigkeit einige Menschen um mich herum sich eine Meinung zum Beispiel über das arme Griechenland gebildet haben: »Das haben die doch in den Nachrichten gesagt!« (Jan Böhmermann veranschaulicht).

Oder nehmen wir ein Thema, dass ich hier ständig beackere: Die Website der Stadt Lügde – luegde.de. Das eine Website zu planen, zu entwerfen, zu erstellen, zu pflegen viel Arbeit bedeutet, habe ich hier eigentlich schon oft genug erklärt.

Die meisten Leute haben eine „gesicherte“ Vorstellung davon, wie eine Website auszusehen hat. Ich nehme jetzt mal wieder das Beispiel luegde.de. Drei, vier, sechs Leute kritisieren sie ständig. Mitunter sogar sehr öffentlichkeitswirksam. Die Kritiker sind mir bis heute schuldig geblieben, was genau ihnen an der Website missfällt. Kurz: Sie können (oder wollen) ihre Kritik nicht präzisieren, mit Argumenten bereichern. Und das, obwohl ich sie schriftlich eingeladen habe, mit mir darüber zu diskutieren.

Immer wieder habe ich mich gefragt: Warum nehmen sie mein Gesprächsangebote nicht an? Eine mögliche Antwort darauf habe ich in der zurückliegenden Woche darauf bekommen: »Aber genau die nachfolgende lange Antwort schreckt vielleicht viele Leute ab, mit Dir Kontakt aufzunehmen.«, schrieb mir jemand in einer E-Mail (das „lange“ war übrigens gesperrt geschrieben).

Vorausgegangen war ein „Verbesserungsvorschlag“ für luegde.de, der mir von ihm via E-Mail unterbreitet worden ist. Nur nebenbei: Eine E-Mail ohne Anrede, eingeleitet mit einem Vorwurf. Der „Verbesserungsvorschlag“ war „untermauert“ mit dem Verweis auf eine andere Website, wo das angeblich viel besser gelöst wurde.

Ohne Frage, die eigentliche Kritik ist nicht unberechtigt. Sauber ist der angesprochene Punkt unter luegde.de tatsächlich nicht gelöst. Aber auch der dafür zuständige Sachverarbeiter war, nachdem ich die E-Mail an ihn weitergeleitet hatte, von dem Stil und dem Duktus der E-Mail derart verprellt, dass er vermutlich erst in ein paar Wochen geneigt sein wird, etwas an dem Punkt zu verbessern.

Wie gesagt, meine Antwort auf diesen Verbesserungsvorschlag war, obwohl nahezu stenografisch, umfassend. Allerdings muss ich zugegeben: Seriös verpackt habe ich meine Antwort nicht. Leute, ich bin auch nur ein Mensch! Echt jetzt! Und nicht begründete, oder in Dreck gepresste Kritik kann mich mitunter auch übellaunig machen.

Ein paar Tage später erhielt ich wieder ein Verbesserungsvorschlag für luegde.de. Auch diese E-Mail: ohne direkte Ansprache, obwohl direkt adressiert; drei Sätze; als Begründung wieder der Verweis auf eine andere Website. Sorry, aber solche E-Mails kommen bei mir so rüber wie: „Hier haste was! Das ist besser! Sieh zu!“

Na gut, diesmal höflich, dachte ich mir, sammelte mich und schrieb eine Antwort. Okay, auch diese Antwort habe ich nicht durchgängig in Watte gehüllt. Ich schrub zum Beispiel, dass wir nicht alles was uns mal eben zugerufen wird, unreflektiert implementieren. Eigentlich logisch, weil solche Dinge in die Struktur, in das Konzept passen müssen.

Die Antwort der Dame kam prompt. Eine Kollegin kommentierte sie mit: »Das ist aber eine verdammt zickige Antwort.« Ich kann das nicht relativieren, weil ich weiß, welche Positionen die Dame bekleidet. Mein, in meiner Antwort-E-Mail angebotenes Gesprächsangebot, hat sie nicht angenommen: »Vergessen Sie mein Schreiben.«

Mir ließ das keine Ruhe. Ich bat zwei weiteren KollegInnen, sich die beiden Schriftwechsel anzusehen. »Too much Information! Overflow. Tilt.«, so das Fazit des Kollegen. Wer will schon eine ausführliche und deutliche Antwort? Wer hat schon Bock Argumente abzuwägen?, fügte er sinngemäß hinzu. Ähnlich die Kollegin: »Du hättest sowas wie: ‚Danke für die tolle Idee! Selbstverständlich schauen wir uns das gerne an. Viele Grüße‘, schreiben müssen. Die meisten Menschen wollen nicht so viel lesen. Und schon gar nicht sowas wie: ‚So einfach ist das nicht!‘«

Vielleicht sollte ich ab jetzt nur noch mit der Mutter aller Antworten antworten. Die ist hübsch kurz und leicht verdaulich: 42.

Update 12.9.2015: Das brennt mir nun schon seit Wochen auf den Nägeln. Denn es gehört der Vollständigkeitshalber selbstverständlich hierher. Vor zirka vier Wochen schrieb mich die besagte Dame erneut an. In der E-Mail entschuldigte sie sich. Ich denke nicht, dass sie zuvor diesen Artikel gelesen hat. Was sie mir schilderte, klang authentisch. Stressige Zeit, sie hatte unter luegde.de zwei bestimmte Infos gesucht und nicht so schnell gefunden. Daher der gereizte Ton in ihren E-Mails. Mich hat das beeindruckt. Denn so etwas erlebe ich nicht oft.

Und was soll ich Euch sagen, zwischenzeitlich konnte ich der Gutesten, und hoffentlich vielen weiteren Besucherinnen und Besuchern der Website luegde.de eine Lösung zum besseren Auffinden der gesuchten Infos installieren.