Unsere Website: Was ist ganz wichtig und was ist wichtiger?

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Ein Mann geht auf einem
FeldwegEin Mann, ein Weg!

Alles ist wichtig! Und was wichtig ist und damit zu tun hat, muss immer greifbar sein!

Auf eine Website bezogen würde Mann sagen: „Was wichtig ist, muss immer auf der Startseite zu sehen sein! Oder noch besser: auf jeder Seite!“ Und weil ja alles wichtig ist, muss auch alles auf jeder Seite eines Internetangebotes zu finden sein.

Wie macht Mann das? Ganz einfach: Mann packt auf jede Seite die Links zu dem was wichtig ist. Irgendwann stellt Mann fest, die Sache hat einen Haken: „Ich habe jetzt zwar alles was wichtig ist [und das ist ja alles] auf jeder Seite verlinkt, aber diese vielen Links – das ist ziemlich unübersichtlich, und schön aussehen tut’s auch nicht. Außerdem habe ich keinen Platz mehr für neue Inhalte, sprich: Texte. Und dann will ich da ja noch viele tolle Fotos unterbringen!“

Also beschließt Mann: „Alles ist wichtig, aber nicht alles ist ganz wichtig. Ich packe nur Links zu den ganz wichtigen Informationen auf jede Seite.“ Doch sehr schnell schon stellt sich seinem Eifer eine weitere Frage in dem Weg: Was ist ganz wichtig und was ist nur wichtig?

Nach einigen Grübeleien nimmt unser Mann auch diese Hürde: „Diese Dinge finde ich ganz wichtig. Die Links dorthin werde ich jetzt auf jeder Seite unterbringen.“ Gesagt, getan – aber richtig zufrieden ist er mit seiner Arbeit nicht. Einige der von ihm verlinkten Informationen erscheinen ihm wichtiger als ganz wichtig. Soll er nun die nur ganz wichtigen Links löschen? „Nein!“, entscheidet er: „Immerhin sind die ganz wichtig!“

„Aber irgendwie muss ich die Links hervorheben, die wichtiger als die ganz wichtigen Links sind“, findet er: „Ich könnte den Links eine andere Schriftgröße, und noch eine andere Farbe verpassen. Oder ich setze ein kleines, passendes Foto davor, oder eine Art Logo …“

Nach getaner Tat, sagen wir am siebenten Tag, stellt unser Mann voller Stolz sein Werk vor…

Ob wohl alle damit einverstanden sein werden, wie er die Prioritäten gesetzt hat?


Ihr ahnt schon, worauf die Geschichte hinausläuft. Mann kann für seine Website eine Menge Gehirnschmalz darauf verwenden, Antworten auf Fragen wie diese zu finden:

  • Wie soll die Website ausgerichtet werden, welche Schwerpunkte soll sie haben?
  • Welche Informationen sollen auf der Website nicht eingestellt werden?
  • Wie serviere ich unsere Informationen? Wo genau offeriere ich diese?
  • Was sagen eigentlich die Kunden dazu? Was erwarten die? Und: Wer sind überhaupt meine Kunden?
  • Wo bringe ich Links, oder die Texte zu wichtigen Infos unter, von denen ich jetzt noch nicht weiß, dass ich sie mal unterbringen muss? Habe ich dafür eine Reserve?

Solche Fragen sollten beantwortet werden, bevor eine Website erstellt werden. Aber auch ein anstehendes Relaunch bietet sich dafür an.


Ich habe diesen Text geschrieben, weil ich wiederholt beobachtet habe, dass Websites zusammengeschraubt wurden, ohne dass sich die entscheidenden Leute – die Verantwortlichen der jeweiligen Website – darüber Gedanken gemacht haben. Auch die Erwartungshaltung der Kunden werden oft nicht in den Prozess mit einbezogen.

„Dafür haben wir doch unseren Webmaster!“, ist eine gängige Begründung dafür. Der Webmaster kann sicherlich viel Know-How und Erfahrung einbringen. Doch solche Entscheidungen müssen in den Chefetagen der Firmen, Vereine, Behörden usw. getroffen werden – und wie gesagt: vorher, und nicht im laufenden Betrieb.

Leider geschieht das oft nicht. Was manchmal dazu führt, dass das Konzept einer Website nach und nach demoliert wird, weil ständig Änderungen vorgenommen werden, die beim Erstellen der Website nicht bedacht wurden. Wenn aber, wie oft gepredigt, eine Website das Spiegelbild einer Organisation im Netz sein soll, ist diese Vorgehensweise nicht opportun.

„Eine Internetseite – ja, das ist wichtig, die muss man heute haben.“ Ein Satz, den mittlerweile alle Verantwortlichen von Organisationen sagen. Doch bei vielen von ihnen ist aus der Betonung des Satzes bereits herauszuhören, dass sie nicht hinter der Aussage stehen, sondern die Website ihrer Organisation lediglich als lästige Pflichterfüllung betrachteten.

Ob Verantwortliche wirklich hinter der Website ihrer Organisation stehen, lässt sich sehr leicht daran erkennen, wie intensiv sie an dem Entstehungsprozess (oder dem Relaunch) mitwirken. Und natürlich daran, wie intensiv sie die Website ihrer Organisation im Alltag begleiten.


Ich glaube, solche Überlegungen – beim Erstellen einer Website oder beim Relaunch einer Website – sind auch eine gute Gelegenheit, sich mal wieder über die Philosophie des Unternehmens, der Behörde, des Vereins im Klaren zu werden: Gehen wir doch mal in uns. Was sind unsere Aufgaben? Wo stehen wir? Was können wir leisten? Was können wir nicht leisten? Wo wollen wir hin? Und so weiter.