Unvollständig zu informieren hat Folgen

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Beleuchtete Bambusstäbe im Kurpark Bad
Pyrmont

Geschönte Reihe

Wir kennen das: Wenn wir Ärger vermeiden wollen, wenn wir nicht zusätzlich Öl ins Feuer einer Diskussion gießen möchten, beschränken wir uns beim Informieren. Wir antworten nur wenn wir gefragt werden, geben Auskunft nur soweit wie unbedingt nötig und so weiter.

Das ist menschlich – aber nicht immer opportun. Vielleicht beruhigen wir uns noch selbst: Diese Infos, also die, die wir dabei unter den Tisch fallen lassen, sind eh nicht relevant – sie sind nebensächlich. Gleichzeitig aber wissen wir: Die Entscheidung haben wir über den Kopf unseres Gesprächspartners hinweg getroffen – und vielleicht würden gerade diese vermeintlichen Nebensächlichkeiten ihn veranlassen, eine andere Entscheidung zu treffen.

Dieser „Taktik der gefilterten Informationen“ bedienen sich natürlich zuweilen auch Unternehmen oder Behörden. Und selbst Zeitungen – ja, Zeitungen! – tun so etwas. Hier ein Beispiel von gestern: „Asylstatistik, geschnitten serviert“, bildblog.de.

Unternehmen oder Behörden nutzen diese Taktik vermutlich ebenfalls in der Hoffnung, damit Ärger zu vermeiden. Zeitungen versuchen wohl eher, damit eine bestimmte Meinung bei den Leser_innnen zu verfestigen.

Übrigens: Wer diese Taktik als Herausforderung versteht, nennt sie gern: Die Kunst des richtigen Weglassens.

Doch die Taktik hat einen Haken. Wenn auch oft leider zu spät – meistens wird sie durchschaut. Aber was immer danach passiert, eines bleibt – Misstrauen. Misstrauen beim Kunden, beim Bürger, beim Leser.

Misstrauen ist leicht zu erzeugen, aber schwer abzubauen. Und Misstrauen kann mehr und nachhaltiger Ärger verursachen, als der Ärger, der durch die „Taktik der gefilterten Informationen“ vermieden werden sollte.

Für Unternehmen wie Behörden bedeuten verärgerte Kunden meistens jede Menge Arbeit. Während den Unternehmen schlimmstenfalls sogar Kunden „weglaufen“ können, passiert das bei Behörden eher weniger…

Warum also Unternehmen und Behörden trotzdem oft unvollständig – oder über bestimmte Themen gar nicht informieren, ist mir ein Rätsel.