Was tun die Ortsteile für Lügde?

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Das neue Elbrinxer Mühlrad hängt an den Seilen eines großen
Kranwagens

Bevor wir uns auf die Antwort der Frage stürzen, will ich noch kurz verklären, welche Ortsteile zu Lügde gehören.

Zur Südstadt zählen wir die urlippischen Ortsteile Elbrinxen, Falkenhagen, Hummersen, Köterberg, Niese, Rischenau, Sabbenhausen, Wörderfeld – aber auch den Beutelipper-Ortsteil Harzberg. Wenn von der Kernstadt die Rede ist, ist in der Regel nur der Ortsteil Lügde gemeint.

— …schrub ich im Artikel Wer oder was sind Beute-Lipper?

Ihr merkt schon, ganz ausgefeilt ist die Definition nicht. Wenn wir von unseren Ortsteilen sprechen, meinen wir meistens nicht die Kernstadt Lügde. Werden wir aber gefragt, wie viele Ortsteile Lügde hat, lautet die Antwort: Wir haben zehn Ortsteile. Das heißt, dass wir die Kernstadt als Ortsteil mitzählen.

Jetzt aber zur Frage: Was tun die Ortsteile für Lügde?

Antwort: Eine Menge! Okay, ich sollte das vielleicht etwas erörtern. Zunächst: Die Frage bezieht sich auf die Südstadt-Ortsteile, nicht auf die Kernstadt als Ortsteil. Vielleicht fragt Ihr Euch auch: Wie kommt der auf die Fragestellung? War da was? Antwort: Jupp.

Am Montagmorgen war ich in Elbrinxen – also einem Ortsteil von Lügde. Mein Auftrag: Fotos von der Ankunft des neuen Mühlrades schießen. Daher das Foto da oben. Aber wenn ich das schon mache, darf es gern auch ein Text dazu sein. Den findet Ihr drüben unter luegde.de: Kommt ein Mühlrad geflogen…

Wie ich also da so stand, mit dem schwarzen Klotz namens Kamera in der Hand, gingen mir unzählige Dinge durch den Kopf. Zum Beispiel habe ich mich köstlich darüber amüsiert, wie viele Leute die Szenerie mit ihrer Kamera festgehalten haben. Wir haben uns gegenseitig umgerannt. Ein bisschen kommt das in dem Text ja auch schon zum Ausdruck. Doch ich denke, das Thema werde ich noch mal aufgreifen, besonders im Hinblick auf das Auftreten der Profiredakteure bei solchen Terminen.

Während ich also da so am Knipsen war, kam mir auch die Frage: Was tun die Ortsteile für Lügde? in den Kopf. Ich selbst bin Kernstädter. Und wie Ihr vielleicht wisst, in der Kernstadt von Lügde hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan: Die Bahnunterführung, die Umgehungsstraße, der Emmerauenpark, und jüngst die frisch herausgeputzte Mittlere Straße nebst dem neugestalteten Markt-und Kirchplatz. Es ist also sehr viel Geld in die Hand genommen worden, um den Ortsteil Lügde aufzumöbeln.

Und was hat sich in den anderen Ortsteilen, in der Südstadt von Lügde getan? Die Leute dort haben weiter gemacht – nahezu lautlos, so wie immer, zumindest solange wie ich das beobachten kann.

Wir möchten gern unsere Friedhofskapelle streichen, könnt ihr uns das Geld für die Farbe geben? Solche Anträge aus den Ortsteilen habe ich oft gesehen. Ich kann mir vorstellen, so eine selbstverständliche Verbundenheit zu den öffentlichen Gebäuden und Plätzen gibt es in vielen Orten. Aber ich bin mir auch fast sicher, dass es das nur in den kleinen Orten gibt – wie bei uns in der Südstadt.

Andernorts bepflanzen und pflegen die Bauhöfe oder eigens von den Rathäusern dafür beauftragte Firmen die Beete an den Straßenrändern und anderen öffentlichen Flächen. In unseren Ortsteilen ist das von jeher nahezu normal, dass das die Leute dort, oft unter der Federführung der Heimat- und Verkehrsvereine tun.

