Schaut in einen Spiegel, sagt der Tod

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Gewitterwolken im
April

Tagebuch des Todes: 1942
[…] Ich habe keine Sense. […] Ich habe auch kein Totenschädelgesicht, das ihr mir so gerne andichtet. Wollt ihr wissen, wie ich wirklich aussehe? Ich sage es euch. Schaut in einen Spiegel.

— Aus dem Roman „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak, Seite 335

Weit über ein Jahr ist es her. Klar, auch in der Zwischenzeit habe ich Bücher gelesen – allerdings ohne darüber zu schreiben. Das möchte ich jetzt nachholen. Und mit dem Roman, den ich jüngst durchgelesen habe, will ich die Reihe wieder aufnehmen.

Die Bücherdiebin“ ist, wie viele Bücher, zufällig in meinem Einkaufskorb gelandet. Ich habe vorher nichts von dem Roman gehört, dabei ist er in deutscher Übersetzung schon seit 2008 auf dem Markt.

Als ich die ersten Seiten des Buches gelesen hatte, war ich etwas irritiert: Kurze Kapitel, oft mit einer Art Teaser vorweg, mal werden lediglich die in dem Kapitel handelnden Akteure, ein anderes Mal ein kurzes Statement in diesen Anreißertexten aufgeführt. Das Zitat oben, ist ein Auszug aus so einem Teaser.

Ich habe das Zitat aus mehreren Gründen ausgewählt – hauptsächlich aber, weil der Erzähler der Geschichte „Die Bücherdiebin“ der Tod ist. Auch damit musste ich mich beim Lesen der ersten Seiten erst zurechtfinden. Das mag anders sein, wenn man das vorher weiß.

Der Tod, der die Seelen der Menschen mitnimmt, erzählt eine Geschichte.

…die Geschichte von Liesel in der Zeit von 1939 bis 1943.

*Der* Tod? Ist der Tod wirklich männlich, oder ist er weiblich? Ist er gut, oder ist er böse? Macht er das, was er da macht gern, oder nicht? Interessante Fragen, nicht wahr? Der Autor des Romans, Markus Zusak, hat sich solche Fragen gestellt, wie im hinteren Teil des Buches zu lesen ist. Denn er musste eine Antwort für diese Fragen festlegen, um einen seiner Protagonisten, den Erzähler der Geschichte – um dem Tod „Leben einzuhauchen“.

*Eine* Geschichte aus einer Zeit, der in der unzählige Menschen ihr Leben verloren. Eine Geschichte aus einer Zeit, in der viele Menschen über das Leben, aber besonders über den Tod anderer Menschen entschieden haben. In wessen Auftrag handelt eigentlich der Tod? Oft ist die Antwort so nah. – Schaut in einen Spiegel.

Hat der Tod ein Herz? Er scheint es zu haben. Denn nur ein unzufriedenes Herz wird makaber. Und so schreibt er 1942 in sein Tagebuch:

„Vergesst die Sense – ich hätte einen Besen oder einen Wischmopp gebraucht. Oder Urlaub.“

— — Aus dem Roman „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak, Seite 335

Sicher, der Roman ist keine leichte Kost. Der geschichtliche Hintergrund, der sich stärker und stärker auch in das Leben der kleinen Liesel drängt, ist schließlich ein unangenehmer Teil unseres Spiegelbildes. Und dennoch es es ein toller Roman.

Ich wollte eine Rezension von Liesel, „Die Bücherdiebin“ schreiben – und erzähle vom Tod. Also müsst Ihr Euch doch von dem die Geschichte erzählen lassen, mit dem alle Geschichten enden.

„Du stiehlst Bücher? Warum?“ „Wenn das Leben dich bestiehlt, musst du es dir manchmal zurückstehlen.“

— youtube.com: Aus dem Trailer zu „Die Bücherdiebin“.

Die besten Geschichten schreibt das Leben, heißt es oft. „Die Bücherdiebin“ zeigt, dass das nicht immer so ist.