Wie ich zum Yoga gekommen bin

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Die meisten Menschen die mich auf meine Yoga-Praxis ansprechen, haben eine Vorstellung davon was Yoga ist. Viele malen sich allerdings aus, dass man sich beim Yoga hauptsächlich entspannt und es sich mit geschlossenen Augen im Schneidersitz bequem macht.

Falsch ist diese Vorstellung nicht. Aber es ist eine äußerst reduzierte Umschreibung dessen, was wir – meine „Kommilitonen“ und ich – von unserer Yoga-Lehrerin vermittelt bekommen. Yoga hat etwas mit Beweglichkeit, Kraft, Koordination und Präzision zu tun. Ich vermute, jeder denkt bei Yoga an Beweglichkeit. Aber wenige verbinden Yoga mit einer Form von Krafttraining.

„Für mich ist das nichts. Ich kann mich nicht so bewegen. Außerdem habe ich… Rücken, Schulter, Hüfte, Knie“, ist eine typische Reakion, die ich zu hören bekomme, wenn Yoga zum Gesprächsthema wird. Aber auch wenn Erkrankungen wie zum Beispiel Rückenschmerzen vorliegen, kann man Yoga üben. Yoga kann sogar Abhilfe schaffen. Das ist ein Grund, weshalb ich hier meine Yoga-Praxis zum Thema mache.

Oft denke ich: Wenn die Menschen besser über Yoga informiert wären, würden sie vielleicht auch Yoga praktizieren. Und das ist der nächste Grund, warum ich diesen Text schreibe. Ich versuche zu klären: Warum ich Yoga übe. Übrigens: Ich übe Yoga nach B. K. S. Iyengar.

Auch wenn das Netz voll mit Informationen über Yoga ist, möchte ich – wie es so schön heißt: der Vollständigkeitshalber und in aller Kürze – ein paar „Definitionen“ voranstellen. Und weil der Artikel zu lang geworden ist, bringe ich ihn einfach portioniert.

Was ist Yoga?

Yoga […] ist eine indische philosophische Lehre, die eine Reihe geistiger und körperlicher Übungen wie Yama, Niyama, Asanas, Pranayama, Pratyahara, Kriyas, Meditation und Askese umfasst. […]

Yoga ist eine der sechs klassischen Schulen (Darshanas) der indischen Philosophie. Es gibt viele verschiedene Formen des Yoga, oft mit einer eigenen Philosophie und Praxis. In Westeuropa und Nordamerika werden unter dem Begriff Yoga oft nur körperliche Übungen verstanden - die Asanas oder Yogasanas. […]

— Quelle: de.wikipedia.org: Yoga

Yoga ist also weit mehr, als die Yoga-Haltungen, die Asanas, die gemeinhin mit dem Begriff Yoga in Verbindung gebracht werden. Yoga als Ganzes ist eine philosophische Lehre. Aber:

Der westliche Sprachgebrauch fasst eher körperbetonte Yoga-Praktiken unter dem Oberbegriff Hatha Yoga zusammen.

— Quelle: de.wikipedia.org: Yoga, Yoga-Schulen und -Richtungen

Was ist Hatha Yoga?

Hatha Yoga ([…] von hatha „Kraft, Hartnäckigkeit, Unterdrückung“) ist eine Form des Yoga, bei der das Gleichgewicht zwischen Körper und Geist vor allem durch körperliche Übungen (Asanas), durch Atemübungen (Pranayama) und Meditation angestrebt wird.

— Quelle: de.wikipedia.org, Hatha Yoga

Und was ist Iyengar Yoga?

Wie oben bereits kurz erwähnt, übe ich mich in Iyengar Yoga. Iyengar Yoga ist eine Yogarichtung des Hatha Yoga. Wenn ich also hier von meiner Yoga-Praxis rede, thematisiere ich Iyengar Yoga. Entwickelt wurde diese Yogarichtung, wie der Name schon vermuten lässt, von B. K. S. Iyengar.

Iyengar erforschte:

jede einzelne Yogahaltung (Asana) in Bezug auf die korrekte Ausrichtung und Wirkung. Die Erfahrungen, die er mit seinem eigenen Körper machte, brachten Iyengar dazu, Hilfsmittel zu benutzen oder auch neu zu entwickeln, so genannte “Props”, wie rutschfeste Matten, Gurte, Klötze, Polster, Rückenbänke. Die “Props” sollen den Yoga-Übenden ermöglichen, auch schwierigere Asanas einzunehmen bzw. einfach erscheinende Asanas genauer wahrzunehmen.