In dem kleinen Ortsteil Sabbenhausen zum Beispiel, baute die Ortsgemeinschaft „mal eben“ eine schmucke Sporthalle und jetzt gerade einen neuen Dorfplatz. Sabbenhausen hat noch nicht mal 900 Einwohner. Oder nehmen wir in Elbrinxen die Marktscheune – auch dieses „Projekt“ haben die Elbrinxer kurzerhand selbst in die Hand genommen, und Elbrinxen hat mal gerade etwas über 1.100 Einwohner. Ihr möchtet ein weiteres Beispiel? Hab ich: das Dorfgemeinschaftshaus Rischenau. Rischenau hat rund 1.100 Einwohner.

Ich könnte hier eine lange Liste von sogenannten Eigenleistungen oder ehrenamtlichen Leistungen unserer Ortsteile aufzählen. (Bei den beiden Begriffen bekomme ich Weltraumherpes). Was ich damit sagen will ist: Klare Sache, so einem Engagement begegnet man überall – ob in kleinen oder „großen“ Ortsteilen. Ich glaube aber, dass das Engagement in den kleinen Ortsteilen im Verhältnis größer ist. Oder in fiktiven Zahlen ausgedrückt: Von 100 Einwohnern in den Ortsteilen sind 80 in einem, mehreren, oder gar keinen Verein ehrenamtlich engagiert, während das in größeren Städten zum Beispiel nur noch 50 von 100 Leuten sind. Dafür gibt es Gründe, auf die ich an dieser Stelle aber nicht weiter eingehen möchte.

Ich komme noch mal auf die Sache mit den Fanfaren zurück: Wenn sich in einem „großem“ Ortsteil, in einer Stadt eine Gruppe Ehrenamtlicher zusammenfindet, und Blumen auf einer sehr präsenten, öffentlichen Flächen pflanzt, geschieht das fast nie, ohne das dafür die Fanfaren den „Triumphmarsch“ schmettern. Das ist auch angebracht, als Dank, Anerkennung und vielleicht auch als Motivation. Aber habt Ihr schon mal den Triumphmarsch gehört, wenn in den kleinen Orten, in den Ortsteilen die Blumen in den öffentlichen Beeten gepflanzt, gegossen und regelmäßig von den Einwohnern gepflegt werden? Für die ist das selbstverständlich. Aber darf man das deswegen weniger wertschätzen, nur weil dieses Engagement in den Ortsteilen selbstverständlich ist, und weil sie es schon immer gemacht haben?

Nun ja, ehrenamtlich Beete zu hacken ist ja eigentlich auch kein Ding, wofür man die Fanfaren aus den Koffern kramen müsste – könnte man meinen. (Übrigens: Die Fanfaren der Gegenwart sind die Kameras und die Berichterstattungen darüber.) Sind wir wirklich schon so abgestumpft, dass es immer blitzen und krachen muss, dass es groß und laut sein muss, um etwas wahrzunehmen, anzuerkennen, wertzuschätzen? Und gucken wir auch hinter diejenigen, die sich dann vor die „Fanfaren“ werfen und als die Macher präsentieren? An diese Fragen musste ich denken, als ich das „Elbrinxer Osterrad“ einschweben sah. Ja, das sehen sie [1] jetzt vielleicht. Das ist ja auch groß genug.

Neben all den unendlich vielen täglichen ehrenamtlichen Leistungen im Hintergrund, die wie gesagt auf den Ortsteilen viel dichter angesiedelt sind, müssen wir wohl erst ein großes Hinweisschild was nächtens angestrahlt wird aufstellen, um diese Leistungen zu sehen. Wir können nicht mehr „nur“ erleben – wir bauchen erlebbarer.

Noch ein Punkt der mir wichtig ist: Ich habe nicht selten mit Vereinen aus den Ortsteilen zu tun. Was mir dabei immer wieder auffällt ist, wie wunderbar unprätentiös, authentisch diese oft sind.


Diesen Text habe ich nicht geschrieben, um die vielen Leistungen der Ehrenamtlichen hier in der Kernstadt von Lügde zu schmälern. Ich habe den Text geschrieben für diejenigen, die auf das, was hier in den vergangenen Jahren geleistet und gebaut wurde verweisen, und ernsthaft die Frage stellen: Und was tun die Ortsteile für Lügde?

[1] All denjenigen, die diese Frage gestellt haben oder denen sie auf der Zunge liegt, bitte ich, geht doch mal hin, in die Ortsteile, schaut doch mal was dort alles gemacht wird.

Der Aufmerksame wird belohnt.