Wir müssen reden!

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Eine gelbe
Rose

Miteinander zu reden ist wichtig – besonders wenn Ärger in der Luft brennt. Das kann man natürlich leichthin sagen, wenn man nicht im Zentrum des „Gewitters“ steht. Aber wenn ich derjenige bin der reden muss, obwohl ich völlig entnervt, sauer und unzufrieden bin, kann das viel Energie kosten.

Und wenn man sich überwunden hat zu reden, steht da schon gleich die nächste Hürde: Wie sage ich es? Man erinnert sich vielleicht an so solche Sachen wie die Transaktionsanalyse oder das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation, und schiebt das was man sagen möchte vorher durch entsprechende Filter.

Doch wer denkt schon immer an solche Filter? Reinhard Mey bringt das in seinem Lied „Es bleibt eine Narbe zurück“ wunderschön auf den Punkt:

[…] Es ist wohl ein unsel‘ges Gesetz, das uns lenkt,

Das da will, daß man grad‘, wen man am meisten liebt,

So unbedacht demütigt und grundlos kränkt,

Dafür um so wen‘ger nachsieht und vergibt. […]

— Reinhard Mey, Strophe aus dem Lied „Es bleibt eine Narbe zurück

Wir halten fest: Miteinander wertschätzend zu kommunizieren, ist mitunter verdammich schwer.

Stell Dir mal vor, Du bist im Stress und nicht gut drauf, da textet Dich im Wartesaal der Krankenhaus-Ambulanz jemand von der Seite an. Er ist eloquent, nett – aber Du hast keine Lust Dich mit ihm zu unterhalten, weil Du mit Deinen Problemen beschäftigt bist. Und dann rückt der noch damit raus: Ich bin Gott und wir müssen reden! Gibt´s nicht, sagst Du? Gibt es doch. „Und Gott sprach: Wir müssen reden!“ ist ein Roman von Hans Rath.

Wir kennen die Theorie: Was würdest Du sagen und tun, wenn jemand behauptet er sei Jesus? Der Roman von Hans Rath basiert auf einem ähnlichen Gedankenansatz. Jakob Jakobi ist Psychotherapeut, frisch geschieden, beruflich und finanziell am Ende, als er „zufällig“ Abel Baumann, einen Zirkusclown trifft. Als Abel Baumann ihm erklärt, er sei Gott und brauche seine Hilfe, beginnt der Psychotherapeut in Jakob Jakobi zu arbeiten. Ist das eine Persönlichkeitsstörung? Abel Baumann ist ihm zugleich sympathisch und derart suspekt, dass er einwilligt ihn zu behandeln – mit ihm zu reden. Doch im Laufe der Geschichte fragt sich Jakob Jakobi: Wer therapiert hier eigentlich wen?

Die Frage: „Wer hilft hier eigentlich wem?“, habe ich mir schon häufiger gestellt. Ich will helfen und entdecke beim Miteinander, wie auch ich dabei bereichert werde. Doch einiger Grundvoraussetzungen bedarf es schon, dass das mit der Bereicherung beim Helfen klappt – Respekt, Aufgeschlossenheit, und Toleranz.

Zugegeben, Jesus oder Gott bin ich noch nicht begegnet. Aber den Teufel in Menschengestalt, den glaube ich öfters zu treffen. Dann heißt es Contenance zu wahren. Wie das in solchen Situationen funktioniert, das Rezept verraten uns die Rolling Stones in ihrem Lied „Sympathy for the Devil“:

[…] so hab Respekt, wenn Du mich triffst

mach’s mit Sympathie und Verstand

und zeige mir, wie höflich du bist

oder ich hab deine Seele in der Hand […]

— Udo Lindenberg in seiner Coverversion „Sympathie für den Teufel

Wer gibt schon gern dem Teufel seine Seele in die Hand? Doch zurück zum Buch „Und Gott sprach: Wir müssen reden!“– Der Roman ist witzig uns sehr unterhaltsam. Lesen!