Vorschläge zum „Lügder Tag des Ehrenamtes“

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Eine Rose

Als kleines Dankeschön…

Manchmal muss man seine Texte erst eine Weile abhängen, sie reifen lassen, bevor man sie veröffentlicht. Das ist nicht nur bei Texten so, das trifft auch bei Themen zu. So wie dieses Thema hier. Die Vorschläge mit den verschiedenen Textfassungen dazu hängen nunmehr schon seit über fünf Jahren in meinem Dokumenten-Schrank.

Es geht um das Ehrenamt – genauer: um die „Würdigung des Ehrenamtes“ in Lügde. Das ist eine kleine Feierstunde, die auf Anregung des Rates der Stadt Lügde in der Regel einmal im Jahr ausgerichtet wird. In der Feierstunde werden Bürgerinnen und Bürger geehrt, die sich ehrenamtlich engagieren. Das heißt, der Rat bedankt sich bei ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern für ihren Einsatz, und stellt dabei gleichzeitig deren ehrenamtliche Leistungen heraus.

Geehrt werden Einzelpersonen oder Gruppen, wobei jede Feierstunde ein eigenes Thema hat – sich also ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger aus einem ganz bestimmten Bereich zuwendet. In den vergangenen Jahren wurden zum Beispiel Bürgerinnen und Bürger aus diesen Bereichen geehrt: Hospiz-Verein, Theatergruppen, Gesang- und Musikvereine, Freibad-Vereine, Feuerwehren, Schützenvereine, Heimatvereine… Meistens wurden die Themen von der Politik festgelegt, manchmal aber auch von der Verwaltung vorgeschlagen.

Üblicherweise werden Einzelpersonen aus einem bestimmten Bereich geehrt – also keine Sparte als Ganzes, wie es zum Beispiel bei den Freibad-Vereinen der Fall war. Wenn jedoch die Leistungen von Einzelpersonen geehrt werden, führt das automatisch zu dem Problem der Wahl. Wer kennt schon alle Bürgerinnen und Bürger, die sich in den verschiedenen Bereichen in besonderer Weise für ihre Mitmenschen einbringen? Viele dieser guten Geister arbeiten im Hintergrund, ihre Leistungen, so enorm sie auch sind, bleiben für ein breites Publikum „unsichtbar“. Denkt nur an die Bürgerinnen und Bürger die sich in den Hospiz-Vereinen engagieren.

Das Problem dabei war also oft: Die Politik hat einen Bereich festgelegt, und die Verwaltung hat sich auf die Suche nach Kandidatinnen und Kandidaten gemacht. Wenn ich als Sachverarbeiter zwar weiß, dass wir Bürgerinnen und Bürger aus dem Bereich „Musik- und Gesangvereine“ ehren wollen, aber – unter Berücksichtigung von Beweggründen Dritter – „filtern“ muss welche Personen im Einzelnen, kann das sehr peinlich werden. Ich verrate kein Geheimnis: Das läuft dem Sinn und Zweck der Veranstaltung komplett zuwider.

Aus dem Grund habe ich immer mal wieder angeregt, Bürgerinnen und Bürger vorschlagen zu lassen, wen sie vom Rat geehrt wissen möchten. Das sei schwierig zu handhaben, dann müsse man eine Kommission dazwischen schalten, und so weiter – bekam ich als Antwort zu hören. Ich gebe zu, so einfach ist das wirklich nicht zu bewerkstelligen. Wie das ablaufen könnte, und warum ich nach wie vor mit der Lösung liebäugle, werde ich in einem separaten Beitrag erklären.

Aus den Reihen der Politik ist vor einigen Jahren mal in Erwägung gezogen worden, die „Würdigung des Ehrenamtes“ mit einem Neujahrsempfang abzuwickeln. Man könne dann viel mehr Menschen (auf einen Schlag) ehren, lautete ein Argument. Ich glaube jedoch, je mehr gute Geister ich in einer Feierstunde ehren möchte, desto weniger Ehre, Aufmerksamkeit, Wertschätzung kann ich ihnen zuteilwerden lassen. Die Laudationes schrumpfen dann auf drei, vier Sätze. Das ist dann wirklich nur ein „Abwickeln“, und hat meiner Meinung nach schon den Beigeschmack von einer Alibi-Veranstaltung.

