Pressemitteilungen und Authentizität

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Vollmond

Mehr Licht bitte!

Was mich an Marketing- und Presseabteilungen nervt ist, dass sie von Authentizität bisweilen nicht viel halten. Sie zeigen und schreiben mitunter Sachen, die mit der Realität wenig zu tun haben (Beispiel). Sie blenden Dinge aus, die aber, um sich einen echten Überblick verschaffen zu können, erforderlich sind.

Vor einigen Wochen wurde mir eine Pressemitteilung zugesandt, die in Vergangenheitsform von einer Veranstaltung berichtet – die noch nicht stattgefunden hat. Es war noch nicht mal ein Termin dafür anberaumt worden. Der Presse sollte diese Mitteilung übermittelt werden, sobald das Treffen gelaufen, und das passende Aufmacher-Foto davon geschossen worden ist.

Interessant ist, dass der Pressetext auch schon Zitate enthielt, also Aussagen von Leuten, die an dem Termin teilnehmen sollten. Das erinnert mich an Textvorlagen für Theaterstücke. Nun geht es bei der Geschichte aber nicht um ein Theaterstück, sondern um eine ernste Sache. Und dann finde ich es schon wichtig zu wissen, wer da wann genau eine Aussage mit welchem Inhalt getroffen hat.

Nebenbei: Ich wage zu bezweifeln, ob allen Akteuren zu dem Zeitpunkt die Bedeutung der Aussagen bekannt waren, die ihnen der Pressetext in den Mund gelegt hat.

Ich habe mir sagen lassen, dass diese Vorgehensweise überhaupt nicht unüblich ist. Bloß – was hat das mit Authentizität zu tun? Warum geben sich die Theaterspieler Akteure, also die, die sich da in Szene stellen lassen, dafür her?

Was denken die Leserinnen und Leser des auf der Pressemitteilung basierenden Zeitungsartikels, wenn sie von solchen Hintergründen erfahren? „Ja, okay – du musst verstehen, das ist deren Arbeitsweise“, diese oder ähnliche Antworten sind mir daraufhin schon gegeben worden. Manchmal beginne ich zu glauben, die meisten Menschen wollen getäuscht werden.

Ja, dies ist nur ein kleines Beispiel aus dem Lokal-/Regionalbereich. Trotzdem mag ich mich nicht mit solchen Arbeitsweisen anfreunden.