An dem Werkzeug kannst du sehen, wie die Zeit vergeht

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Ein Hand-Diktiergerät

Siri, was ist das?

„An den Kindern kannst du sehen, wie die Zeit vergeht.“ Den Spruch kennt Ihr. Und schon wieder komme ich mit einem Text um die Kurve, der in das gleiche Horn bläst. Allerdings sind es nicht Kinder, die ich dafür beobachtet habe, sondern die Entwicklung der Technik. Und zwar die Technik, die mich bei meinem Job als Verwaltungs-Sachverarbeiter im Rathaus der Weltmetropole Lügde eine Zeit lang begleitet, unterstützt – hat.

Heute im Angebot – Ihr habt es längst erkannt – Diktiergeräte. Ob irgendjemand zufällig noch ein gängiges Diktiergerät in seinem Schreibtisch liegen hat, und ob er es sich mal für zwei, drei Tage ausleihen könne, wollte ein Kollege kürzlich von uns wissen. Ich hatte noch eines im Schrank liegen. Nach einem Batteriewechsel tat es sogar wieder seinen Dienst.

In dem Gerät befand sich noch eine Kassette. Die speziellen Kassetten sind die Speichermedien für diese Generation von Diktiergeräten. Latürnich war ich so neugierig und habe mal kurz in das „jüngste“ darauf erfasste Diktat hineingehört. Ich musste grinsen. Denn ich hörte die Stimme eines Kollegen, der schon seit dreizehn Jahren in seinem wohlverdienten Ruhegang weilt. Da hattest du also schon so lange Müßiggang, dachte ich zum Diktaphon.

Mit dem Beginn der PC-Ära an den „Einzel-Arbeitsplätzen“ hat bei uns das große Diktiersterben eingesetzt. Seit dem lautet das Motto: Wir lassen nicht mehr – wir schreiben selbst! Doch ich glaube, das wird sich schon bald wieder ändern …

Das abgelichtete Diktiergerät oben, ist übrigens ein absolutes Hightech-Modell. Standard waren Tischmodelle.

Doch der Glanz waren die Diktiergeräte der Vorgängergeneration – die Plattendiktiergeräte. Ich habe keine Ahnung, ob die wirklich so heißen. Diese Diktiergeräte erinnerten an Schallplattenspieler – nur das sie wesentlich wuchtiger, schwerer und in einem quietschigen Bürograu gehalten waren. Tatsächlich war das Speichermedium eine Scheibe, die einer Schallplatte sehr ähnlich war. Nur das sie etwas größer und etwas dicker als eine Langspielplatte (LP) waren. Und wie das Diktiergerät bestachen auch die LPs mit einem erfrischenden Graubraun.

In jedem Schreibtisch befand sich also irgendwo eine Schublade, die von einem solchen gewaltigen „Schallplattenspieler“ ausgefüllt war. Die Plattendiktiergeräte der Kolleginnen im zentralem Schreibbüro hatten keinen Mikrophon-Knochen, dafür aber Fußschalter für den Vorwärts- und Rückwärtsgang, und einen Kopfhörer.

Lang, lang ist es her. Tja, es ist so: An dem Werkzeug kannst du sehen, wie die Zeit vergeht. Das zentrale Schreibüro gibt es seit den 90er Jahren nicht mehr. Die Kolleginnen haben sich längst als Sachverarbeiterinnen bewährt.

Auch der typische Anblick von Kolleginnen und Kollegen die mit einer prall mit Vorgängen gefüllten Unterschriftenmappe – aus der eine übergroße, graue LP ragt – durch die Flure zum Schreibbüro eilen, ist Geschichte.


PS: Vermutlich werden sich viele Leserinnen und Leser fragen, warum ich über solche historischen Klamotten schreibe. Was bringt das? Gegenfrage: Was bringt ein Fotoalbum? Antwort: So war das damals. Auch die jüngeren und sehr jungen Leserinnen und Leser werden sich in einigen Jahren zurückerinnern und darüber schmunzeln, mit welcher „Spitzentechnologie“ sie anno 2015 hantiert haben. Und sie werden wie ich jetzt denken: Unglaublich, wie sich das verändert hat.


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