Nach meiner Erfahrung empfiehlt es sich, wenn Einzelpersonen geehrt werden sollen, nicht mehr als sechs Bürgerinnen und Bürger hierfür auszuwählen. Sollen ganze Bereiche, also zum Beispiel Vereine als Ganzes, geehrt werden, sollten es nicht mehr als drei sein.

Damit ich meinen nächsten Vorschlag ausführen kann, muss ich kurz erklären, wie die Feierstunde zum „Lügder Tag des Ehrenamtes“ [1] in der Regel abgelaufen ist: Die Verwaltung organisiert die Veranstaltung, und sie schreibt die Laudationes, die vom Bürgermeister in der Feierstunde vorgetragen werden. Zu der Feierstunde eingeladen werden die Ehrengäste, die Ratsmitglieder, Ortsbürgermeister (alte Bezeichnung: Ortsvorsteher) und die Vertreter der Lokalpresse.

Klar, es gibt viele Möglichkeiten der Feierstunde größeres Gewicht zu verleihen. Man kann sich zum Beispiel fragen, warum das eine geschlossene Veranstaltung ist. Die Bürgerinnen und Bürger erfahren davon nur über die Zeitung und über das Internet. Antwort: Das hängt davon ab, wie groß das Budget ist, welches dafür bereitgestellt wird. Auch das ist ein Punkt, den ich an dieser Stelle nicht weiter ausrolle. Ich werde darauf in dem oben bereits angekündigten Artikel zurückkommen.

Aber auch ohne den Umfang der Feierstunde zu vergrößern, lässt sich deren Wirkung verbessern. Und jetzt komme ich zu meinem Vorschlag, den ich schon seit Jahren lanciere. Heute also auf diesem Weg, mit diesem Artikel. Mein Vorschlag an dieser Stelle ist, dass die zu ehrenden Bürgerinnen und Bürger konkret von den Ratsmitgliedern benannt werden. Und, dass das Ratmitglied, welches die Bürgerin/den Bürger vorgeschlagen hat, die Laudatio verfasst und diese in der Feierstunde vorträgt.

Warum? Wenn jemand eine Bürgerin/einen Bürger für die Ehrung vorschlägt, hat er meistens auch mehrere Gründe vor Augen, warum er sie/ihn geehrt wissen möchte. Meistens, weil er sie/ihn ganz einfach besser kennt. Dem Vorschlagenden ist es daher viel besser möglich, die Bedeutung der ehrenamtlichen Tätigkeit seiner Kandidatin/seines Kandidaten herauszustellen. Das ist die Begründung zur Praktikabilität.

Entscheidend aber ist, dass dadurch der Veranstaltung mehr Beachtung beigemessen wird. Einer Beachtung die sie verdient. Denn es wird eine viel größere Nähe geschaffen, zwischen denen die sich bedanken wollen, und denen die dabei geehrt werden sollen. Das erhöht die Authentizität und damit auch die Identifikation.

Ich habe diesen Artikel (nun endlich) geschrieben, weil der Lügder Tag des Ehrenamtes jüngst im Rat der Stadt Lügde angesprochen wurde, und die Politiker vermutlich in Kürze entscheiden werden, aus welchem Bereich Bürgerinnen und Bürger geehrt werden sollen. Und vielleicht finden dabei meine Ideen auch Gehör.

[1] Die Feierstunde zu Ehren engagierter Bürgerinnen und Bürger trägt eigentlich noch den Titel „Würdigung des Ehrenamtes“. Das klingt mir zu hölzern, nicht genügend greifbar. Vor zwei, drei Jahren habe ich ihr erstmalig – in Anlehnung an den Internationalen Tag des Ehrenamtes – die Bezeichnung „Lügder Tag des Ehrenamtes“ gegeben. Ich glaube, das bringt es besser auf den Punkt.

Der Internationale Tag des Ehrenamtes […] ist ein jährlich am 5. Dezember abgehaltener Gedenk- und Aktionstag zur Anerkennung und Förderung ehrenamtlichen Engagements.

— de.wikipedia.org: Internationaler Tag des Ehrenamtes