Pumpspeicherwerk Lippe – ein Dialog

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»Bist du nun dagegen oder dafür?« Er meinte das Pumpspeicherwerk Lippe in Lügde. »Darum geht es mir doch: Ich kann die Frage nicht beantworten, weil es zu wenig Informationen dazu gibt.« »Aber du hast doch geschrieben, dass die Leute von der PSW Lippe GmbH jetzt einen FAQ-Bereich auf ihrer Website anlegen wollen.«

»Das hätten sie schon längst machen können. Das sind Profis. Die haben mit Sicherheit eine riesige Presseabteilung. Und bereits am ersten Bürgerinformationsabend sind etliche Fragen gestellt worden. Die und die Antworten hätten sie schon ein paar Tage danach auf ihre Website packen können. Aber wer nicht an diesen Infoveranstaltungen teilnehmen kann, ist aufgeschmissen. Der bekommt keine Informationen. Und das in Zeiten des Internets.«

»Wann war denn der erste Info-Abend?« »Am 19.9.2013, also vor vier Monaten. Meines Wissens hat die PSW Lippe GmbH noch weitere Veranstaltungen – für wen auch immer – durchgeführt. Auch da werden Fragen gestellt und von denen vielleicht beantwortet worden sein. Fehlt nur noch, dass die mich fragen, welche Fragen sie denn im FAQ-Bereich beantworten sollen.« »Hm, da gebe ich dir recht. Wenn ein Konzern wie Hochtief so agiert, könnte man wirklich dazu kommen Verschwörungstheorien zu entwickeln. Denn die werden doch wohl wissen, wie Öffentlichkeitsarbeit funktioniert.« »Ja, genau das meine ich!«

»Aber mal anders gefragt: du bist gegen das Kernkraftwerk in Grohnde, das liegt ja auch quasi vor deiner Haustür, und wenn du jetzt noch gegen das Pumpspeicherwerk bist – woher soll er denn kommen, der Strom? Wenn auf dem Mörth noch ein paar Windmühlen gebaut würden, würdest du dich bestimmt auch aufregen. Alle brauchen und wollen sie Strom, aber den riesigen Strommasten will keiner im Garten stehen haben.« »Du hast recht. Das ist blöd. Man kann nicht immer nur die Vorteile wollen. Aber lass uns mal beim Thema bleiben. Außerdem habe ich dir gesagt, dass ich nicht grundsätzlich gegen das Pumpspeicherwerk bin.

Also: Selbstverständlich freue ich mich, wenn hier investiert werden soll, wenn hier zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden, wenn wir in Lügde einen Beitrag zum Umweltschutz leisten können – dazu zählt für mich auch die Möglichkeit Energie speichern zu können. Aber der Eingriff in die Natur ist riesig.

Wir wohnen hier auf dem Land. Die Autobahn ist weit weg. Der Breitbandausbau läuft nur sehr schleppend voran. Und die Berge rings um unsere Stadt verhindern, dass die Stadt sich weiter ausbreiten kann. Aber es ist schön hier. Und das ist der Punkt: Wir können eigentlich nur mit unserer tollen Landschaft trumpfen. Und auf den Berg, den du fast von überall in Lügde sehen kannst, soll das Pumpspeicherwerk gebaut werden. Was ist, wenn dem Unternehmen beim Bau die Puste ausgeht? Oder wenn sich das Dingen nicht rentiert? Dann haben wir da oben eine riesige, weithin sichtbare Bauruine. Und nebenbei: In der Zeitung habe ich gelesen, dass das Unternehmen in Deutschland noch kein Pumpspeicherwerk gebaut hat.«

»Mit anderen Worten: Du hast Angst, dass das in die Hose geht.« »Richtig. Das sind jetzt zwar andere Dimensionen, aber schau dir mal die ganzen unvollendeten Großprojekte in Deutschland an. Was da ständig wächst, ist der Kostenberg. Nimm einfach das Beispiel Elbphilharmonie. Das ist auch ein Hochtief-Projekt.« »Na gut, aber das muss ja bei eurem Pumpspeicherwerk nicht so kommen.« »Ja, es mag sein, dass ich zu panisch bin. Aber mir ist die Geschichte zu intransparent. Und ich habe Sorge, dass im Hintergrund, außerhalb der Öffentlichkeit Dinge beschlossen werden, die später nicht mehr rückgängig gemacht werden können.«

»Warte doch einfach ab, was die in ihren FAQ-Bereich schreiben.« »Das ist es ja. Alle warten sie ab. Sie können sich nicht positionieren, weil sie keine Infos haben. Aber bei einem Projekt dieser Größenordnung ist mir das absolut zu mager, was da bislang an Infos vorliegt. Und die Art und Weise wie denen die Infos geradezu aus der Nase gezogen werden müssen, ist und bleibt für mich verdächtig. Ich wünsche mir, dass die Leute hier aufstehen und denen von der PSW Lippe GmbH zurufen: *Jetzt aber mal Butter bei die Fische!*«


Dieser Dialog hat so nie stattgefunden. Er ist eine Collage mit Auszügen aus Gesprächen, die ich zu dem Thema Pumpspeicherwerk Lippe bislang geführt habe. Den Text habe ich geschrieben, um noch mal zusammenzufassen was mir Sorgen bereitet, und was ich möchte.