Besteint

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Hecken, Büsche, Bäume und bewaldete
BergeBlick vom Friedhof in Lügde auf den Osterberg.

Derweil ich hier sitze und tippere, kreischt in der Nachbarschaft eine Steinsäge. Ein neuer Zaun wurde dort gesetzt. Dabei wurde das etwa ein Meter breite, zirka zehn Meter lange Beet entlang des Zaunes beseitigt – zugunsten eines gepflasterten Weges, der nun entsprechend breiter aufgestellt wird.

Im vergangenem Jahr stand ich vor der gleichen Frage. Nur ich habe sie mir nicht gestellt. Die Fachfirma, die die Hofeinfahrt neu gepflastert hat, stellte sie mir. »Das Beet bleibt. Selbstverständlich«, lautete meine Antwort. Später, als die Nachbarn das Werk begutachteten, bin ich noch mehrmals gefragt worden: »Mensch, warum hast Du das Beet nicht auch pflastern lassen? Hättest eine breitere Einfahrt, weniger Garten zu pflegen gehabt, und wärst auch besser an die Hecke gekommen wenn du sie schneiden musst.«

Das Beet zwischen Hecke und Weg ist geblieben.

Ich beobachte so etwas immer häufiger: Vorgärten müssen für zusätzliche Park- oder Stellflächen weichen und werden mit Pflastersteinen versiegelt. Grabflächen werden nicht mehr bepflanzt, sondern besteint. Oder die etwas weniger drastische Variante: Gärten mit Bäumchen, Sträuchern, Stauden und so weiter werden dem Erdboden gleich gemacht und mit Rasen eingesät.

Warum? Weil es bequemer ist; das ist das Argument, was mir dazu jedes mal genannt wurde.

Apropos Grabflächen besteinen: Unlängst unterhielt ich mich mit einem Gärtnermeister, der ein großes, gut gehendes Gartenfachgeschäft führt. Er erzählte mir, dass in Holland der Umsatz bei den Pflanzenzüchtern um 5 Prozent zurückgegangen sei. Als Grund nannte er mir, dass die Leute weniger Pflanzen kaufen würden. »Viele Leute kennen nicht mal mehr die Namen der gängigen Pflanzen«, berichtete er weiter, »Die meisten jungen Leute stellen sich auch kaum noch Pflanzen auf die Fensterbänke. Sie kaufen pflegeleichte Pflanzen wie Sukkulenten und ergänzen die mit ein paar Accessoires. Die gehen lieber in Fitnessstudios, als sich mit Pflanzen zu beschäftigen.«

Diese Entwicklung, dieses Denken vieler meiner Mitmenschen macht mir ein bisschen Sorge. Ich behaupte mal, dass sich die meisten Menschen keinen Klimawandel wünschen – dass sie sich wünschen, dass die Luft nicht verpestet wird, und dass die Tiere in der Natur ein Refugium haben. Doch mit jeder Fläche Natur die wir versiegeln, geht ein Stück Lebensraum, Luftfilter und Windfang verloren. Und nicht nur das: Pflanzen sind natürliche Schallschützer. Gepflasterte Flächen aber sind das genaue Gegenteil davon. Und gerade in Lügde sollten wir für jeden Schallschutz dankbar sein.

Die Umwelt ist ein kollektives Gut, ein Erbe der gesamten Menschheit und eine Verantwortung für alle.

— scilogs.de: Der Himmel gehört uns allen – die neue Enzyklika des Papstes


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