— Quelle: de.wikipedia.org, Iyengar Yoga

Diese Definition lässt es schon erkennen: Iyengar Yoga ist besonders geeignet, Yoga auch dann zu üben, wenn körperliche Einschränkungen zum Beispiel aufgrund von Erkrankungen vorliegen. Denn auch dafür sind die Hilfsmittel, von denen es sehr viele gibt, gedacht: sie unterstützen und sie erleichtern das Üben von Asanas.

Weil das Wort hier schon ein paar mal zu lesen war, hier noch kurz eine Definition zum Begriff „Asana“:

Als Asanas […] werden überwiegend ruhende Körperstellungen im Yoga (besonders im Hatha Yoga) bezeichnet. […] Wichtig bei der Ausübung ist das bewusste Hineingehen, der richtige Atem, bewusstes Halten und das bewusste Auflösen des Asana. Yoga-Asanas sollen bei ihrer Ausführung immer zwei Qualitäten enthalten: Stabilität und Wohlbefinden […]

— Quelle: de.wikipedia.org, Asana

Mit der Erklärung „überwiegend ruhende Körperstellungen“ bin ich nicht ganz einverstanden. Dazu aber später mehr.

Wie ich zum Yoga gekommen bin

Ich verhehle nicht dass es Zeiten gab, in denen ich mich über Yoga lustig gemacht habe. Und es war ein Zufall, der mich zum Yoga brachte. Sport war schon immer ein Teil von mir: Sonderturnen, Joggen, Rennrad- und Mountainbike-Fahren, Squash, Gymnastik und so weiter. Wobei ich dazu sagen muss: Ich bin kein Sporttalent. Über eine runde Drei habe ich es nie geschafft.

Durch eine Erkrankung musste ich mehrere Wochen mit dem Sport pausieren. Kurz bevor ich vorsichtig wieder mit dem Sport beginnen wollte, überredete mich meine Kollegin, mit ihr einen Yoga-Schnupperkurs zu besuchen. Ich dachte: „Yoga ist so etwas wie Gymnastik, vielleicht mit etwas mehr Entspannungsübungen, schaden kann es also nicht.“ Das war vor sieben Jahre. Bis heute übe ich fast jeden Tag Yoga.

Und warum Iyengar Yoga?

Ich erwähne das, weil Yoga es möglich macht, auch bei einer Erkrankung Yoga zu üben. Ich schreib es einfach mal so naiv dahin: Zu fast jeder Erkrankung gibt es Asanas, die den Genesungsprozess unterstützen. Der Vorteil von Iyengar Yoga ist: Es gibt unzählige Vorbereitungs-Übungen, alternative Übungen, auf das jeweilige Krankheitsbild eingehende, modifizierte Übungen. Oft nähert man sich einem Asana über Wochen oder auch Monate in vielen kleinen und unterschiedlichen Übungen, bevor man in die vollständig Haltung geht.

Je nach Krankheitsbild werden Übungen auch ausgelassen. Es geht nicht darum, alle Asanas zu können. Es geht um Yoga. Yoga heißt auch: zu akzeptieren – akzeptieren was geht, was möglich ist. Aber aus Erfahrung kann ich sagen, meistens ist viel mehr möglich, als man zu Beginn der Praxis glaubt.

Und dann sind da ja auch noch die Hilfsmittel. Noch heute verfalle ich gern mal in das Muster: „Ach Quatsch! Ich brauche keine Hilfsmittel wie Klötze, Gurte oder so was. Ich kann das so.“ Aber das ist nicht Yoga. Auch in der Yoga-Praxis zeigt sich die jeweilige Tagesform sehr deutlich. Läuft es beim Üben nicht so gut, heißt es Gleichmut zu bewahren und gegebenenfalls Hilfsmittel zu nutzen.

Beispiel: Komme ich beim Dreieck, dem Trikonasana, nicht mit der Hand auf den Boden weil es mein Bewegungsapparat (noch oder heute) nicht zulässt, wird einfach ein Klotz genutzt, um die Lücke zu schließen. Ohne dem Hilfsmittel könnte ich die Übung nicht machen. Denn dann würde mir ein wichtiger Kontaktpunkt fehlen, um mich ausrichten zu können, um das Asana korrekt auszuführen.

Ich hoffe das deutlich geworden ist: Yoga ist kein Wettbewerb – es geht dabei nicht um größer, schneller, weiter, mehr. Und: Es ist egal ob du dick oder dünn bist. Yoga kannst Du lernen, auch wenn Du Rücken, Schulter, Hüfte, Knie hast… Wie man Yoga dann angeht, warum ich Yoga übe und was Yoga mit Kraft, Koordination und Präzision zu tun hat, das werde ich im zweiten Kapitel versuchen zu verklären.


Ergänzt am 1.2.2014: Inzwischen sind zwei weitere Folgen dieser Reihe abgedreht worden: